„Wir schreiben so viele Angebote wie noch nie“

Als „Die Haustechniker“ sind sie seit 13 Jahren aktiv, als selbstständige Planungsbüros deutlich länger. Derzeit sind Werner Kurz, Günther Rucker und ihre Mannschaft mit den Planungen für die Generalsanierung des Wiener Parlamentsgebäudes beschäftigt.

Viel mehr, als dass sie den Auftrag für die HKLS- und die Elektroplanung für die Generalsanierung des Parlamentsgebäudes in Wien haben, dürfen Werner Kurz und Günther Rucker, die unter dem Firmennamen „Die Haustechniker – Technisches Büro GmbH“ firmieren, nicht sagen. „Wir haben eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Wir machen die Ausführungs- und die Projektplanung“, präzisieren die beiden und betonen, dass sie vom Generalplaner beauftragt worden seien. Der Generalplaner ist die Arge Jabornegg & Pálffy_AXIS (Friedreich/Hierreich) und hat ihrerseits die Haustechnik Planungsgesellschaft (Haustechnik Wien/Günther Ferenczy) mit der Ausschreibungsplanung, der Ausschreibung und dem „Rampenbauwerk“ beauftragt.

Die Haustechnik Wien sagt zu ihrer Rolle bei der Parlaments-Sanierung, die bekanntlich mit 352,2 Millionen Euro gedeckelt ist: „Besonders hervorzuheben: In Kooperation mit dem Ingenieurbüro Kühn-Bauer und Partner München/KBP Ingenieure GmbH (Vorentwurf, Entwurf) und ‚Die Haustechniker‘, Jennersdorf (Projektplanung).“

Muss ja alles seine Ordnung haben beim Sitz des National- und des Bundesrates und natürlich auch streng geheim sein. Weshalb wahrscheinlich die Steuerzahlenden nie erfahren werden, ob das 135 Jahre alte Pracht-Bauwerk an der Wiener Ringstraße wieder eine Druckbodenlüftung bekommt, die im 19. Jahrhundert eine Sensation war. Immerhin wissen wir, dass insgesamt eine Million Meter Kabel neu verlegt, 750 Fenster saniert, 500 Luster poliert, 600 Türen renoviert und 12.000 m2 Parkettböden neu verlegt werden. Und eine Glaskuppel geplant ist, für deren Konstruktion sich auch Waagner Biro interessiert.

„Das Geschäft läuft eigentlich ohne eigene Akquisition“ – Werner Kurz

Zurück nach Jennersdorf, wo Die Haustechniker im Technologiezentrum ihren Sitz haben. Kurz und Rucker, die beide „die klassische HTL-Karriere in Pinkafeld“ absolviert haben, müssen sich immer wieder mit ihrem Randlagen-Standort auseinandersetzen, haben sich doch beide hier selbstständig gemacht: Rucker 1990 mit dem Planungsbüro Rucon TB und Kurz 1994 mit dem TB Kurz. 1996 haben die beiden Firmen eine Planungsgemeinschaft gegründet, und 2005 wurde das gemeinsame Unternehmen „Die Haustechniker“ formiert, das beiden je zur Hälfte gehört. Aufgeteilt sind auch die Arbeitsgebiete: Kurz leitet die Fachbereiche E-Technik, Förder- und Medientechnik sowie Lichtdesign, Rucker kümmert sich primär um die Installationstechnik (HKLS) und die Bädertechnik.

An ihrem Standort in Jennersdorf schätzen sie die hohe Lebensqualität, räumen aber durchaus auch Nachteile ein: „Für uns ist die Situation noch ein bisschen schwieriger, weil die Leute in die großen Städte ziehen, nach Wien oder Graz“, wie Rucker sagt. Er offeriert seinen Mitarbeitern eine einfache Rechnung: „Spart euch zwei Mal 40 Minuten Fahrt (nach Graz) und macht dafür Überstunden. Dadurch spart ihr Kosten und verdient gleichzeitig mehr.“ Generell sehen Rucker und Kurz ein erhebliches Ausbildungsproblem: „Von der HTL werden viel zu wenige Leute ausgebildet, stattdessen gehen sie auf die FH. Der Typ des HTL-Ingenieurs ist ein bisschen abhanden gekommen“, fürchtet Rucker.

