Ikea on ice

Das neue Logistikzentrum von Ikea in Strebersdorf bei Wien wird mit dem größten Eisspeicher Europas temperiert.

Ein Eisspeicher versorgt als energieeffiziente Wärmequelle eine Wärmepumpenanlage, die sowohl zur Beheizung als auch zur Kühlung eines Gebäudes dient. Diese noch wenig erprobte Technologie ist das Herzstück des neu errichteten Logistikzentrums von Ikea Österreich im 21. Wiener Gemeindebezirk. Bis zum Sommer 2019 baute die HT Generalunternehmer & Industriebau für Ikea das zweigeschossige Gebäude mit 50.000 m², bei dem Wert auf Ressourcenschonung und Erneuerbare Energie gelegt werden sollte. Das Projektteam rund um TBH Ingenieur GmbH, Ing. Pischulti GmbH und Viessmann GmbH konzipierte dazu das bisher größten Eisspeichersystems in ganz Europa – patentiert von der Firma Viessmann.

Grundlage der Idee des Eisspeichersystems ist das Phänomen der Kristallisationsenergie. Die Wärme wird freigesetzt, wenn das Wasser seinen Aggregatzustand von flüssig nach fest verändert, also gefriert. „Wenn 126 Liter Wasser zu Eis erstarren, wird ungefähr die Energiemenge frei, die einem Liter Heizöl entspricht“, rechnete Thomas Gamperl von Viessmann bei einem Lokalaugenschein vor. Der Eisspeicher wird als zylindrischer Behälter von 1.700 m³ komplett unter der Erdoberfläche vergraben: Durchmesser 26 Meter, neun Meter tief. 23 Kilometer Rohrleitungen wurden in diesem unterirdischen Kellerraum verlegt, ehe er mit 1.500 m³ Wasser gefüllt wurde. „Das sind in etwa 40 Poolladungen“, rechnet TBH-Projektverantwortlicher Christoph Urschler vor. Zwei Wärmepumpen mit insgesamt 1.054 kW Leistung entnehmen nun jeweils die benötigte Energie aus diesem Eisspeicher, der für Kühlung im Sommer und Wärmeerzeugung im Winter gleichermaßen genutzt werden kann. Gepuffert wird das System mit Hydrothermie aus einer Brunnenanlage und 172 Solar-Luft-Kollektoren auf 1.400 m² am Dach des Lagers. Mit diesem Gesamtsystem soll das Gebäude die saisonalen Schwankungen ausgleichen und für konstante Temperaturen sorgen. Als Notfall-Backup wurde aber auch noch ein Gaskessel (1.600kW von Viessmann) installiert. Der Heizwärmebedarf liegt laut Ikea bei 36,12 kwh/m² im Jahr. Für das Gesamtprojekt gab es auch 750.000 Euro Förderung von KPC.

Für die elektrische Energieversorgung des Objekts entsteht am Dach des Gebäudes zudem eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von etwa einem MWpeak. Die Anlage besteht aus 3.350 Modulen und einer Fläche von rund 20.000m². Überschüssige Energie wird laut Plan ins Netz gespeist.

Die Vorteile des Eisspeicher-Systems: Ein gleichmäßiges Temperaturprofil, geringe Luftbewegung und somit keine Staubaufwirbelung sowie ein arbeitsförderndes Umfeld. Das Ikea-Lager wird der neue Knotenpunkt des schwedischen Möbelherstellers – etwa für den Online-Handel. Seit dieser Woche wird das Lager befüllt. In etwa einem Monat soll der Betrieb beginnen.

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