Halbe-Halbe

Rund 40 Millionen Euro Umsatz wird die Strobl Bau – Holzbau GmbH im steirischen Weiz heuer allein im Holzbau umsetzen, was die Steirer zu einem der größten Holzbauer Österreichs macht. Soeben wurde die Wertschöpfungskette um Schlosserei und Spenglerei verlängert.

In der Abbund-Halle von Strobl Bau – Holzbau in Preding bei Weiz animiert Zimmermeister Hans Harrer die Gäste zu einem kleinen Holzbau-Experiment. Seit Anfang Oktober ist Strobl Mitgliedsbetrieb der „Erlebniswelt Wirtschaft“, und seither gehört das Selberbauen zum Besuchsprogramm. Tatsächlich gibt es bei Strobl einiges zu erleben und erfahren: Zum Beispiel, dass heuer eine neue Halle für die Schlosserei gebaut wurde, die seit September in Betrieb und mit sechs Mitarbeitern ausgestattet ist. Sie fertigen Geländer, Handläufe, Carports und ergänzen die ebenfalls neue Spenglerei, in der sechs Spengler arbeiten. Sie arbeiten wenig mit Kupfer, aber viel mit Alublech, und auch 5.000 m² Foliendächer werden hier gefertigt. Alles entsprechend der Firmenphilosophie, die Harrer bündig definiert: „Wir wollen den Rohbau selbst herstellen.“

Rund 80 Millionen Euro Umsatz wird Strobl heuer mit rund 300 Mitarbeitern machen. Je zur Hälfte im klassischen Beton-/Ziegelbau und im Holzbau. Die rund 40 Millionen Euro allein im Holzbau machen Strobl zu einem der größten Holzbau-Unternehmen Österreichs, und das nach einer geradezu atemberaubenden Entwicklung, die wohl auch kennzeichnend für die Entwicklung des Holzbaus in Österreich insgesamt ist: Vor zehn Jahren hatte der Gesamtumsatz noch 30 Millionen Euro ausgemacht, wovon zehn Millionen Euro auf den Holzbau entfielen. Ein Jahr später waren es bereits 35 Millionen Euro Gesamtumsatz, vor allem dank des Holzbaus. „Wir fertigen auf 3.500 Quadratmetern Holzfertigteile, darunter ca. 20.000 m² Wandelemente“, erläutert Zimmermeister Harrer, der nicht nur Geschäftsführender Minderheits-Gesellschafter, sondern auch für den Holzbau und den gesamten Hochbau verantwortlich ist. „Wir bei Strobl verarbeiten rund 20.000 Kubikmeter Holz pro Jahr, 90 Prozent bis 95 Prozent sind Fichte. Die ist für uns Zimmerer sehr gut zu verarbeiten, wächst schnell, ist leicht im Gewicht und trotzdem statisch geeignet“, erläutert Harrer.

Der Betrieb wurde 1964 von seinen Eltern gegründet, 1991 hat Harald Strobl das Unternehmen übernommen. „Nach einer Studienreise durch traditionelle Holzbauländer haben wir sieben Millionen Euro in den Holzbau investiert – ohne Grundstückskosten. 30 Leute haben wir damals schon in der Zimmerei beschäftigt“, sagt Strobl, dessen Familie die Mehrheitsanteile am Unternehmen hält.

