Brüderlein fein

Die Brüderl-Gruppe hat aus einem ausgedienten Wasserturm im Traunreuter Alpenvorland ein Vorzeigeprojekt gemacht. Hinter der pittoresken silberfarbenen Metallfassade von Domico stecken anspruchsvolle Wohn- und Ausstellungsräume.

Vor einigen Jahrzehnten führte ein Schulausflug Schorsch Brüderl auf den Wasserturm Pirach, der als architektonisches Statement die hügelige Landschaft des Traunreuter Alpenvorlandes prägt. Bis Ende der 60er Jahre sicherte der damals erst 10 Jahre alte, rund 250.000 Liter fassende Turmbehälter die Wasserversorgung der umliegenden Dörfer. Mit der Umstellung auf Pumpspeicherwerke fristete der rund 30 Meter hohe Wasserturm – trotz seiner imposanten Gestalt – zunächst ein vergessenes Dasein.

Um sich der Unterhaltungskosten zu entledigen, stellte die Stadt Traunreut die Immobilie vor sechs Jahren zum Verkauf. Brüderl, der inzwischen zum erfolgreichen Unternehmer avancierte, kaufte sich das „Objekt der heimlichen Begierde“ um es wieder einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Ergänzt um einen dreigeschossigen Anbau, der mit seinen dunklen Holzfassaden optisch kaum in Erscheinung tritt, dient das Ensemble nun als Homebase der Brüderl-Gruppe. In den ersten beiden Etagen befindet sich heute eine großzügige Privatwohnung, Im zweiten Obergeschoß lädt ein Apartment Feriengäste ein. Alle Geschoße darüber dienen der Leistungsschau der Brüderl-Gruppe sowie als Erlebniswelt für die exquisiten Einrichtungsobjekte der eigenen Möbelmanufaktur.

Das Angebot der „Marke Brüderl“ reicht von der Projektentwicklung über Architektur- und Innenarchitekturleistungen bis hin zum Schlüsselfertigbau samt anschließendem Gebäudemanagement. Dass die Anfänge auf eine Möbelschreinerei zurückgehen, bekundet die „für schönes Ambiente“ werbende Manufaktur. Individuelle Unikate stehen bei ihr ebenso im Angebot wie Serienprodukte und komplette Innenausbauten.

Die baukonstruktive Herausforderung der Sanierungsaufgabe stellte sich als ebenso massiv dar, wie die Massigkeit der Außenwände. An der Basis stolze 80 Zentimeter dick, verjüngt sich das Mauerwerk aus kleinformatigen Ziegelsteinen bis zur Traufe auf rund 35 Zentimeter. Und, die Toleranzen in der runden Fläche sowohl innen wie außen sind ziemlich großzügig. Dazu kommt, dass sich der Durchmesser des Turmes auf die volle Höhe um rund 70 Zentimeter verjüngt. Für die konzeptionelle Gestaltung und Herstellung der Außen-fassade konzentrierten sich diese vorgefundenen Rahmenbedingungen zu einer höchst spannenden Aufgabe.

Für die Fassade wollte der Bauherr nicht nur einen verlässlichen Wetterschutz, sondern eine optische Aufwertung für das betagte Gemäuer. Verschiedene Fassadenoptionen wurden geprüft, variiert und verworfen, am Ende entschied man sich für eine vorgehängte hinterlüftete Metallfassade von Domico. Plane Flächen, die in Segmenten der Rundung folgen, dazu eine durchdringungsfreie Befestigung der Elemente, das waren ausschlaggebende bautechnische Argumente für die Planum-Fassade. Dass diese überdies mittels ihrer flexiblen Unterkonstruktion den mitunter heftigen Toleranzausgleich meistert, sprach ebenso für die Entscheidung. Nicht zuletzt ermöglichte die gemeinsam erarbeitete Fassadenlösung eine sowohl handwerklich wie gestalterisch akkurate Integration der Fenster, egal ob diese innerhalb der Segmentfläche, an deren Rand oder sogar segmentübergreifend positioniert sind.

Nach fundierter Planung fand man zu einer Segmentschnürung in 20 breitengleiche Teilsegmente horizontal und 11 Abstufungen vertikal. Eine Variation in der Segmenthöhe betont die Basis samt Eingang im Erdgeschoß. Auch die an einen Leuchtturmumgang erinnernden hochformatigen Fenster an der Turmspitze führten zu einer Höhendifferenzierung der beiden oberen Segmentreihen. Alle dazwischen liegenden Segmente sind in ihrer Höhe baugleich. Zur Ausführung kamen 1,25 Millimeter starke Planum-Elemente im Farbton Weißaluminium, der auch für alles sichtbare Zubehör übernommen wurde. Die unterschiedlichen Spiegelungen und das permanente Spiel von Licht und Schatten im Tageslauf der Sonne, verleihen dem Turm eine spielerische Lebendigkeit und Leichtigkeit.

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