Wohnbau-Hotspot Graz

Neben Wien ist Graz derzeit der Wohnbau-Hotspot in Österreich: Im neuen Stadtteil Reininghaus läuft gerade die erste Übergabe, in der Smart City rund um den Science Tower nehmen immer mehr Objekte Gestalt an und einige recht große Projekte sind bereits im Laufen.

Rund eineinhalb Jahrzehnte hat es von den ersten Visionen bis zur ersten Wohnungsübergabe gedauert. Um aus der ehemaligen Industriebrache Reininghaus einen neuen 52 Hektar großen Stadtteil zu formen, sind im Grazer Westen siebzehn Bauträger zugange. Noch im Dezember sollen nun die ersten Bezüge erfolgen, wie Projektmanager und Investorenvertreter Harald Kopertz von Immo Solutions gegenüber Building Times bestätigt. Dann werden die ersten Mieter in das Objekt „Reininghaus Zehn“ einziehen, denn „alle Wohnungen, die bis Ende November vermietet wurden, haben grundsätzlich als Mietbeginn den 1.12.“ sagt Kopertz.

Das von der ÖSW AG als Generalübernehmer im Auftrag des „BNP Paribas Reim – nachhaltiger Immobilienfonds Österreich“ errichtete Wohnhaus mit 155 Mietwohnungen und 13.376 m² BGF ist vom Grazer Architekturbüro Seeger geplant worden und wird von der Örag verwaltet. Diese ersten Mieter werden bereits den 800 Meter langen neugestalteten Abschnitt der Alten Poststraße befahren können, der Ende November eröffnet wurde. Rund zwölf Millionen Euro hat die Stadt Graz dafür aufgewendet.

Auf den neuen Park samt „Pavillon“ unter einem hölzernen Flugdach (Foto), die von Architekt Sepp Hohensinn geplant wurden, müssen Neu-Reininghauser jedoch noch einige Zeit warten, aber immerhin hat der Grazer Gemeinderat eben erst Kosten von 8,3 Millionen Euro dafür freigegeben, die bis 2021 verbaut werden. Im nächsten Sommer soll dann das „Quartier 7“ der ENW mit 206 Wohnungen bezugsfertig sein. Bis zu sechsgeschoßige Holzhäuser, übrigens die ersten dieser Genossenschaft in dieser Größe, werden die geförderten Mietwohnungen beherbergen, 38 Millionen Euro werden investiert, geplant hat Hohensinn Architektur. Der fast 90 Meter hohe Q2-Tower, geplant von Hermann Eisenköck, wird noch einige Zeit dauern, auch der „Mirror“ der ÖSW Wohnbauträger GmbH, geplant von Pentaplan, braucht noch etwas Zeit. 108 exklusive, freifinanzierte Eigentumswohnungen sollen hier entstehen. Bis zu 12.000 Menschen sollen in Zukunft auf dem Reininghaus-Areal leben und arbeiten. Stadtbaudirektor Bertram Werle meint, dass das „urbane Herz“ des neuen Stadtteils „in fünf bis zehn Jahren erlebbar und gebaut“ ist. Auch die neue Straßenbahn-Anbindung soll später kommen.

Schule für Smart City

Mitte Oktober wurde die Volksschule Leopoldinum in der Smart City Graz offiziell eröffnet. Die von der Wiener Architektin Alexa Zahn geplante Schule wurde auf einem 5.686 m² großen Grundstück vis-à-vis vom Science Tower errichtet, weist eine Nutzfläche von 3.300 m² auf und hat rund 17 Millionen Euro gekostet. Gleich daneben in der „Cool City“ von Architekt Georg Eder gibt es bereits ein Studentenheim mit 220 Betten sowie rund 100 Wohnungen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Waagner-Biro-Straße, zur Eisenbahn hin, spielt sich das Haupt-Baugeschehen ab und dort ist auf dem Baufeld Süd der von Pentaplan entworfene Rohbau mit 24.000 m² BGF fertig und soll ab August 2020 übergeben werden. „Die Ankermieter sind bereits gesichert“, betont Dieter Johs von der Wegraz, der für das Bauträger-Trio Wegraz/Haring Group/Trivalue spricht. Aufmerksamkeit wird der Bau schon deswegen erregen, weil echte, bunte Schiffscontainer den Laubengängen vorgesetzt werden – als Keller-Ersatzräume.

Das Baufeld Nord, für das Nussmüller Architekten geplant haben, genauso wie für „Mitte“, wird in drei Gebäuden, laut Johs, 58.000 m² BGF aufweisen, die sich auf 438 Wohneinheiten, Gewerbe- sowie Büroflächen verteilen. Dieses Projekt steht kurz vor dem Baustart. Für das Baufeld Mitte, das mit vier Gebäuden besetzt wird, spricht Oliver Vallant für die Projektentwickler Insula und KS Group und berichtet, dass das Bürogebäude begonnen wurde, genauso wie die dreigeschoßige Tiefgarage mit 350 Stellplätzen. Hier wird auch eine Energiezentrale errichtet, die mit einem 42 m tiefen Brunnen zur Grundwasser-Nutzung und einer Wasser-Wärmepumpe arbeiten wird. Zwei Megawatt Kälte und Wärme werden hier, laut Vallant, angestrebt. Insgesamt werden hier 55.000 m² BGF für 230 Wohneinheiten, an denen ebenfalls bereits gebaut wird, und das AVL-Labor sowie 2.599 m² Geschäftsflächen entstehen.

Für die List-Halle schließlich gilt es festzuhalten, dass diese eine unterirdische Halle dazubekommen, das bestehende Dach begrünt werden wird und auf der Südseite „die modernste PV-Anlage Österreichs“ kommen soll, wie Geschäftsführer Erwin Hauser ankündigt. Womit der Grazer Wohnbau-Boom aber nur in seinen beiden örtlichen Konzentrationen beschrieben ist. Denn es gibt unzählige weitere Bauten und Projekte, etwa die Gleichenfeier für die „City Suites“ mit 100 Wohnungen und vier Geschäftslokalen um 22 Millionen Euro im Bezirk Gries, in dem auch das Projekt „Post Quadrat“ liegt, zwei Häuser mit 40 Wohnungen, geplant von p.good Praschl-Goodarzi Architekten, mit 2.400 m² Wohnfläche und in Brettsperrholz-Bauweise ausgeführt. Oder auch die Übergaben im Projekt „Ost.Wohnen am Stadttor“ mit 210 Eigentumswohnungen sowie Gewerbeflächen, von denen eine Lidl bezieht und auf 2.000 m² seine größte Filiale in der Steiermark einrichtet. Bereits im kommenden Herbst sollen die Bauarbeiten für ein neues Studentenwohnheim in der Nähe von Schloss Eggenberg mit 157 Einzel- und 14 Doppelzimmern abgeschlossen werden und soeben wurde mit dem Bau des „Quartier 4“ im Stadtteil Straßgang begonnen. Dieses Projekt von C&P-Immobilien, den Entwicklern des Brauquartiers, umfasst 700 Wohnungen und Nahversorgungs-Flächen. Schließlich wird nach Plänen von Zechner & Zechner Architekten das „Quartier Grillweg“ auf dem ehemaligen Euroshopping-Gelände an der Grazer Westeinfahrt gebaut, das rund 400 Wohnungen bringen wird, samt entsprechender Infrastruktur. Wie gesagt, das alles sind nur einige Streiflichter auf den Wohnbau-Hotspot Graz.

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