Ein Probenhaus

Die seit Jahren zur Obdachlosigkeit verurteilte Freie Theater- und Tanzszene in der Stadt Salzburg soll ein Probenhaus bekommen. Es wird auf dem Gelände eines Baumarktes errichtet und von der Stadt angemietet. Baubeginn soll bereits im Mai sein.

Besser ein Probenhaus im Baumarktgelände nehmen, als einem von der Stadt 2019 abgesagten Kreativzentrum nachtrauern, muss sich die Freie Szene in Salzburg wohl denken, denn darauf läuft es jetzt hinaus. Baustoffhändler und Immobilienverwerter Hannak hat der Stadt angeboten, auf seinem Gelände am nördlichen Stadtrand in Salzburg-Gnigl in Autobahnnähe ein Probenhaus zu errichten und dieses an die Stadt zu vermieten. Theoretisch könnte mit dem Bau noch im Mai begonnen werden.

Dafür hat die Hannak-Tochterfirma Realitätenverwertungs Gesellschaft m.b.H. mit der Planung das Salzburger Architekturbüro Berger.Hofmann Architektur OG beauftragt. Vor kurzem wurden die Pläne von der Stadt Salzburg vorgestellt und diese hat ihre Kulturabteilung beauftragt, einen Mietvertrag mit Hannak zu verhandeln. Die Rede ist von einer Jahresmiete von 150.000 Euro, was die Stadt wohl kaum vor unüberwindliche Hindernisse stellen dürfte und in Anbetracht der ausgezeichneten Kontakte von Hannak zur Salzburger ÖVP-Spitze wohl auch gesichert ist. Für die Ausstattungskosten sind weitere rund 500.000 Euro vorgesehen, auch das scheint für Stadt und Land Salzburg machbar.

Das Probenhaus, das auch den Gestaltungsbeirat bereits absolviert hat, soll auf knapp 600 Quadratmetern fünf Probenräume bieten, sowie Küche, Aufenthaltsraum, Sanitäranlagen, Technik und Lagerräume. Basis dafür sei das Konzept, das für die Rauchmühle erarbeitet worden sei, erklärte Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ). Das bedeutet auch spezielle Böden, ein Tonsystem, Schallschutz, etc.

Das in der Rauchmühle im Innenstadtnahen Stadtteil Lehen geplant gewesene Kreativ- und Probenzentrum war kurz nach den Gemeinderatswahlen 2019 von der ÖVP aus Kostengründen versenkt worden, nachdem die Kosten auf 21 Millionen Euro gestiegen waren. Es hätte allerdings, beileibe nicht nur aus der Sicht des Dachverbandes Salzburger Kulturstätten, Synergiemöglichkeiten mit Start-ups und der Kreativwirtschaft geboten, die jetzt natürlich wegfallen. Der Dachverband vertritt 75 Kultur-Initiativen in Salzburg und hat von den rund 100 potentiellen Nutzergruppen ein Verhandlungsmandat erhalten.

Darüber hinaus fordert Dachverbands-Geschäftsführer Thomas Randisek im neuen Probenhaus noch ein Ton- und Videostudio sowie eigene Werkstätten und vor allem eine Zwischenlösung bis zur Fertigstellung des neuen Probenhauses. Denn in der Szene rechnet man nicht mit dem Baubeginn im Mai und der Fertigstellung Ende 2022.

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