Große Töne

Teilweise ist das Innsbrucker Haus der Musik schon bezogen, offiziell eröffnet wird es Anfang Oktober. Der Neubau ist eine gebäudetechnische Herausforderung, nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl der Nutzer – und wird erheblich teurer als geplant.

In den letzten Wochen sind die ersten Nutzer in das neugebaute Haus der Musik in Innsbruck eingezogen. Offiziell eröffnet wird der Neubau gegenüber der Hofburg am 6. und 7. Oktober mit einem Festkonzert und der Uraufführung von Felix Mitterers Stück „Vomperloch“. Das Mehrspartenhaus, das in dreijähriger Bauzeit errichtet wurde, war immer wieder umstritten und handelte sich erst jüngst den Titel „Ein Meilenstein des Anstoßes“ im regionalen Mediengiganten „Tiroler Tageszeitung“ ein.

Dass die Kosten von ursprünglich 58 Millionen Euro ordentlich überzogen werden – derzeit ist von 4,7 Millionen Euro die Rede –, hat auch im Tiroler Landtags- und Innsbrucker Gemeinderats-Wahlkampf im April eine Rolle gespielt. Die Errichter-Allianz zwischen Land Tirol und Stadt Innsbruck – ersteres zahlt 23,6 Millionen Euro, zweitere 25,4 Millionen Euro und der Bund neun Millionen Euro – führt auch zu wechselseitigen Empfindlichkeiten, die so weit gehen, dass ein „Kommunikations-Koordinierungsgremium“ bis zur Eröffnung keine Fotos publiziert haben will.

Als wollte sich der Bauherr verschweigen
Was vom Haus der Musik in Innsbruck zu erwarten ist, hat dessen Direktor Wolfgang Laubichler, der seit September des Vorjahres im Amt ist, für Building Times zusammengefasst: „Vielfältige Raumangebote für unterschiedlichste Anforderungen bieten optimale Bedingungen. Zudem lädt das Haus zum Kommen und Verweilen ein, sei es in den Veranstaltungssälen und Foyers, der Bibliothek oder im Restaurant. Die vielseitig bespielbaren Säle mit bester Akustik, modernster Technik und großzügigem Wohlfühlfaktor machen das Haus der Musik zu einem gefragten Spielort für international bekannte Musiker und Interpreten. Mit seinem Education- und Vermittlungsprogramm werden Barrieren abgebaut und unterschiedliche Publikumsschichten angesprochen.“

Acht feste Mieter und die von Laubichler initiierten Gast- und Eigenveranstaltungen „beleben den neuen Kulturstandort und machen das Haus der Musik Innsbruck als Zentrum des neuen Kulturquartiers zu einem nicht mehr wegzudenkenden Meilenstein der Tiroler Kulturlandschaft. Und über die Grenzen hinaus“, erklärt der Direktor, der im ersten Spieljahr mit einem bescheidenen Budget von 90.000 Euro auskommen muss.

Exakt 386 Räume
Insgesamt 386 Räumlichkeiten weist das neue Haus der Musik auf, die Nutzfläche beträgt 15.910 m², der Bruttorauminhalt rund 70.650 m³. Elf Ebenen auf neun Stockwerken stehen zur Verfügung, im Mittelpunkt sind zwei (Veranstaltungs-)Konzertsäle und zwei Bühnen für das Landestheater vorhanden. Geplant hat das Gebäude der Innsbrucker Architekt Erich Strolz mit seinem Büro Unverblümt, das einen EU-weiten, zweistufigen Wettbewerb gewonnen hatte. Für die Realisierung hat er sich mit der Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH (Bregenz) zusammengetan. Diese Arge hat auch den Auftrag zur Vorplatz-Gestaltung erhalten, deren erste Etappe rund drei Millionen Euro kosten wird und bis Jahresende abgeschlossen sein soll.

Die acht unterschiedlichen Nutzer haben naturgemäß höchst unterschiedliche Anforderungen an „ihre“ Räume. Das führt nicht nur dazu, „dass die Lüftungsanlage auf die einzelnen Nutzer abgestimmt ist“, wie Georg Preyer, Bereichsleiter Projektleitung der IIG, gegenüber Building Times erklärt. „Wir haben insgesamt 17 Lüftungsanlagen mit einem Luftvolumen von ca. 134.000 m², und zwar in zwei Zentralen: eine auf der Ebene -2, dort ist die Technik-Zentrale, mit 112.000 m³, und eine im fünften OG, die ca. 22.000 m³ bewegt“. 15 Rotations-Wärmetauscher und zwei Gegenstrom-Wärmetauscher stehen dahinter. Die Haustechnik-Planung stammt übrigens vom Innsbrucker Büro der Ortner Ges.m.b.H. Natürlich war auch Zugluft ein Thema, vor allem in den Sälen, so wie auch die Geräuschentwicklung, die der Projektleiter als „sehr leise“ bezeichnet.

