Resselpreis für Ziegelforscher

Der Resselpreis der TU Wien geht an Thomas Kiefer, der mit Hightech und mathematischen Modellen die Einsatzmöglichkeiten für Ziegel erweitert.

Ziegel sind ein Baumaterial mit vielen Vorteilen: Sie sind stabil und lange haltbar, haben gute Wärmeleitungseigenschaften und im Gegensatz zur Betonproduktion sind sie über ihre Lebensdauer betrachtet emissionsarm. Trotzdem spielen sie im Wohnbau heute eine untergeordnete Rolle – mehrgeschoßige Häuser werden meist aus Stahl und Beton errichtet. Thomas Kiefer möchte das ändern: Er forscht am Institut für Mechanik der Werkstoffe und Strukturen daran, die Eigenschaften von Ziegeln zu analysieren, zu erklären und zu verbessern. Dabei muss man auf unterschiedlichen Größenskalen ansetzen – von einer mikroskopischen Betrachtungsweise bis zur Analyse einer ganzen Ziegelwand. Für seine Dissertation wurde Thomas Kiefer mit dem Resselpreis der TU Wien ausgezeichnet.

Ziegel können mehr

„Was die Beständigkeit betrifft, sind Ziegel dem Beton eigentlich überlegen“, sagt Thomas Kiefer. „Doch wenn man moderne Wohnbauten errichten will, mit fünf oder sechs Stockwerken, dann kommen Ziegel an ihre Belastungsgrenze. Das liegt allerdings auch daran, dass Ziegel in den letzten Jahrzehnten kaum weiterentwickelt wurden.“ Um bessere Ziegel zu entwickeln, muss man ihre physikalischen Eigenschaften genau verstehen. Und das gelingt nur, indem man ihre Mikrostruktur studiert: Die Tonerde, aus denen man Ziegel herstellt, enthält unterschiedliche Bestandteile – etwa Feldspate, Quarze oder Glimmer.

„Zunächst muss man die Eigenschaften dieser Bestandteile verstehen, etwa ihre Steifigkeit oder die Wärmeleitfähigkeit“, sagt Thomas Kiefer. Dazu war es nötig, aufwändige Messmethoden weiterzuentwickeln, etwa für die Bestimmung der Wärmeleitfähigkeit im Rasterkraftmikroskop. Ebenso brauchte man mathematische Modelle, mit denen auf die Eigenschaften des Ziegelmaterials geschlossen werden kann – auch daran arbeitete Thomas Kiefer. Und aufbauend darauf entwickelte er schließlich ein Computermodell, mit dem man die Eigenschaften ganzer Ziegel oder Ziegelwände berechnen kann.

Winzige Poren

Nicht nur die verwendete Tonerde bestimmt die Eigenschaften des Ziegels, sondern auch die Verarbeitung: Man kann etwa Sägespäne beimischen, die dann beim Brennen des Ziegels kleine Poren entstehen lassen. „Mit unseren Modellen kann man genau sagen, welche Tonmischung und welche Formgebung bei der Ziegelproduktion die beste ist, um die gewünschten Eigenschaften zu erzielen“, sagt Thomas Kiefer. Er hofft, damit dem Ziegel als Baumaterial zu neuen Einsatzmöglichkeiten zu verhelfen. Er arbeitete mit dem Ziegelhersteller Wienerberger zusammen. Für die Bestimmung der Materialeigenschaften und bei der Charakterisierung der Tonerden kooperierte er mit der Boku sowie der Universität Wien.

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