Schaf im Wolfspelz

Geht es nach der Politik, soll Mineralwolle so deponiert werden wie Asbest. Das sei teuer und unsinnig, sagen Vertreter der Industrie. Sie fordern eine eigene Abfall-Kategorie.

Die Hersteller von Mineralwolle, Baufirmen und Verarbeiter haben ein Problem: Es nennt sich Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), konkret die dort geplante Novelle des Abfallverzeichnisses. Diese sieht vor, dass Mineralwolleabfälle künftig so entsorgt werden müssten wie „Asbestabfälle, Asbeststäube und andere Mineralfasern mit asbestähnlichen Eigenschaften“. Damit werde suggeriert, dass Mineralwolle hochgefährlich ist, wofür aus wissenschaftlicher Sicht keine Veranlassung besteht, wie der Universitätsprofessor und Abfallwirtschafter Roland Pomberger betont. Künstliche Mineralfasern seien chemisch, physikalisch und mineralogisch anders als Asbest.

Wie immer geht es um das liebe Geld. Früher wurde die Mineralwolle mit dem Bauschutt vergraben. Seit einiger Zeit muss der bei Abbrüchen anfallende Dämmstoff separat gesammelt werden. Für Entsorgung hat sich die Bürokratie aber nicht wirklich etwas überlegt – der Einfachheit halber sollte Mineralwolle so entsorgt werden wie Asbest. Und das kostet – pro Tonne bis zu 1.300 Euro und damit mehr als jener Dämmstoff der aus der Fabrik auf die Baustelle geliefert wird. Die Deponierung der Mineralwolle ist nämlich nicht so einfach, sie muss in Big-Bags verpackt in die Deponie eingebracht werden. Das erfordert viel Platz und macht den Deponiebetreibern wenig Freude, weil die weichen Großpackungen die Deponie instabil machen. Wertvoller Deponieplatz geht verloren, wofür manche Betreiber entsprechend hohe Rechnung ausstellen.

Udo Klamminger, Vorstandsvorsitzender der Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) fordert deshalb eine eigene Abfall-Kategorie für die Mineralwolle. Diese sogenannte „Schlüsselnummer“ sollte für alte und neue Mineralwolle gelten, so der Lobbyist. Als Beistand hat der FMI sich den Anwalt David Suchanek von der Kanzlei Niederhuber & Partner geholt. Er hält die Gleichsetzung der Mineralwolle mit Asbest für EU-rechtswidrig.

Pomberger von der Montanuni Leoben meint, dass die ganz Causa aus bürokratischer Bequemlichkeit entstanden sei. Eine teure allerdings, wie ein Vertreter des Baukonzerns Porr bestätigt. Man habe bei Großprojekten vor einem Jahr Abriss- und Entsorgungskosten kalkuliert, die jetzt bei weitem nicht mehr zu halten seien, sagt er.
Einen vielleicht für die Zukunft positiven Effekt hat die Kostensteigerung aber doch: sie beflügeln den Recyclinggedanken, wie Pomberger zugibt. Es gäbe ein paar Ansätze, wie man mit Abfällen und Resten künftig umgehen könnte, sagt der Experte. Eine Lösung für die Sammlung gibt es aber bislang nicht. Österreich ist reiner Importeuer und der mehrstufige Vertrieb lässt die Frage offen, wer für das Sammelsystem geradestehen soll.

Wie auch immer das Match um die Mineralwolle ausgeht, billiger wird deren Verwendung und Entsorgung wohl kaum. Genau darin sieht Klamminger ein Problem: Wenn die thermische Sanierung forciert werden soll, müsse darauf geachtet werden, dass diese auch leistbar bleibe, argumentiert er.

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