Kapazitätsanpassung der Bauwirtschaft

Zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor wird es nötig sein, dass die Bauwirtschaft ihre Kapazitäten ausweitet. Das IIBW hat in einer Studie im Auftrag des Klimaschutzministeriums in Abstimmung mit der Bauwirtschaft und den Bausozialpartnern die Rahmenbedingungen analysiert und Maßnahmenvorschläge ausgearbeitet.

Die Bauwirtschaft kommt vergleichsweise gut durch die Krise. Das Produktionsvolumen sank 2020 trotz Covid-Einschränkungen, erschwerten Behördenverfahren und Problemen in den Lieferketten nur geringfügig auf insgesamt ca. 40 Mrd. Euro. Davon entfällt etwa ein Viertel auf die Sanierung im Hochbau. Aktuelle Kennzahlen und Markteinschätzungen zeigen, dass der Bau auch 2021 und in den Folgejahren eine Stütze der Konjunktur bleiben wird, selbst ohne Impulse bei Kesseltausch und thermischer Sanierung.

Das IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen führt laufend Projekte zu Fragen der Dekarbonisierung des österreichischen Wohnungsbestands durch, etliche im Auftrag des BMK. Der vorliegenden Studie liegt die schon im Herbst 2020 erkennbare Entwicklung zugrunde, dass die notwendige Erhöhung der Sanierungsleistung angesichts der weiterhin guten Auftragslage im Neubau nur mit einer Ausweitung der Kapazitäten der Bau- und Bauproduktewirtschaft zu erreichen sein wird.

Die Hauptergebnisse der Studie sind:

  • Für die Erreichung der Klimaziele ist eine rasche Erhöhung der Sanierungsrate von derzeit ca. 1,5% auf 2,5% und später auf 3,0% nötig.
  • Ein solches Szenario würde bedeuten, dass die Bauproduktion in der Hochbausanierung von heute ca. 10 Mrd. Euro pro Jahr bis 2025 auf ca. 16 Mrd. Euro steigen müsste.
  • Dem stehen wesentliche Barrieren entgegen. Die gute Konjunktur im Neubau mindert das Interesse der Bauwirtschaft für eine Schwerpunktverlagerung zur Sanierung. Der Neubau ist gegenüber der Sanierung attraktiver: wegen der höheren Wertschöpfung pro Mitarbeiter, dem geringeren Risiko und den Möglichkeiten der Vorfertigung.
  • Eine Steigerung der Bauproduktion geht mit einer Aufstockung der Beschäftigtenzahl einher. Die Simulationen ergeben beim Szenario einer raschen Erhöhung der Sanierungsrate zusätzlich ca. 22.000 Bau-Jobs (+7%). Das kann als Stimulation des Arbeitsmarkts gelesen werden, aber auch als Herausforderung, so viele Mitarbeiter*innen überhaupt rekrutieren zu können.
  • Kurzfristig wirksame Maßnahmen zur Behebung des Fachkräftemangels sind rar. Die größten Potenziale werden darin gesehen, die bereits laufenden Bemühungen um eine Attraktivierung der baubezogenen Lehrberufe stark auszuweiten. Das verspricht aber eine nur mittelfristige Entspannung.
  • Daneben werden in der Studie die großen Entwicklungspotenziale in Forschung, Technologie und Innovation für den Sanierungsmarkt dargestellt.
  • Die derzeitige extreme Preisentwicklung bei vielen Rohstoffen und Bauprodukten verschärft die Herausforderungen.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

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