Das Zero-Energy-Museum

In Engelhartszell (OÖ) wurde eben der Spatenstich für das erste Zero-Energy-Museum der Welt gelegt, das Schütz Museum. Möglich gemacht wird das durch state-of-the-art Gebäudetechnik. In gut einem Jahr soll bereits eröffnet werden.

Der symbolische Spatenstich für das Schütz Museum in Engelhartszell an der Donau Ende August kam fast einem kleinen Staatsakt gleich: Der österreichische Außenminister, der chinesische Botschafter samt Kultur-Botschaftsrat, der Landtagspräsident, der Bürgermeister und natürlich das Bauherren-Ehepaar Josef und Irene Schütz waren in die 924-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Schärding gekommen, um den Baubeginn für das Schütz Museum zu feiern.

„Erstes klimaneutrales Museum der Welt“

„Das wird das erste klimaneutrale Museum der Welt“, kündigt der Bauherr und Kunsthändler Josef Schütz im Gespräch mit Building Times an. Gebaut wird nach den Plänen von Architekt Thomas Blazek, der sein Büro (Linz/Wien) Architekturkantine nennt und aus einem Architektur-Wettbewerb als Sieger hervorgegangen ist. Das Wettbewerbsprojekt sah einen luftigen Kubus von 27m mal 27m vor und wird rund 1.200 m² Ausstellungsfläche bieten. Allerdings wurde aufgrund von Anrainer-Protesten, die ursprüngliche Höhe von knapp 18 Metern um 2,30 Meter abgesenkt, sodass jetzt 15,50 Meter erreicht werden, sagt Schütz. „Wir wollen völlig neue Wege gehen und werden unter anderem drei Ateliers für artists in residence in das Museum integrieren und dort sollen die Besucher die Möglichkeit haben, dem Künstler über die Schulter zu schauen – wenn der Künstler das will. Dafür wird es Glaswände geben, die von Klarglas auf Milchglas umschaltbar sind. Und dann kann es gleich auch noch eine Personale (Einzelausstellung, Anm.) des Künstlers geben“, kündigt Josef Schütz an.

Starke China-Connections

Seine überaus starken Kontakte mit China – er hat zehn Ausstellungen in China als Kurator organisiert und verkauft viele chinesische Arbeiten in Österreich – wird Schütz auch in sein Museum einbringen, daher waren auch Außenminister und Botschafter beim Spatenstich. Neben der Dauerausstellung sind drei bis vier Sonderausstellungen pro Jahr geplant, je zwei nationale und internationale.

Für sein Museum kann Schütz auf 600 Werke der eigenen Sammlung zurückgreifen, die unter anderen Arbeiten von  Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Albin Egger-Lienz und Kolo Moser umfasst, sowie „auch 1.200 Kundenarbeiten, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren. Ich finde es viel spannender, Dinge zu zeigen, die noch nie zu sehen waren, und wir sind ja auch selber ständig Dauer-Leihgeber“, sagt der Kunst-Zampano, der 3,5 Millionen Euro bis vier Millionen Euro investiert und im Oktober kommenden Jahres sein Haus eröffnen will.

Bauteilaktivierung, Wärmepumpe

Für Zero Energy ist Martin Arnreiter (TB Arnreiter GmbH) aus Oepping (Bezirk Rohrbach, Anm.) verantwortlich, der die gesamte HKLS-Planung aufgrund eines Direktauftrages gemacht hat. Hatte Schütz von einer nicht-reversiblen Wärmepumpe gesprochen, meint Arnreiter gegenüber Building Times, dass müsse sie auch gar nicht sein, weil das Grundwasser relativ kalt sei. Herzstück der klimaneutralen Museumslösung ist die „oberflächennahe Bauteilaktivierung, durch die entweder warmes oder kaltes Wasser durchgeleitet wird“. Dazu kommt eine Grundwasserwärmepumpe, „die mit einem COP von über 5 einen sehr geringen Energieaufwand hat“, wie Arnreiter erläutert.

28,5 kWp PV-Anlage und KNX

Angetrieben wird die Wärmepumpe von einer PV-Anlage mit 28,5 kWp, die auf dem Dach des Museums installiert werden wird, einer „Überschuss-Anlage“ wie Elektroplaner Heinz Schlagintweit (Schlagintweit & Co Elektrotechnik und Planungs KG, Wallern) gegenüber Building Times erläutert, die den Strom-Überschuss ins Netz der Energie AG einspeist. „Bei 1.052 Sonnenstunden am Standort schaut das sehr gut aus“.

Was in Summe bilanziell übers Jahr zu Klima-Neutralität führen soll, glaubt HKLSPlaner Arnreiter. Fast schon nur der Vollständigkeit halber nennt er auch noch die Konditionierung des Gebäudes, „womit wir auch die in einem Museum besonders wichtige Luftfeuchtigkeit unter Kontrolle haben“. Die in einem Museumsbau ebenfalls sehr wichtige Lichtplanung hat Schlagintweit „zusammen mit der Erco Lighting GmbH (Wien) gemacht, „die spezifische Strahler liefern wird, für die wir ein sehr variables Stromschienen-System geplant haben, mit dem für jede neue Ausstellung neue Einstellungen gewählt werden können“. Die Gebäude-Leittechnik läuft über KNX-Bussystem, „das auf einem gewissen Level Industrie 4.0 ist“, wie Schlagintweit erläutert.

„Verbrannte Erde“ – Keine Landesförderung

Einigermaßen verwunderlich, wenn auch nicht überraschend ist die Tatsache, dass Schütz für sein Museum keinerlei Landesförderung bekommt. „Das ist verbrannte Erde“. Lediglich das Café werde mit zehn Prozent gefördert“, erklärt der Bauherr. Mit der „verbrannten Erde“ bezieht sich Schütz auf den Riesen-Wirbel um die massive Förderung der KTM-Motohall in Mattighofen. Allerdings ist der Wiener Kunsthändler Josef Schütz auch kein ÖVP-Großspender wie KTM-Boss Stefan Pierer.

Wirklich erstaunlich ist allerdings, dass Schütz von einem Kultur-Beamten aufgefordert worden war, ein Museums-Konzept für die Landesförderung vorzulegen – um dann vor dem Landeshauptmann von eben diesem Beamten hören zu müssen: „Herr Landeshauptmann, wir haben kein Geld“. Das nennt man hierzulande Frotzelei.

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