Intelligenter Energie-Austausch

Mit einem Anergienetz wird im Viertel Zwei am Wiener Prater Energie zwischen den Gebäuden ausgetauscht. Ein Paradigmenwechsel in der Energieversorgung, mit deutlich weniger Haustechnik.

Das Viertel Zwei ist als Projekt bekannt, bei dem über die Immobilie selbst hinausgedacht wird. Das gilt nun auch für die Energiegewinnung. Mit dem Kraftwerk Krieau ging vor einem Jahr ein Leuchtturmprojekt in Sachen intelligenter Energienutzung, -verteilung und -speicherung für das Stadtentwicklungsprojekt in Betrieb. Die erste Zwischenbilanz über die Versorgung der zweiten Bauphase des Viertel Zwei zeigt das Potenzial des sogenannte Anergie-netzes, mit dem Wärme und Kälte auch zwischen den Gebäuden ausgetauscht werden können. Im ersten Betriebsjahr wurden so 60 Prozent der Energie im Heizungsbereich und 40 Prozent der Energie im Kühlbereich gespart werden. 2018 wurden damit 541 Tonnen CO2 eingespart. Und im kommenden Jahr, wenn der Erdspeicher richtig voll ist, soll es noch etwas mehr werden.

Kraftwerk Krieauals Partner

„Das Energiethema ist für uns eine Herzensangelegenheit“, so Walter Hammertinger, Geschäftsführer des Viertel Zwei-Entwicklers IC Development. „Es geht auch darum, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht nur eine Worthülse bleibt, sondern den Mietern einen wirklichen Mehrwert bietet“, erklärt er. Deswegen habe man sich 2013 entschieden, das Thema Energie nicht nur im Verbrauch, sondern auch in der Produktion neu zu denken. Ein Fernwärmeanschluss und eine Kältemaschine am Dach wären natürlich einfacher gewesen. „Das hat uns aber nicht genügt“, so Hammertinger. Natürlich sei es aber dafür erforderlich gewesen, einen geeigneten Partner zu finden. Dieser wurde mit Herbert Hetzel, Geschäftsführer von Kraftwerk Krieau gefunden.

Paradigmenwechsel

Die Technik ist laut Hetzel bei dem System „nicht das Zauberkunstwerk“. „Wir haben dabei nur handelsübliche Technik eingebaut, Erdwärme, Wärmerückgewinnung und Photovoltaik vor allem“, erklärt er. Für den Erfolg des Systems sei vielmehr ein Paradigmenwechsel verantwortlich: Die Haustechnik wurde aus den Häusern herausgenommen und zentral im Kraftwerk Krieau zusammengelegt. Dabei geht es nicht primär um die Energieaufbereitung, sondern um den Energieaustausch zwischen den Gebäuden. Mit Wassertemperaturen von 8-12 Grad bzw. 25-40 Grad werden Lasten ausgetauscht. Die Nutzer zahlen dabei nicht mehr für die Energie als am Markt üblich.

Probleme machten aber die strikten Normen. „Wir haben aufgrund der Normenlage alles überdimensioniert, im Grunde hätten wir 20 Prozent weniger investieren müssen“, erklärt Hetzel. IC Development hat sich die Anlage rund fünf Millionen Euro kosten lassen. Förderungen wurden keine in Anspruch genommen. Für 2018 wird ein ausgeglichenes Ergebnis angepeilt. Schon in den kommenden Jahren will das Kraftwerk Krieau ordentliche Gewinne schreiben. Eine Herausforderung ist aber auch die rechtliche Komplexität – beispielsweise die vielen Servitutsverträge – die notwendig sind, um etwa Zugang zu den Schächten zu garantieren. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Immobilienentwickler Voraussetzung. Für die nächste Ausbauphase im Viertel Zwei denkt Hetzel jetzt über das Thema „Elektrizität“ nach. Energie- und Immobilienwirtschaft wachsen damit immer mehr zusammen.

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