Großer Saal als „Raum im Raum“
Die Akustik-Planung stellt eine besondere Herausforderung dar, „weil fast alles in Innsbruck im Flughafen-Bereich liegt“, wie Preyer erläutert, „weshalb der Große Saal als ‚Raum im Raum‘ ausgelegt und schalltechnisch entkoppelt wurde.“ Für „Raumakustik, Bauakustik, Messungen am Bau sowie Beratung“ ist der Branchen-Primus Müller-BBM GmbH in Planegg bei München verantwortlich.

Heftige Diskussionen, auch politische, hat es auch über Heizung und Kühlung gegeben: Hatte ein eigener Grundwasserbrunnen, der Wärmepumpen für 1.600 kW Kühllast mit 60 Liter pro Sekunde bedienen sollte, ursprünglich zwei Grad kälteres Wasser geliefert als vorausberechnet, was das ganze Konzept gefährdet hätte, so ergab eine dynamische Simulation, dass die optimale Bandlast bei 300 kW liegt und die Spitzenlast bei 600 kW, was schließlich nur mehr 20 Sekundenliter erforderte „und die Reduktion von vier auf zwei Wärmepumpen mit je 328 kW ermöglichte“, so Preyer. Vorsichtshalber wurde das Haus der Musik aber auch an die Fernwärmeleitung angeschlossen.


Sprinklerbecken als Puffer

Zwei Kältemaschinen mit jeweils 276 kW runden das Paket ab, und zwei Sprinklerbecken mit jeweils 94 m³ Inhalt stehen als Puffer zur Verfügung. Diese Sprinklerbecken-Nutzung wurde übrigens schon auf der vorjährigen e-nova vorgestellt, wobei Andreas Karl von der CES Clean Energy Solutions GmbH (Wien) damals noch von drei Wärmepumpen gesprochen hatte. Das Last-Management erfolgt über die Gebäude-Leittechnik, den Heizwärmebedarf beziffert der Projektleiter mit neun kW/m²/Jahr nach der OIB-Richtlinie.

Immer wieder Anlass zu öffentlichem Unmut gab auch die Fassade, die aus Keramik-Elementen des norddeutschen Herstellers NBK besteht, die ebenso wie die Unterkonstruktion für die Vertikalmontage von der Schladminger FDT GmbH geliefert wurde. „1.900 m² für die opake Fassadenfläche und 6.250 Laufmeter für die Lamellen, wofür 25.000 lfm für den Zusammenbau gefertigt wurden“, beziffert FDT-Geschäftsführer Thomas Buchsteiner gegenüber Building Times das Volumen. Den Metallbau insgesamt führte die Starmann Metallbau GmbH (Klagenfurt) aus, für welche die FDT geliefert hat. „Sonst haben wir große Glasflächen, rund 50 Prozent Fenster-Anteil“, ergänzt Projektleiter Preyer, der gleichzeitig relativiert, dass sich „rund ein Drittel der Kubatur im Erdreich“ befinde.

Die Übungsräume sind nach Süden, Westen und Osten orientiert und mit beweglichen Lamellen ausgestattet, die automatisch dem Sonnenstand nachgeführt, aber von den Nutzern übersteuert werden können. Nach Norden hin sind die Fassadenelemente starr. Für die Lichtplanung, wenn wir gerade bei der Belichtung sind, ist das Büro Ragg aus Sistrans verantwortlich, wobei Tageslicht- und Präsenz-abhängig gesteuerte LED-Beleuchtung Standard ist. Die gesamte Elektroplanung wurde von der ING-B Ingenieurbüro GmbH (Innsbruck) von Bernhard Brugger gemacht. Schließlich wurde die in einem derartigen Haus nicht ganz unerhebliche Bühnentechnik von der deutschen „Bühnenplanung Walter Kottke Ing. GmbH“ in Bayreuth geplant.

Auf die Frage, was die Besonderheiten des Hauses der Musik seien, meint Projektleiter Preyer: „So viele Nutzer unter einem Dach – allein der Tiroler Blasmusikverein hat 16.000 Mitglieder –, die zentrale Lage in Innsbruck und die Vorplatz-Gestaltung zum Zentrum des Kulturquartiers.“

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