Doppelte Warteschleife

Hohe Grundstücks- und Baukosten erschweren den Gemeinnützigen Bauträgern das Bauen. Trotzdem wurden im Vorjahr 11 Prozent mehr geförderte Wohungen errichtet - vor allem in Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Salzburg. Karl Wurm, Obmann des GBV fordert eine Billigschiene.

Im Vorjahr haben die Gemeinnützigen Bauträger mit 17.010 Einheiten 11 Prozent mehr Wohnungen übergeben als 2016. Getragen wird dieser Zuwachs von Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Salzburg. Allein in NÖ ist die Bauleistung seit 2010 von 2.500 auf nunmehr 4.400 Wohnungen gestiegen. Etwas darunter liegen 2017 die Wiener Bauträger mit 4.200 Einheiten. Das ist ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr, aber rund 5 % unter dem 10-Jahres-Mittelwert, wie Wurm ausführt. Die Ursachen dafür sind hohe Grundstücks- und Baukosten, so der Verband. Etwa 1.500 Einheiten würden derzeit in der Warteschleife hängen, weil die Errichtungskosten einfach zu hoch sind. „Da müssen wir durch und zuwarten“, so Karl Wurm, Gewog-Chef und Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV). Auch bei den Sanierungen steht im Moment vieles auf Halt. Denkmalgeschützte Sanierungen finden derzeit wegen der gestiegenen Kosten so gut wie gar nicht statt, so Wurm. Trotzdem ist die Sanierungsbilanz der Gemeinnützigen positiv. „Wir sind fast durchsaniert“, erklärt dazu Wurms Stellvertreter und Gedesag-Chef Alfred Graf. Das Sanierungsvolumen sinkt seit 4 Jahren und betrug 2017 rund 890 Millionen Euro. Bei Eigentums-Häusern sieht die Sache aber ganz anders aus, dort fehlt häufig die Zustimmung für Sanierungen.

Um den Wohnbau in den Städten künftig leistbar zu machen, wünschen sich die GBV neben geringeren Grundstücks- und Baukosten auch Änderungen in den Bauordnungen. Derzeit stehen allein in Wien rund 9.000 Garagenplätze leer, zugleich werden laufend neue Tiefgaragen gebaut, was sich pro Stellplatz mit 12.000 bis 18.000 Euro zu Buche schlägt. Ab 2019 muss nur mehr ein Stellplatz pro Wohnung gebaut werden, wenn mehr als 100 m2 Wohnfläche gegeben sind. Wurm appelliert an die Politik die Rahmenbedingungen für leistbares Wohnen zu straffen: „Wir brauchen eine Billigschiene ohne überbordende Vorschriften“, sagt der standhafte GBV-Obmann. Er übertauchte zuletzt unbeschadet die öffentliche Diskussion um sein mehrfaches privates Wohnungseigentum in Häusern der Gewog.

Um ganz viele Wohnungen geht es wiederum in einer anderen Causa. „Es gibt weiterhin keine Entscheidung“, sagt Wurm zum Fall der Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst gemeinnützige GmbH (WVB-GÖD). Dieses Unternehmen wurde bekanntlich von Christian Hosp, einem Vertrauten von des Immobilien-Tycoons Michael Tojners, übernommen. Richtig günstig, denn um rund 6 Millionen Euro übernahm der Schweizer Investor 3000 geförderte Wohnungen, was wohl den Begriff Schnäppchen neu definiert. Im Zusammenhang damit prüfen der Revisionsverband der Gemeinnützigen und die Magistratsabteilung 50 schon seit geraumer Zeit, ob dem Wohnbauunternehmen die Gemeinnützigkeit aberkannt werden muss oder nicht. Der Fall ist kompliziert und wird womöglich nicht mehr unter Bürgermeister Michael Häupl entscheiden.

 

Credit: GBV

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