Gerichte machen Schallschutz

Nicht mehr die Bautechnik, sondern vielmehr Gerichte würden die Notwendigkeiten des Schallschutzes bestimmen, war eine wesentliche Erkenntnis des „forum Bau 2018 – Die Decke“, das erstmals veranstaltet wurde.

Decken in der heutigen Form gibt es schon jahrhundertelang, stellt Heinz Ferk fest. Er ist Schallschutz-Experte an der TU Graz und dort auch Leiter des Labors für Bauphysik. Mit der Zunahme des Verkehrslärms hätten wir heute aber eine veränderte Situation. Und verstärkt auch den Wunsch nach ruhigen Wohnungen. „In Japan ist das ganz anders, da hören Sie in der Wohnung, was draußen telefoniert wird. Und Italiener wollen zum Teil sogar den Nachbarn hören und solcherart Kontakt halten“, stellt der Experte beim erstmals veranstalteten forum Bau – Die Decke“ auf dem Campus Wels der FH OÖ in Wels fest. Veranstalter waren die Bauinnung der WK OÖ, die FH OÖ sowie TIM (Technologie- und Informations-Management).

Ferk zeigte die Wirkungsweisen von Deckenkonstruktionen und erweiterte diese auf Wände und Raumwirkung – er erläuterte also das Zusammenwirken der einzelnen Konstruktionen zum Raum. Schon davor gab der Welser FH-Professor Khaled Saleh Pascha einen Überblick über „Aktuelles, Forschung und Zukunft der Decke“. Dabei erläuterte er den Stand der Technik bei Deckensystemen, Decken- Verbundsystemen und die Verlegung der Haustechnik in die Decke. „Das macht nur in komplexen Systemen Sinn, wenn Lüftung, Beleuchtung, Heizung und Informationssysteme integriert sind“, sagte Saleh Pascha. Den Schallschutz überließ der Experte, der aus dem Holzbau kommt, seinem Grazer Kollegen Ferk.

Der wiederum nahm sich sowohl Trittschall als auch Luftschall vor und wies eindringlich auf die Notwendigkeit der Beschäftigung mit den tiefen Frequenzen hin: „Diese haben Wellenlängen von drei und fünf bis und sechs Metern, was bei ca. 340 Metern pro Sekunde Schallgeschwindigkeit 3,40 m bei 100 Hertz (Hz) bedeutet und 6,80 m bei 50 Hertz. Und das sind Raumgrößen.“ Derzeit würden aber erst Frequenzen ab 100 Hertz berücksichtigt. „Deshalb müssen wir Fehler durch richtige Entkoppelung der Systeme vermeiden“, sagte Ferk, der auch aufzeigte, was man mit Akustik im Raum machen kann, beispielsweise durch Kanten-Absorber für tiefe Frequenzen.

Das manchmal ungünstige schalltechnische Verhalten einzelner Bauteile und das Spektrum der Schalldämmung für einzelne Bauteile waren weitere Bausteine im Vortrag von Ferk, der aber gleichzeitig auch warnte: „Inzwischen entscheidet nicht mehr die Bautechnik, sondern die Gerichte. Es gibt bereits höchstgerichtliche Entscheidungen, die Vorkehrungen bis 50 Hz verlangen. Daher müssen wir mit diesem Thema achtsam umgehen“, forderte der Grazer Experte. Sein Labor hat soeben ein Forschungsprojekt über Frequenzverläufe begonnen, das unter dem Titel „Sound.Wood.Austria“ läuft.

Josef Helmut Suchan von der FH Wels blieb es vorbehalten, einen kräftigen Schlussakkord zu setzen: Er demonstrierte im praktischen Teil die Messung der Luftschalldämmung mit herkömmlichen Mitteln an einer Wand – Nachhallzeit, Schalldruckpegel etc. – und zeigte schließlich mit einer akustischen Kamera eine Schallbrücke, die Orte von Signalquellen anhand von Gegenständen, die die Besucher mit sich führten, sowie das Herausfiltern von Einzelgeräuschen aus einer Summe von vielen anderen Geräuschen deutlich machte.

Keine Kommentare

Kommentar schreiben