Schlüsselgewerk Trockenbau?

Der Facharbeitermangel und die technischen Herausforderungen am Bau standen im Mittelpunkt des vierten Forums des Verbandes der Österreichischen Stuckateur- und Trockenbauunternehmungen (VÖTB) in der Wiener ÖAMTC-Zentrale.

Der Trockenbau ist das Schlüsselgewerk im Hochbau. Alle Schnittstellenproblematiken laufen beim Trockenbauer zusammen, er sichert Brand- und Schallschutz und hat damit große Verantwortung“, erklärte der Verbands-Präsident Gregor Todt gleich zur Begrüßung der Gäste. Todt betonte zudem, dass die wichtige Bedeutung dieser Aufgaben vom Handwerk selbst in der Vergangenheit zu wenig beachtet und nicht nachhaltig bestärkt wurde. Aus diesem Grund kümmere sich der VÖTB mit seinen Initiativen um den stetigen Image-Ausbau des Berufs. Eine davon ist das VÖTB-Forum, das dieses Jahr wieder für regen Austausch in der Branche sorgte.

Über die Zukunft der Bildung im Zeitalter der Digitalisierung philosophierte Konrad Paul Liessmann in seiner Eröffnungs-Keynote. Der Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität zeigte auf, dass die Digitalisierung nicht nur klassische Handwerksberufe bedrohe. Liessmann betonte, dass Bildung über berufsorientierte Bildung hinausgehen müsse. Junge Menschen müssten so ausgebildet werden, dass sie auf Unerwartetes vorbereitet sind und kompetent mit den Problemen der Digitalisierung umgehen können.

Bauen 2025

Welche Trends, Veränderungen, Chancen und Risiken auf die Bauwirtschaft in Zukunft zukommen werden, skizzierten der Innovationsexperte Michael Dell und Claus Stadler, Generalbevollmächtigter der UBM Development AG. Stadler stellte fest, dass die klassische Baubranche von einer traditionellen Kultur geprägt sei und sie viel mutiger sein könnte. Denn die Baubranche befindet sich in ständigem Wandel: Amazon steigt ins Immobiliengeschäft ein, Google kauft Nest. In Zukunft wird die Blockchain-Technologie die Dokumentation erleichtern und die Vorgänge transparenter machen. Zum Abschluss riet er den Teilnehmern: „Werden Sie Teil des Veränderungsprozesses, denn passieren wird er trotzdem.“ Dell zeigte spannende Beispiele aus der ganzen Welt auf, die unsere Zukunft maßgeblich verändern werden. Er betonte, dass BIM zwar der Stand der Technik sei, es aber trotzdem keiner verwende. Bedenkt man, dass es in Skandinavien bereits fast jeder benutzt und 2020 etwa in Deutschland BIM bei Projekten mit öffentlichen Geldern Pflicht werden soll, werde man sich in Zukunft diesem Trend nicht entziehen können.

Nachwuchs finden, fördern und fordern

Victoria Engelhardt von der Abteilung Personalentwicklung, Filialorganisation, Lehrlingsausbildung bei Spar veranschaulichte, wie die Handelskette mit jungen Menschen kommuniziert und interagiert, um dem Nachwuchsengpass zu begegnen. Das Thema Frauen in der Bauwirtschaft haben Lisa Tobler, Stuckateurin und Trockenausbauerin bei der Strabag, und das Strabag-Vorstandsmitglied Manfred Rosenauer in den Mittelpunkt gerückt. Rosenauer betonte, dass der Sektor in Zukunft stärker als bisher auf die Arbeitskraft von Frauen setze. Wenn es gelinge, mehr Frauen für eine berufliche Tätigkeit im Bauwesen zu begeistern, werde damit auch die Basis für eine höhere Repräsentation von Frauen in den Führungsgremien gelegt, meint er. 2017 zählte die Wirtschaftskammer unter allen Trockenbau-Lehrlingen einen ernüchternden Frauenanteil von 1,9 Prozent.

Eine davon ist Lisa Tobler. Sie bewarb sich bei unterschiedlichen Unternehmen und erhielt ausschließlich von der Strabag eine Rückmeldung. 2013 startete sie dort ihre Lehre, derzeit arbeitet sie als Bautechnikerin und hat schon drei von fünf Modulen der Meisterprüfung absolviert.

Trocknet der Trockenbau aus? Diese Frage stellte Kurt König, Director Human Resources Doka und Member of the Management Board. Als große langfristige Herausforderung sieht er die Ansprüche der neuen Mitarbeitergeneration. Diese Bedürfnisse präsentierte er in einem unterhaltsamen Vergleich der unterschiedlichen Generationen von Babyboomern, Generation X, Y und Z.

Wissenswertes über militärische Erfahrungen und ihre Nutzung im modernen Wirtschaftsleben erfuhren die Teilnehmenden in der Keynote von Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums. Ortner gab einen unterhaltsamen Einblick in interessante Schlachten und die Hintergründe, die zu Sieg oder Niederlage führten. Zuletzt fragte er: „Können aus der Militärgeschichte ‚zivile‘ Erfahrungen gewonnen werden?“ Ja, wenn bestimmte Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört, die richtige Perspektive zu wählen, die Probleme richtig zu erkennen, eine zeitgemäße Beurteilung der Verhältnisse anzuwenden und Verklärungen und Mythenbildungen zu vermeiden.

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