Politisches Tröpferlbad

In einem „Wettbewerblichen Dialog“ hat waagner biro steel and glass die Sanierung des Glasdaches des Bayerischen Landtags gewonnen. Samt der Wartung für 21 Jahre macht das rund fünf Millionen Euro aus.

Drei Bieter, ein Sieger. „Für das ‚Wettbewerbliche Dialogverfahren‘ waren drei Firmen ausgewählt worden, wobei wir die beiden anderen nicht kennen, und es wurden verschiedene Kriterien für die Bewertung herangezogen“, berichtet waagner biro-Langzeitgeschäftsführer Johann Sischka im Gespräch mit Building Times über die jüngste Auftrags-Akquisition. So darf das neue Dach nicht viel höher sein als das alte und es muss ein Gewährleistungs-Maximum von 21 Jahren erfüllt werden. „Wir sind froh, dass wir eine so hochkarätige Firma für die Sanierung unseres Plenarsaaldaches gewinnen konnten. Die ist nötig, weil das Glasdach leider seit geraumer Zeit undicht ist. Durch den Vertrag haben wir dann aber die Sicherheit, dass in den nächsten Jahrzehnten keine weiteren Kosten dazukommen“, erklärte Landtagspräsidentin Ilse Aigner nach der Zuschlags-Erteilung. Frühere Projekte von waagner biro seien nicht zuletzt das Dach des Britischen Museums in London, der Hangar-7 auf dem Flughafen Salzburg und die Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes referiert der Bayerische Landtag.

Dach 2005 eingebaut

Das 2005 um 950.000 Euro eingebaute Dach, mit dem Tageslicht die politischen Beratungen im Plenarsaal hätte erhellen sollen, sei nicht dicht zu kriegen gewesen, weiß Sischka. Kurzum, es tropft auf das Rednerpult der Präsidentin. Auch wenn versucht wurde, das eindringende Regenwasser in Kübeln in der Zwischendecke, einer transluzenten Unterdecke, aufzufangen.

„Wir werden nun mit der Generalsanierung bei laufendem Betrieb im Frühjahr 2022 auf der Baustelle beginnen, wobei an Sitzungstagen nicht gearbeitet werden darf, und müssen Ende 2022 fertig sein“, berichtet Sischka. Ab Sommer, in den Parlamentsferien, würde dann das alte Dach abgetragen und das neue aufgesetzt. Gleichzeitig kämen auch Brandschutz und Blitzschutz neu.

„Der Haupt-Stahlträger bleibt, alles andere kommt neu. Die Glasflächen werden vergrößert, wodurch es weniger Fugen gibt. Denn oberstes Ziel ist die komplette Dichtigkeit. Wir bauen auch ein Wetterschutzdach darüber ein und eine zusätzliche Staubdecke“, erläutert Sischka. „Das ist eine sehr komplexe Geschichte, weil es im Bayerischen Landtag auch noch zwei andere Baustellen gibt“. Dennoch seien die Begleitkosten inklusive laufender Kontrolle höher als jene für das Dach selber.

Zähe Geschäfte

Die Geschäfte liefen zäh, sagt Johann Sischka, „aber in letzter Zeit sind ein paar Dinge aufgepoppt. Die Entscheidungsfreude bei den Auftraggebern ist sehr schaumgebremst – das Interview fand noch vor dem aktuellen Lockdown statt – aber in Middle East und England gibt es Anzeichen für Nachfragen nach verstärkter Instandhaltung“. Die Wartung habe an Bedeutung gewonnen und dort gebe es auch sinnvolle Margen.

Die Integration der waagner biro steel and glass in die Zeman group, zu der das Traditionsunternehmen seit Herbst 2020 gehört, schreite voran und bringe bereits Synergie-Effekte: „Über die Zeman group kommen wir auch in die Türkei und deren Nachbarländer und auch nach Polen, wo unser Markteintritt bereits angelaufen ist“, schließt der waagner biro-Geschäftsführer.

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