Energie-Region zum Vorzeigen

„Green Energy Lab“ nennt sich der Verein der vier ostösterreichischen Energieversorger. Es gibt ihn seit dem Vorjahr, nun wird er auch aktiv.

Das Green Energy Lab (GEL) versteht sich als Forschungsinitiative für nachhaltige Energielösungen. Organisiert als Verein der vier Landes-Energieversorger Energie Burgenland AG, Energie Steiermark AG, EVN AG und Wien Energie GmbH, versteht sich das Konstrukt mit einem Einzugsgebiet von rund fünf Millionen Einwohnern als Test- und „Vorzeigeregion Energie“. Zweck der Übung ist es, bis 2025 – je nach Lesart – 100 Millionen oder 150 Millionen Euro in die Marktreif-Machung innovativer Energielösungen zu investieren. „Die Meilensteine sind gesetzt: Die ersten Green Energy Lab Projekte zu nachhaltigen Energielösungen sind gestartet und ein ‚Open Call for Innovation‘ lädt zur Einreichung weiterer Ideen für die Energiezukunft“, erklärte Christian Panzer anlässlich der ersten Generalversammlung des Vereins Anfang März. Er ist Sprecher sowie Vereinsobmann und sonst noch Leiter der Unternehmensentwicklung bei der Wien Energie.

Die Auftakt-Veranstaltung hatte bereits Ende November stattgefunden. Dabei wurde der Energie-Forschungsverbund NEFI vorgestellt und die Definition als „Vorzeigeregion Energie“ als erste konkrete Maßnahme des Green Energy Labs gesetzt. Seither wurde Aufbauarbeit geleistet, und die hat gleich einmal die ersten rund zehn Millionen Förder-Euro des Klima- und Energiefonds aufgestellt. Was wohl der Hauptzweck des GEL sein dürfte, nämlich Fördermittel zu organisieren und auch für die Landes-EVUs
zugänglich zu machen. Auch der Ausbruch aus dem elfenbeinernen Turm der Landes-Kaiser scheint eine wichtige Rolle zu spielen, denn „die Branche ist normalerweise sehr eigenbrötlerisch. Jeder macht alles für sich alleine und teilt nicht mit den anderen“, wie ein unmittelbar Beteiligter im Gespräch mit Building Times einen der Hintergründe erhellt. „Immerhin gibt es erstmals eine Plattform auf breiter Basis.“ Klingt dennoch stark nach „More of the same“.

Die Struktur des Forschungs-Verbundes Green Energy Lab zeigt 44 Forschungseinrichtungen, 32 große Unternehmen, 53 Klein- und Mittelbetriebe sowie 29 „intermediäre“. Sieht man sich die Liste durch, könnte man sagen, dass es sich fast ausschließlich um gute alte Bekannte der Energie-Forschungsszene handelt. Andererseits fehlen Einrichtungen, die man prima vista als Fixstarter bezeichnen könnte, etwa das Lichtlabor von Joanneum Research in Pinkafeld. „Wir sind derzeit (noch) nicht dabei, obwohl mit einigen der Partner unabhängig davon in Kontakt“, erklärt dazu dessen Leiter Franz-Peter Wenzl. Zur Erinnerung: Das Lichtlabor will hocheffiziente LED-Anwendungen in die Praxis bringen – so wie das GEL auch.

Nicht mit an Bord ist die Kelag. „Das Green Energy Lab gehört zum Förderprogramm des Klima- und Energiefonds. Wir haben ebenfalls ein Projekt eingereicht, das aber leider abgelehnt worden ist. Wir sind bei der Kooperation nicht dabei“, so Kelag-Sprecher Josef Stocker auf Anfrage.

Wie auch immer. Mehr als 50 Prozent der bis dato zugesagten Fördergelder gehen in die Region der EnergieAllianz Austria – ins Burgenland, nach Niederösterreich und Wien –, der Rest in die Steiermark, schreibt der Verein GEL. Und nennt sieben Projekte, an denen bereits gearbeitet wird. Die Zurechnung der Fördermittel richtet sich nach dem Sitz der Antragsteller.

Grob vereinfacht: Da die beim Einwerben von Fördermitteln überaus erfolgreiche private Forschungsgesellschaft AEE Intec im steirischen Gleisdorf ihren Sitz hat und die TU Graz ihren Sitz in der Landeshauptstadt, fällt der „steirische“ Anteil so überproportional hoch aus. Womit auch gleich die geplanten Investitionen von 100 Millionen Euro oder auch 150 Millionen Euro erklärt werden können, die müssen nämlich von den Projektbetreibern selbst aufgestellt werden. Wie das bei Forschungsprojekten halt so üblich und bekannt ist. Was wiederum nach „more of the same“ klingt. An sieben Projekten des ersten Calls werde bereits gearbeitet, sagt das GEL, die da heißen „ThermaFlex“, „Second Life Batteries“, „Blockchain Grid“, „Spatial Energy Planning“, „Open Data Plattform“, „Heat Water Storage Pooling“ und „Hybrid DH Demo“. Klingt alles ziemlich bekannt. Übrigens: Gebäudetechnisch relevante Problemstellungen kommen vielleicht in einem zweiten Call dran.

Wie es zur Fördermittel-Gewichtung kommt, wird am Beispiel „ThermaFlex“ besonders schön deutlich: An diesem Forschungsvorhaben, das sich mit der Erhöhung der Systemflexibilität und den daraus resultierenden CO2- Emissionen im Fernwärmenetz beschäftigt, ist das Institut für Wärmetechnik der TU Graz federführend beteiligt. Dazu kommen noch zahlreiche Partner, allein aus der Steiermark die Bioenergie 2020+, die Stadtwerke Gleisdorf, Solid, die Feistritzwerke-Steweag, Joanneum Research, Rotreat, Alois Haselbacher, Energie Steiermark, Horn Consult, Enas, Pink, STM Schweißtechnik Meitz, Green Tech Cluster Styria, Frigopol, Abwasserverband Gleisdorf, Schneid GmbH sowie die Nahwärme Tillmitsch. „Ich werde sicher nicht sagen, dass das Green Energy Lab etwas großartig Neues ist“, sagt der bereits zitierte Branchen-Beteiligte. Das einzig wirklich Interessante bestehe darin, dass es erstmals eine breite Basis gibt. Und ergänzt: „Es geht ja auch um Fördermittel.“ Was das Green Energy Lab zum dringend nötigen österreichischen Energiewandel beitragen kann, wird sich ja irgendwann einmal herausstellen. Bis zu den Pariser Klimazielen ist es aber noch ein sehr weiter und steiniger Weg. Und das ist wirklich nichts Neues.

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