Große Grazer Solar-Konfusion

Die Energie Steiermark will das Solar-Megaprojekt „Big Solar Graz“ nun als Errichter und Betreiber selbst umsetzen. Die Idee nennt sich nun „Bio Solar Graz“.

Es war über Jahre hinweg das Vorzeigeprojekt in Sachen Erneuerbare Energie in der Steiermark: Das Grazer Solar-Fernwärme-Projekt „Big Solar Graz“. Das Mega-Projekt kam jedoch nie so richtig aus den Startlöchern und geriet nun im Umfeld der Insolvenz der Solarfirma Solid endgültig ins Stocken.

Jetzt soll es mit neuem Namen aber doch noch umgesetzt werden. Geplant ist, dass die Energie Steiermark die Anlage mit einer Kollektorfläche von rund 100.000 m² (im ursprünglichen Projekt waren es mehr als doppelt so viel) errichtet und betreibt. Der große Wasserspeicher zur Temperaturstützung soll nun im Winter mit Biomasse statt mit Erdgas beheizt werden.

Die Energie Steiermark will das Projekt in den kommenden Jahren mit Förderungen des Bundes und der Europäischen Union auf die Beine stellen. Der Gesamtinvestitionsbedarf soll bei 80 bis 100 Millionen Euro liegen: „Eine konkrete Wirtschaftlichkeitsberechnung steht aber noch aus“, betonte Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark, auf Anfrage von Building Times Flash. An Bord soll laut Harnik-Lauris auch wieder die dänische Arcon-Sunmark sein. Die Ausgestaltung und Partner des Projekts stünden aber noch nicht endgültig fest.

Das Bekenntnis zu Arcon-Sunmark ist pikant. Der dänische Solarkonzern spielte eine erhebliche Rolle bei der Insolvenz des Grazer Solarpioniers Solid, der Anfang Juni im Sog des Mega-Projekts in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert war. Arcon-Sunmark, dem 2016 die Projektrechte zur Errichtung übertragen worden waren, befindet sich mit der Grazer Firma seit Mai dieses Jahres im Rechtsstreit. Ein Solid-Investitionspartner hatte daraufhin verlautbart, sich erst nach Durchsetzung der Rechtsansprüche im Projekt weiter engagieren zu wollen. Dies führte – laut Solid – zur umgehenden Insolvenz, zu einer Überschuldung der Gesellschaft und zu Sanierungsbedarf. Die Solarfirma ist nun dabei sich neu zu strukturieren. „Solid befindet sich in der Reorganisation und stellt sich neu auf, um künftig sowohl Big Solar als auch Solar-Wärme und Kälte weltweit weiter zu verbreiten“, antwortete Geschäftsführer Christian Holter im Interview.

Für die Energie Steiermark und die Umsetzung von Bio Solar Graz habe die Solid-Insolvenz aber „keinerlei Auswirkung“, so Urs Harnik-Lauris. Es gelte nun die weiteren technischen Eckdaten zu verhandeln und in punkto Förderungen auf die neue Regierung zu warten. Der steirische Landtag hat sich jedenfalls bereits dezidiert für die Fortführung des Vorhabens ausgesprochen, befürwortete aber noch im Juni eine „steirische Lösung“. Wie auch immer diese Lösung aussieht, sie müsse laut Insidern schnell umgesetzt werden. Schließlich muss ein großer Teil der Fernwärmelieferungen nach der für 2020 geplanten Schließung des Verbund-Kohlekraftwerks Mellach kompensiert werden.

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