„Die Auftragslage ist sehr, sehr gut in der Haustechnik-Branche“, ist Kurz zufrieden, während Rucker präzisiert: „Es gibt sehr viele Anfragen, und wir schreiben so viele Angebote wie noch nie. Der Start neuer Projekte kann überhaupt erst in der Zukunft liegen.“ Mit ca. 35 Mitarbeitern und einem Experten-Netzwerk machen Die Haustechniker derzeit 2,4 Millionen Euro Jahresumsatz. „Momentan fast nur in Österreich, vor allem in Ostösterreich sowie Kärnten und der Steiermark, mit dem Schwerpunkt in Wien. Bis 2014 waren wir in Russland ganz stark, von den Sanktionen waren wir sehr stark betroffen“, erläutern die Planer.

Mit „Kleinvieh“ geben sie sich aus Kostengründen gar nicht erst ab: „Wir kommen aus dem Großprojekt-Sektor, private Bauträger schauen aber nur auf den Preis“, sagt Rucker, wozu Kurz bestätigend den Kopf schüttelt: „Dort sind die Leistungsbilder unglaublich – gerade, dass wir nicht selber auch noch bauen sollen. Und jeder Bauherr hat sein eigenes Leistungsbild…“.

Allerdings sehen die Jennersdorfer die Marktlage mit gemischten Gefühlen: „Die Herstellungskosten sind sehr, sehr stark gestiegen, wodurch ein Kostendruck auf uns entsteht. Denn das, was vor zwei Jahren geschätzt wurde, ist nicht zu halten. Da gibt es Preisunterschiede von 30 Prozent“, stellt Kurz fest. Die Tiefpreisphase, die es vor zwei Jahren gegeben habe, sei vorbei. Sicher seien die Honorare gestiegen, dennoch wünschen sich die Haustechniker eine Orientierung am deutschen Honorar-Niveau. „Man muss überlegen, ob man mit den gegenwärtigen Honoraren die geforderte Planungs-Qualität erbringen kann“, gibt Rucker zu bedenken.

 

„Eine Orientierung an deutschen Honoraren wäre wünschenswert“ – Günther Rucker

Zum derzeitigen Megathema zeigen sich Die Haustechniker „BIM-fit und sind dabei“. Allerdings sei BIM nicht in den Honoraren enthalten. „Letzten Endes spricht man von 3D-Zeichnungen, die haben wir seit 15 Jahren großflächig. Wir glauben, dass Open BIM der Weg sein wird“, sagt Kurz. Eigentliche Akquisition brauchen Die Haustechniker nicht zu betreiben, denn „90 Prozent der Kunden schicken uns Ausschreibungen. Wir betreuen unsere Kunden und werden über deren Empfehlung von anderen angefragt“, erläutert der Techniker. Und so liest sich auch die Liste der Auftraggeber und Projekte: Etwa die Spar Steiermark und Südburgenland, für die gerade ein Supermarkt in Premstätten geplant wird, die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien, das Quartier 2 auf den Grazer Reininghaus-Gründen, das Hotel Sauerhof in Baden, „jede Menge Wohnbau, vor allem in Wien, zehn bis 200 Wohneinheiten, etwa die Danube Flats“, der Styria Tower in Graz, das eben fertig gewordene Akademische Gymnasium in Salzburg, eine Menge Thermen (neben anderen die Therme St. Kathrein in Bad Kleinkirchheim) und diverse Bäder. Ein wenig bekannt und prominent sind die beiden auch: Sie wurden inzwischen drei Mal zu „Austrian Leading Companies“ gekürt.

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