Das Monitoring wirkt

Selbst bei geförderten Mustersanierungen zeigt sich eine Kluft zwischen Verbrauchsprognose und Realität. Fehleinstellungen von Anlagen lassen sich nur durch ein Monitoring orten.

Die Sanierung des Altbestands könnte einen markanten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Der Klima- und Energiefonds hat dazu schon vor Jahren das Förderprogramm „Mustersanierung“ aufgelegt. Gefördert wird nicht nur die umfassende thermische Sanierung, sondern auch der Umstieg auf erneuerbare Energieträger und die Installation eines Energiemonitoringsystems. Eine aktuelle Studie des Energieforschungs- und -beratungsunternehmens e7 im Auftrag des Fonds untersuchte anhand von neun Mustersanierungen den realen Betrieb der Gebäude mittels Monitoring. „Die Auswertung der Monitoringdaten ergab, dass speziell bei den Heizungs- und Lüftungsanlagen noch Optimierungen möglich sind. Weiters zeigte sich, dass für den effizienten Betrieb eines Gebäudes eine engagierte, fachkundige Person notwendig ist, die die Monitoringdaten regelmäßig prüft und Anpassungen vornimmt“, fasst Studienautor Klemens Leutgöb, Geschäftsführer der e7 Energie Markt Analyse GmbH, die Ergebnisse zusammen. Zudem lässt sich festhalten, dass eine energieeffiziente Planung der Sanierung den energieeffizienten Betrieb nicht automatisch gewährleistet. Ein wichtiger Hebel für Einsparungen ist die genaue Abstimmung der Energieanlagen auf den Betrieb des Gebäudes – durch Temperaturabsenkungen und Abschaltung der Lüftung außerhalb der Betriebszeiten.

 

Vorzeigeprojekt zeigt Effizienzpotential

Das Büro- und Schulungszentrum der LSI Leistungsgruppe von Installateuren in Voitsberg ist ein Paradebeispiel für eine Mustersanierung. Die Energieversorgung erfolgt zu 100 Prozent durch Erneuerbare. Aus einer alten Zielpunkt-Filiale, gebaut in den 90er-Jahren, entstand ein Plusenergiehaus, „Strom und Heizkosten lassen uns kalt, unser Gebäude produziert mehr Energie als es verbraucht. An unserem Schulungszentrum sieht man, dass sich die Investition auch wirtschaftlich rechnet“, sagt Herbert Reisinger, Geschäftsführer der LSI Leistungsgruppe von Installateuren.

Das LSI-Haus hatte vor der Sanierung einen Heizwärmebedarf von 303 kWh/ m2 im Jahr, nach dem Umbau beträgt der HWB 30 kWh. „Dämmung, Dämmung ist Alles“ sagt dazu der LSI-Chef was für einen Vertreter der Installateure keine Selbstverständlichkeit ist. Auf dem Dach des Gebäudes sind 72 m2 Solarkollektoren montiert, die speisen einen 10.000 Liter Pufferspeicher. Bei guter Sonneneinstrahlung kann mit diesem System bis zu 68 Prozent des Heizwärmebedarfs abgedeckt werden. Das letzte Drittel liefert eine Wärmepumpe, die mit Ökostrom betrieben wird. Geheizt und bei Bedarf gekühlt wird über insgesamt 430 m2 Fußboden-Flächenheizung mit Einzelraumregelung. Bei großer Hitze ergänzen Fancoils die Kühlung. Eine 20 kWp-Photovoltaikanlage und eine Kleinanlage erzeugen im Jahr rund 22.000 kWh Strom. In Summe lag der jährliche Stromverbrauch im Jahr 2015 bei 18.662 kWh, der Überschuss beträgt also gut 3000 kWh.

„Ein hoher Dämmstandard legt den Grundstein für Effizienz“
– Herbert Reisinger, LSI-Chef

Das Monitoring umfasste in diesem Fall 52 Messpunkte, mit denen der Strom, die Wärmemengen, die Feuchte, Temperatur und CO2 gemessen wurden. Nach der Installation des Monitorings wurde rasch klar, dass die Betriebszeiten der Lüftungsanlagen nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Das ist kein Einzelfall, sondern trat in acht von insgesamt neun untersuchten Projekten auf, wie Leutgöb erklärt. Konkret liefen die Lüftungen in den Seminarräumen vornehmlich in den Nachtstunden und verbrauchten somit 75 Prozent des Stroms zu Zeiten, in denen die Räume ungenutzt snd. „Das war die Werkseinstellung des Gerätes, davon wusste nicht einmal der Installationsbetrieb“, erklärt Reisinger.

Er ist rundum zufrieden mit dem Gebäude. Einzig, dass er keinen Abnehmer für die sommerliche Überschusswärme der Solaranlage hat, ärgert ihn ein wenig.

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