Der Boom flacht ab

Der weltweite Bau-Boom erhält langsam einen Dämpfer - der Konjunkturzyklus der Branche neigt sich nach zehn Jahren dem Ende zu.

Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes. 2018 verzeichnet die Branche mit +3,5% zwar nochmals einen neuen Wachstumsrekord seit 2008. Allerdings ist dies voraussichtlich der Wendepunkt: Danach trüben sich die Aussichten sukzessive ein mit +3,1% für 2019 sowie einem weiteren Rückgang beim Wachstum in den Folgejahren. Einzige Ausnahme ist Deutschland. „Die deutsche Baubranche ist fast wie ein kleines gallisches Dorf bei Asterix und Obelix, das sich dem allgemeinen Trend widersetzt“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „2018 ist zwar ein leichter Rückgang beim Wachstum zu beobachten, allerdings wird sich dieser – im Gegensatz zum weltweiten Trend – 2019 voraussichtlich nicht fortsetzen.
Steigende Insolvenzen

Aber, die jüngsten Euler Hermes Daten deuten darauf hin, dass die Zeit vorbei ist, in der sich die Liquidität und Bonität der Branche Jahr für Jahr verbessert haben. Seit Anfang 2018 steigen nach jahrelangem Rückgang die Pleiten im Bausektor in Deutschland wieder an – konkret um 3 % gegenüber 2017. Trotzdem steht laut der Euler Hermes Studie die deutsche Baubranche weiterhin deutlich besser da als ihre weltweiten Pendants. Das globale Wachstum kühlt sich 2019 mit +3,0% nach zehn Jahren langsam etwas ab (2018: +3,5%). Die Zahlungsmoral ist zudem deutlich schlechter als in Deutschland: Rechnungen in der Baubranche werden im globalen Schnitt erst nach rund 85 Tagen bezahlt (Deutschland: 51 Tage). „Der leichte Wachstumsrückgang im globalen Bausektor wäre jetzt noch nicht so dramatisch. Allerdings sind die Unternehmen nicht ausreichend auf das Ende des Bau-Booms vorbereitet“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. „Wir sehen eine Verschlechterung in drei Bereichen: Nachfrage, Profitabilität und Liquidität.“

Ganz generell ist die Baubranche der Sektor mit den zweithöchsten Risiken weltweit. Nur der Metallsektor birgt noch höhere Risiken. Besonders riskant werden Schwellenländer. „Schwellenländer haben seit 2008 in der Baubranche ein Plus von 57% verzeichnet“, sagt Subran. „Das sind gigantische Wachstumsraten, von dem Europa oder auch die USA nur träumen können. Sie waren damit der große Motor hinter dem weltweiten Boom. Die Kehrseite der Medaille folgt allerdings mit dem Abschwung: Wir gehen davon aus, dass die Schwellenländer in den kommenden Jahren besonders stark leiden werden. Die Instabilität ist in die Schwellenländern gekommen, um erst einmal zu bleiben“, sagt Subran. „Dadurch seien auch viele Bau- und Infrastrukturprojekte gefährdet. Nicht nur Bauprojekte stehen auf der Kippe, sondern auch die Unternehmen. Die Region Asien-Pazifik ist dabei definitiv der „Hot Spot“: Sie verzeichnete 18 der weltweit 41 Großpleiten im Baugewerbe in den ersten neun Monaten 2018.

Euler Hermes ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und anerkannter Spezialist in den Bereichen Kaution, Garantien und Inkasso. 2017 wies das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von EUR 2,6 Milliarden aus und versicherte weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von 894 Milliarden Euro. Weitere Informationen auf www.eulerhermes.de

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