In Wien weiter entwickeln

So wie Hans Harrer und Thomas Hanin fungiert auch er als Geschäftsführer. „Wir haben auch ein Büro im Süden von Wien und wollen uns in Wien weiter entwickeln“, gibt Stobl gleich einen Zukunftsausblick. Derzeit baut sein Unternehmen vor allem in der Steiermark, in Kärnten, im Burgenland und eben in Wien. In der Bundeshauptstadt wird demnächst auch ein richtiges Vorzeigeprojekt fertig, das „Gesundheitsquartier Helmut Zilk Park“, ein siebengeschoßiger Holz-Verbundbau, der zu Weihnachten übergeben wird. Strobl ist bei diesem Projekt Generalunternehmer und realisiert eine Planung der Wiener einszueins architektur ZT GmbH. Die Nutzfläche beträgt 3.564 m², die Bauherren sind die beiden verwandten Bauträger „at home Immobilien GmbH“ und „Neue Heimat“. Abgesehen davon, dass in Wien Holz-Massivbauten mit sieben Geschoßen noch nicht Alltagsgeschäft sind, zeichnet sich das Gesundheitsquartier auch durch sieben Meter Spannweite aus. Weshalb die Decken eine Brettsperrholz-Beton-Verbundkonstruktion sind, die Wände hingegen unten aus Stahlbeton bestehen und vom ersten Ober- bis zum Dachgeschoß aus einer Holz-Riegel-Konstruktion bestehen. Wozu noch eine hinterlüftete, offene Fassade aus Lärchenholz inklusive Anstrich kommt. „Die halbe Bauzeit haben wir für den Betonbau gebraucht“, meint der Holzbauer Harrer trocken an. Die HKLS-Planung stammt übrigens von der Wiener Anlagenplan GmbH, für Statik und Bauaufsicht zeichnen RWT Plus aus der Woschitz Group verantwortlich. Die Baukosten sind mit 7,2 Millionen Euro veranschlagt.

Reininghaus Q7 – 6. 280 m³ Brettsperrholz

Ein richtig dicker Hund wird in Graz bereits gebaut, das „Reininghaus Q7“. Der Name ergibt sich daraus, dass im Stadtentwicklungsgebiet Reininghaus die Baufelder „Quartiere“ heißen und die ENW – Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Ennstal Gen.m.b.H. das Quartier 7 von Strobl bebauen lässt. Nach einem vorgegebenen städtebaulichen Konzept werden hier um ca. 35 Millionen Euro je ein Sechsgeschoßer und ein Viergeschoßer sowie zwei Dreigeschoßer errichtet. Planer sind die balloon architekten ZT-OG sowie die Hohensinn Architektur ZT GmbH, beide in Graz zuhause, die in einem Wettbewerb auf den Plätzen eins und zwei gelandet waren. Mehr als 200 Wohnungen, davon 40 Prozent Vier-Zimmer-Wohnungen, sowie Geschäftsflächen und ein Kindergarten werden im Q7 auf 16.300 m² Nutzfläche Platz finden.

Das Projekt zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus: Einerseits sind sechs Geschoße für den steirischen Holzbau eine neue Dimension, andererseits wird der Sechsgeschoßer ausschließlich aus Holz errichtet, also einschließlich der tragenden Elemente der Entschließungskerne und Stiegenhäuser, und zwar aus Brettsperrholz von MM. Mit einer minimalen Einschränkung: „Die Treppenläufe sind Betonfertigteile auf Brettsperrholz“, erklärt Architekt Karlheinz Boiger, Partner bei Hohensinn Architektur.

Die im Q7 verwendeten Massen sind beachtlich: Rund 6.280 m³ Brettsperrholz werden für Wände und Decken benötigt und ca. 18.200 m² machen die hölzernen Fassadenflächen aus. „Die Fassade wird weißlich lasiert“, kündigt Boiger an und verrät nebenbei, dass die benachbarten Häuser mit Betonkern stärkere Setzungen haben als der pure Holzbau.

Hans Harrer wird unterdessen nicht müde, ständig darauf hinzuweisen, wie wichtig im Holzbau eine gute und detaillierte Planung ist. Kürzlich wurde ein Projekt so geplant, dass die späteren Terrassen-Geländer, gefertigt im eigenen Betrieb, so früh montiert wurden, dass sie gleich als Absturzsicherung dienten und man sich deren gesonderte Anbringung ersparen konnte.

Auch die von Strobl gepflegte Form des nachhaltigen Wirtschaftens hat etwas:

Die im Freigelände aufgeständerte Photovoltaik-Anlage ist auf 193 kWp ausgelegt und liefert 240.000 kWh Strom, „was ungefähr dem Bedarf von 40 Einfamilienhäusern entspricht bzw. unserem Eigenbedarf“, wie Harrer erläutert. Im Gegensatz zu vielen anderen Holzverarbeitern betreibt Strobl kein eigenes Heizwerk, „weil in 500 Metern Entfernung ohnedies ein Heizwerk steht. Dafür liefern wir im Sommer, wenn bei uns das meiste Holz anfällt, an das Heizwerk und sind dafür im Winter Fernwärmebezieher.“

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