Caliqua verkauft – Management übernimmt

Die Caliqua Anlagentechnik GmbH hat mit Gunther Hipfinger einen neuen Mehrheitseigentümer. Der Manager hat das Unternehmen zuletzt im Namen des französischen Bauriesen Bouygues durch rauhes Fahrwasser gesteuert.

„Die Verträge sind unterzeichnet, nach 85 Jahren ist die österreichische Niederlassung der Caliqua nun erstmals in österreichischer Hand“, sagt Gunther Hipfinger. Er übernimmt gemeinsam mit dem Leiter der Servicesparte Anton Mischitz die Caliqua in einem Management Buy-out vom französischen Konzern Bouygues Energies & Services InTec. Dieser hatte die Caliqua erst vor rund einem Jahr in einem 850 Millionen Franken-Paket gemeinsam mit über 80 Unternehmen in der Schweiz, Deutschland und Italien von der schweizerischen Alpiq gekauft.

Während Bouygues E & S in der Schweiz mit mehr als 4.000 Mitarbeitern eine richtige Größe ist, ist die ohnehin nicht große Caliqua zuletzt geschrumpft. Verantwortlich dafür war und ist Gunther Hipfinger. Er hat die Leitung der Firma in einer heiklen Phase übernommen. Vor ihm wurden große Projekte wie die Krankenhäuser Mödling, Baden und St. Pölten ins Haus geholt, obwohl die Manpower dafür nicht ausreichend vorhanden war. Die damit verbundenen Troubles hat Hipfinger inzwischen hinter sich und die Mannschaft wurde auf eine überschaubare Größe reduziert. „Wir sind jetzt knapp 80 Mitarbeiter, das Servicegeschäft läuft gut und auch bei den Projekten sind wir auf einem guten Weg“, sagt der gebürtige Oberösterreicher.

Dazu kommt, dass mit dem Ex-Eigentümer weiterhin ein wohlwollender Partner zur Seite steht. „Wir haben eine Vereinbarung, dass uns Stabsstellen des Konzerns, wie zum Beispiel die IT oder die Rechtsabteilung bei Bedarf auch weiterhin unterstützen“, sagt der gelernte Elektrotechniker Hipfinger. Im Gegenzug kümmert sich das Caliqua-Team darum, dass die Verpflichtungen aus der Gewährleistung bei Projekten der Vergangenheit eingehalten werden. Das sei ein vernünftiger Deal, der beiden Seiten und den Kunden nutzt, so Hipfinger. „Wir wollen die Vergangenheit sauber abarbeiten“, erklärt er. Das sei in einigen Fällen auch schon gelungen. „Wenn man das Gespräch sucht, lassen sich auch Lösungen finden“, so der Hobbyläufer, der gerade mit dem Traunsee-Berglauf (70km, 4500 Höhenmeter) seinen 67. Marathon erfolgreich absolviert hat.

Der Manager ist seit rund einem Jahr Chef der Caliqua und war davor auch einige Jahre Geschäftsführer bei Johnson Controls. Er hat also irgendwie ein Faible für schwierige Fälle. Seiner Ansicht nach ist der Umbau der Caliqua aber schon ziemlich weit gediehen: „Die Neuausrichtung des Unternehmens ist nach den aufregenden letzten Jahren mit etlichen Großprojekten mittlerweile in der Endphase, speziell die schwierigsten Krankenhausprojekte sind abgeschlossen, übergeben und ordnungsgemäß in Betrieb“, erklärt er.

Nun sollten wieder ruhigere Zeiten einkehren, auch weil „das Unternehmen wieder auf eine Größe dimensioniert ist, die es auch vor den Großprojekten hatte“, so Hipfinger. Natürlich würden auch beide Standorte weiterhin hochgehalten, da Innsbruck auch in der Vergangenheit immer erfreuliche Zahlen geliefert habe. Über den Kaufpreis für sein neues Hobby hält er sich bedeckt, hier wurde mit dem Verkäufer Stillschweigen vereinbart.

Ein Urgestein

Die Firma Caliqua gibt es in Österreich seit 1934, sie ist somit ein Urgestein der Gebäudetechnik. Entstanden ist das Unternehmen aus der Not in der Textilindustrie – die dort installierten Dampfanlagen lieferten nicht ausreichend Dampf, weshalb der damalige Eigentümer die Sache selbst in die Hand nahm. In den Jahrzehnten danach gab es Höhen und Tiefen, die das Unternehmen zeitweise auch im Anlagenbau jenseits der Grenzen zu einem Ansprechpartner machten. Geblieben ist bis heute der Firmenname. Zahlen zur Caliqua sind rar. In der Ära vor Hipfinger waren gut 200 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro erwirtschafteten.

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