Fast Erdöl-frei

Im oberösterreichischen Almtal hat sich der Ökoprodukte-Anbieter seine „Grüne-Erde-Welt“ geschaffen. Der Bau ist „zu 99 Prozent Erdöl-frei“ und kommt ohne Klimaanlage aus.

²Auf dem 14 Hektar großen Gelände einer aufgelassenen Küchenfabrik in Pettenbach im Almtal (OÖ) hat der Ökomöbel-Hersteller Grüne Erde eine „Grüne-Erde-Welt“ errichten lassen, die nach den Worten ihres Gestalters Klaus Loenhart „mit diesem Klimakonzept in diesem Maßstab weltweit einzigartig ist.“ Das 9.000 m² große Gebäude, das in Holzriegel-Bauweise von der Schwanenstädter Firma Obermayr Holzkonstruktionen GmbH mit insgesamt 1.900 m³ Holz errichtet wurde, „ist nicht teurer als ein vergleichbares Industriegebäude“, erklärt Loenhart. Die Baukosten werden auf Wunsch des Bauherrn trotzdem nicht genannt. „Das haben wir dadurch geschafft, dass wir große Teile der Haustechnik durch Natur-Performanz ersetzt haben“. Den Begriff der „Natur-Performanz“ haben Loenhart und sein Büro terrain (Graz) schon bei der Planung des österreichischen Pavillons „Breathe Austria“ auf der EXPO in Mailand 2015 verwendet. Weil er dem Professor an der TU Graz (Institut für Architektur und Landschaft) „für die Natur zutreffender erscheint als der dynamische Begriff der ‚Performance‘.“

Wie das in der Almtaler Praxis aussieht, beschreibt Loenhart, der die Leitdetails entwickelt und die Generalplanung gemacht hat, folgendermaßen: „Es gibt keine Klimaanlage, auch für die nächsten 30 Jahre nicht, das hat Transsolar vorausberechnet. Und wir holen uns die Frischluft aus der Umgebung und aus den 13 Lichthöfen, die jeweils 20 m² bis 30 m² groß sind. Diese sind verglast und nach oben hin offen“, erklärt der Architekt. Diese Höfe sind bepflanzt mit Bäumen und Waldboden und liefern über riesige Klappen Frischluft in das Gebäude. Je nach Witterung kann auch die Luft vom nahen Wald angesaugt werden. Es ist das gleiche Konzept, das auch beim EXPO-Pavillon angewendet wurde. Die Umsetzung der Details mit den Ausführenden hat übrigens das Linzer Architekturbüro Arkade von Klaus Landerl erledigt.

Das Gebäude sei zu 99 Prozent Erdöl-frei, weil praktisch kein Plastik verwendet wurde. Ausnahmen sind lediglich die Elektroleitungen und die Fenster-Dichtungen. Die Dachfolie hingegen ist aus Kautschuk. Zudem sei das Gebäude „Energie-neutral“, was für ein Industriegebäude einzigartig sei, betont Leonhart.

Im Neubau sind sowohl die Tapeziererei, die Schneiderei, die Matratzen-, Kissen- und Naturkosmetik-Produktion untergebracht als auch ein Flagship-Store und erste Teile der Verwaltung sowie ein vegetarisch-biologisches Bistro. Der Gedanke einer Erweiterung ist auch ein Thema. „Der zweite Bauabschnitt ist noch offen, da wollen die Eigentümer erst den Geschäftsverlauf abwarten“, sagt der Planer.

Für die Energie-Neutralität sorgt zum Großteil eine 6.000 m² große PV-Anlage auf dem Dach, mit der jedoch noch nicht alle Bedarfsspitzen abgedeckt werden könnten, wie Geschäftsführer Kuno Haas erklärt. In fünf Jahren will er Selbstversorger sein. Beheizt wird die „Grüne-Erde-Welt“ mit Wärmepumpen und Tiefensonden, gedämmt wurde der Holzriegel-Bau, für den großteils Fichte und Weißtanne verwendet wurden, mit Schafwolle. Für die Beschattung sorgen rund 500 Bäume; die rund 700 zusätzlich gepflanzten Sträucher können dazu eher wenig beitragen, dafür sind die Räume zu hoch.

Der Bau soll das Image der Grünen Erde sichtbar und spürbar machen. Das Management erwartet künftig bis zu 70.000 Besucher pro Jahr. Einer der prominentestes Österreicher war schon da: Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer haben die Eröffnung vorgenommen.

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