Lust auf Architektur-Wanderungen

Gerade, weil der neue „Architekturführer Graz“ so ganz anders ist, macht er besondere Lust darauf, ihn als Leitmedium für Wanderungen durch die steirische Landeshauptstadt zu benutzen, um sie auf elf Routen mäandrierend zu erleben.

Der neue „Architekturführer Graz“, der soeben in Zusammenarbeit mit dem Grazer Haus der Architektur von DOM publishers (Berlin) herausgebracht wurde, in mehrerlei Hinsicht anders: Einerseits beschränkt er sich, anders als seine beiden Vorgänger, nicht auf die zeitgenössische Architektur, sondern reicht bei den dargestellten Gebäuden bis in 12. Jahrhundert zurück, andererseits zeigt er nicht nur die „Butterseiten“ sondern auch die ausgefransten Ränder der Stadt und drittens sind Objektauswahl sowie Texte einem Studenten-Kollektiv zu verdanken, das im Rahmen eines Masterstudios rund 250 Bauten, Plätze und Straßenzüge ausgewählt hat.
Zu verdanken ist diese Kollektivarbeit den Herausgebern Sophia Walk und Anselm Wagner, Assistentin und Professor am Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz, die in ihrem Vorwort freimütig einräumen, dass die Vorlage für ihre Vorgangsweise der Architekturführer Nürnberg ist, der auf ähnliche Art zusammen mit der TH Nürnberg entstanden ist.

Auch wenn der Autor vielleicht befangen sein mag, weil er seit 47 Jahren in Graz lebt und sich zeitlebens intensiv mit den Grazer Bauten beschäftigt hat, so sind die Blickwinkel der Studentengruppe gerade deshalb besonders spannend: Wenn beispielsweise Petra Eckhard, ebenfalls Assistentin am genannten Institut und Leiterin des GAM-Lab, in ihrem Essay „Die Kärntnerstraße – Über den Einzug des Unbewohnbaren“ Laufhäuser, Fenster- und Türen-Läden, Billardcafes, Bordelle, leere Erotikmärkte und eine Tierbedarfs-Schachtel in eben dieser Kärntnerstraße reflektiert, dann hat das schon etwas Besonderes.

Denn das Landhaus und die Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg, natürlich ebenfalls enthalten, sind sogar manchen Grazern bekannt. Die andere Sicht der Dinge macht den neuen Architekturführer Graz so besonders. Er ist übrigens der 96. Band der DOM-Architekturführer – von Aarhus bis Yerevan.

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