Bosch schwebt im Netz

Die Bosch-Sparte Energie- und Gebäudetechnik forciert die Hinwendung zum Digitalen. Das wirkliche Business macht man mit Hardware aus alten Tagen.

„Das Internet der Dinge ist und bleibt der entscheidende Treiber für unser Geschäft“, sagte Stefan Hartung, Bosch-Geschäftsführer für Energie- und Gebäudetechnik, am 7. Dezember bei einem Pressegespräch. 2018 wird die Sparte mit ihren 32.400 Mitarbeitern voraussichtlich 5,5 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Das ist ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Natürlich entfällt davon nur ein Bruchteil auf jene Produkte und Services über die Bosch so gerne spricht. Die Schwergewichte sind immer noch Heizgeräte der Marken Buderus und Junkers, von denen nur ein Bruchteil mit dem Internet verbunden sind. Die Bosch Thermotechnik erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro.

Trotzdem, die Entwicklung schreitet voran und es kommen mehr Geräte ans Netz, auch wenn Sanierer und Installateure meinen es müsse gar nicht sein. Den Schlüssel für künftiges Wachstum sieht Hartung in der künstlichen Intelligenz (KI): „Vernetzte Produkte werden mit Hilfe von KI zu intelligenten Assistenten“, sagt er. Schon bald würden Maschinen auf Anfragen von Menschen antworten, ist der Manager überzeugt.

In der Energie- und Gebäudetechnik können Vernetzung und KI zu mehr Sicherheit, Effizienz und Komfort beitragen. Ein Beispiel: Spezialkameras des Bereichs Building Technologies erkennen Feuer über smarte Bildauswertung. Der direkte Kamerablick auf mögliche Gefahrensituationen detektiert Flammen oder Rauch binnen Sekunden – und damit noch schneller als herkömmliche Rauchmelder: Rauch muss nicht erst bis zur Decke gelangen, bevor ein Brand erkannt werden kann – ein entscheidender Zeitvorteil, um Schäden zu begrenzen und vielleicht auch Leben zu retten. „Momentan spricht die ganze Welt über KI – Bosch wendet sie an“, sagte Hartung. „In zehn Jahren werden alle elektronischen Bosch-Produkte entweder selbst über KI verfügen oder mit ihrer Hilfe produziert und entwickelt werden.“ Das Unternehmen investiert bis 2021 rund 300 Millionen Euro allein in den Ausbau seines Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI).

Derzeit forschen im BCAI weltweit rund 170 Experten. Sie arbeiten an rund 80 Entwicklungsprojekten – vom automatisierten Fahren bis hin zu Anwendungen in Medizin und Industrie. Dabei ist Bosch nicht allein unterwegs, sondern auch mit akademischen Partnern, etwa den Universitäten Tübingen, Stuttgart und Amsterdam.

PS: Stefan Hartung übergibt nach fünf Jahren als Geschäftsführer des Bereichs Energy and Building Technology seine Aufgabe zum 1. Januar 2019 an Christian Fischer. Hartung widmet sich künftig der Sparte Mobility.

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