Fassade als Nische

GIG-Geschäftsführer Gerhard Haidinger über Effizienz, ganzheitliche Betrachtung und die Folgen des Brexits.

Rund 220 Mitarbeiter und Vertriebsbüros in London und Moskau: Das ist die zur GIG Holding gehörende GIG Fassaden GmbH mit Hauptsitz in Attnang-Puchheim. Das Unternehmen deckt alle Schritte zur neuen Fassade ab: Von Beratung, Planung und Projektmanagement über Entwicklung und Prototyping bis hin zu Fertigung und Montage. Und das in der Regel für spezielle Projekte. Meist geht es um die Verwirklichung herausragender Fassadenlösungen der internationalen Spitzenarchitektur. „Mit 90 Prozent des ‚normalen’ Ausschreibungsgeschäfts haben wir nichts zu tun“, betont Geschäftsführer Gerhard Haidinger, der das Unternehmen mit Harald Eder führt. Wie er den Brexit sieht und warum die Energiegewinnung an der Fassade stockt, lesen Sie im Building Times Interview.

Building Times: 2018 war ein sehr bauintensives Jahr. Hat sich das positiv auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?

Haidinger: Das Jahr 2018 war für uns ein arbeitsintensives und sehr positives Jahr. Wir konnten interessante Projekte in unseren Kernmärkten UK, Irland, Deutschland, Russland und Österreich abwickeln. Es ist uns auch gelungen, neue Projekte für 2019 und 2020 an Land zu ziehen und eine sehr gute Auslastung sicherzustellen.

Building Times: Welches war aus Ihrer Sicht das herausragendste Projekt im Portfolio? Und was war dabei die besondere Herausforderung?

Haidinger: Die Fassade der Konzernzentrale von Axel Springer in Berlin. Es handelt sich dabei um eine dreidimensionale Stahl-Glas-Konstruktion mit einer maximalen Höhe von mehr als 40 Metern. Eine solche Freiformfläche mit einem Deckschalensystem zur Entwässerung umzusetzen, ist einzigartig. Aufgrund der Größe dieser Konstruktion ist ein besonderes Augenmerk auf Bautoleranzen und Wärmeausdehnungen zu legen. Entsprechend intensiv war die Planungsphase samt Fassadenprüfung. Mittlerweile sind wir in der Montage der Konstruktionen auf der Baustelle.

Building Times: Nimmt man die Vorgaben des Klimaschutzes ernst, müssten Fassaden künftig auch zur Energieerzeugung eingesetzt werden. Warum kommt in dieser Sache so wenig zustande?

Haidinger: Eine ganzheitliche Betrachtungsweise in Bezug auf Investition, Amortisation und Nachhaltigkeit wäre für eine weitere Verbreitung sehr hilfreich. Technisch ist die meistens vertikale Ausrichtung und starre Ausführung einer Fassade nicht optimal, um einen entsprechend hohen Wirkungsgrad in den Energiegewinnungssystemen zu erreichen. Aus meiner Sicht müsste das Thema Energieerzeugung in der Fassade bereits in der Entwurfsphase angedacht und über mehr bewegliche Systeme an Fassaden nachgedacht werden.

Building Times: Europaweit werden da und dort größere Bauten in Holz- bzw. Hybridbauweise errichtet. Sind die Holzbauweise und Metallfassaden aus Ihrer Sicht kompatibel?

Haidinger: Als Sonderfassadenbauer entwickeln und realisieren wir seit Jahren Hybridfassaden aus verschiedenen Materialkombinationen, wie Aluminium, Stahl, Terrakotta, Baubronze und auch Holz. Die Kombination Holz-Aluminium ist uns ein besonderes Anliegen, da wir mit Internorm einen der größten Hersteller von Holz-Aluminium-Fenstern als Schwesterunternehmen im IFN-Konzern haben. Das eröffnet uns natürlich eine ganz besondere Lösungskompetenz im Bereich von Hybridkonstruktionen.

Building Times: Wie sehen Sie die Marktentwicklung in den Jahren 2019 und 2020? GIG ist stark exportorientiert; wird der Brexit zu einem Knick in Ihrer Entwicklung führen?

Haidinger: GIG ist seit mehr als 30 Jahren am UK-Markt tätig. Derzeit sehen wir keine unmittelbare Auswirkung des Brexit in Bezug auf Anfragen und Beauftragungen. Es uns in den letzten Wochen gelungen, auch weitere Projekte in Großbritannien zu gewinnen. Ein Hard Brexit würde natürlich kurzfristig zu Unsicherheiten und Mehraufwänden und notwendigen Anpassungen im Bereich Logistik und Verzollung führen.

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