Fernkälte im Ausbaumodus

Der Markt für Fernkälte soll bis 2023 um 53 Prozent zulegen, meinen die Anbieter. Dazu sind Investitionen in Höhe von 83 Millionen Euro für den Fernkälteausbau geplant.

Energieversorger, die in Österreich Fernkälte anbieten, erwarten, dass der Markt für Fernkälte gegenüber 2017 bis 2023 um 53 Prozent zulegen wird. Von heuer bis 2023 sind Investitionen in Höhe von 83 Millionen Euro für den Fernkälteausbau geplant. Vor einem Jahr war die Branche von einer Investitionssumme von rund 50 Millionen ausgegangen.
Auch aktuell sind einige neue Projekte hinzugekommen. In St. Pölten sorgt der Anschluss des Zubaus beim Universitätsklinikum für eine Absatzsteigerung bei Fernkälte um etwa ein Drittel – auf acht Gigawattstunden (GWh) Kälteabsatz.
In Linz wurden zuletzt ein Unternehmensgebäude und der neue LUX-Tower mit einer Leistung von knapp 500 Kilowatt (kW) an das Fernkältenetz angeschlossen. Kommendes Jahr soll auch die Fernkälteleistung der Linzer Tabak Fabrik von derzeit rund 0,5 auf 1,1 MW ausgebaut werden. Damit wird die Linz AG ihre Anschlussleistung um etwa ein Megawatt auf insgesamt 12,1 MW Fernkälte ausbauen.

Ein neues Wiener Projekt, das ebenfalls mit Fernkälte versorgt wird, ist der Austria Campus mit einer Bruttogeschoßfläche von rund 300.000 Quadratmetern. Hier versorgt Wien Energie den Kälteleistungsbedarf von zwölf MW. Die Kälte dort wird allerdings mit Kompressionskältemaschinen erzeugt, was den Begriff der Fernkälte etwas verwässert, denn eigentlich sind damit Anlagen gemeint, die mit der Wärme (z. B. aus der Müllverbrennung) Kälte erzeugen. Diese Absorptionskältemaschinen benötigen im Unterscheid zu Kompressionskältemaschinen auch keine klimaschädlichen Kältemittel.

Warme Perioden beflügeln den Absatz

Natürlich beflügelt der sehr warme Sommer die Nachfrage nach Fernkälte. Auch aufgrund der für Österreich ungewöhnlich langen, fast durchgehenden Wärmeperiode von April und Mai bis Ende Juni und der heißen Sommermonate rechnet Michael Mock, Geschäftsführer des FGW, mit einem „neuerlichen Absatzrekord bei Fernkälte“. Langfristige Prognosen des Fachverbands zeigen, dass in Österreich aufgrund der Klimaerwärmung in 20 Jahren in etwa genauso viel Kühlenergie benötigt werden könnte wie Heizenergie.
Auswertungen aus dem vergangenen Jahr unterstreichen, dass die Entwicklung in diese Richtung geht. Der Rekordsommer des Vorjahres hat zu einem starken Absatzplus bei Fernkälte geführt: Mit 147 GWh wurde 2017 um 6,6 Prozent mehr Fernkälte an Kunden geliefert als im Jahr davor. Seit 2009 hat sich der Verkauf von Fernkälte auf dem österreichischen Markt von rund 25 GWh auf zuletzt rund 147 GWh nahezu versechsfacht. Die installierte Fernkälteleistung lag Ende 2017 bei 134 MW – gegenüber 2016 war das ein Plus von 3,9 Prozent.

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