Ein Fest für Fenster

900 Teilnehmer waren am „Fenstertag“ zum 100-Jahr-Jubiläums-Fest des Fensterherstellers Gaulhofer nach Übelbach bei Graz gekommen. Nach turbulenten Jahren will ein neues Management jetzt Holzfenster und das Premium-Segment forcieren.

Übelbach liegt etwa 20 Autominuten von Graz entfernt auf 580 Meter Seehöhe und hat gut 2000 Einwohner. Hier, in einer ehemaligen Papierfabrik, hat Gaulhofer seit 1974 seinen Sitz. Zuvor war das Unternehmen in Frohnleiten ansässig und gegründet wurde die Firma von Karl Gaulhofer als Tischlerei in Zlatten bei Pernegg 1919. Bis in die frühen 2000er-Jahre gab es noch vier Betriebsstätten, neben Übelbach auch noch welche in Deutschland und Oberösterreich, sowie in Mäder in Vorarlberg. Dieser wurde heuer mit Jahresanfang geschlossen, was 60 Arbeitsplätze kostete, und die dortige Kunststofffenster-Produktion nach Übelbach verlagert, wo dafür wieder Mitarbeiter gesucht wurden.

380 Beschäftigte hat das Unternehmen derzeit, 350 davon arbeiten in Übelbach. Es hat aber auch schon Zeiten gegeben, in denen die Gaulhofer-Gruppe rund 650 Mitarbeiter beschäftigte. Die enge Verbundenheit mit den Mitarbeitern aus der unmittelbaren und mittelbaren Umgebung macht Gaulhofer zu einem wichtigen Arbeitgeber im nördlichen Grazer Umland. Sie ist in guten Zeiten ein Segen und in schlechten ein Fluch. 2018 hat Gaulhofer rund 60 Millionen Euro Umsatz erzielt, ca. 30 Prozent davon im Export.
Nach reichlich turbulenten Jahren und mehrmaligem Management-Wechsel gehört das Unternehmen heute zu 82,75 Prozent der grosso Holding, bzw. der Austro Holding von Erhard Grossnig, die restlichen 17,25 Prozent hält Manfred Gaulhofer, der von 2008 bis 2014 auch Geschäftsführer gewesen ist, mit dem Grossnigg-Einstieg 2014 aber in den Aufsichtsrat gewechselt ist. Kurzzeitig war auch der Schweizer Bauausrüster AFG mit 31 Prozent beteiligt, wurde aber von Grossnigg nach etwas mehr als einem Jahr wieder ausgekauft.

Die neuen Geschäftsführer heißen Thomas Braschel, seit März, und Thomas Wieser, seit Mitte des Vorjahres, und präsentierten sich beim Fenster-Fest voller Tatendrang: „Wir vernetzen uns derzeit noch intensiver mit Partnern und erschließen neue Geschäftsfelder – auch durch die Entwicklung von innovativen Produkten. Außerdem sehen wir neue Zielmärkte klar vor uns, während wir gleichzeitig unser hohes Qualitätsniveau auf absolute Spitzenqualität heben werden“. Womit zwei Zielrichtungen gemeint sind: Einerseits die Fokussierung auf ökologisch und optisch hochwertigere Holzfenster aus Fichte und Lärche und andererseits die Konzentration auf das Premium-Segment.

Freimütig räumten die neuen Gaulhofer-Geschäftsführer in einem Interview ein, dass sie bei Kunststoff-Fenstern gegenüber der Konkurrenz „zum Beispiel aus Polen“ preislich nicht mithalten könnten. Auch die „Vertriebsschiene Baumarkt“ passe nicht zur Firmen-Philosophie. Derzeit beträgt das Verhältnis von Kunststoff- zu Holzfenstern noch 55 Prozent zu 45 Prozent – und das soll sich eben ändern. Das Sortiment besteht derzeit aus Holz- und Holz-Alu-Fenstern, Kunststoff- und Kunststoff-Alu-Fenstern sowie Haustüren und Sonnenschutz-Artikeln.

Nach den Worten des Mehrheitseigentümers Erhard Grossnigg beim Festakt kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen, denn er meinte: „Ich sehe für Gaulhofer, vor allem wie sich das Unternehmen in der letzten Zeit neu aufgestellt hat, noch eine vielversprechende Zukunft!“

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