BIG Solar wird halbiert

Vor Kurzem wurde ein Solarwärme-Speicher in Graz in Betrieb genommen, und im Herbst soll das Genehmigungsverfahren für „BIG Solar“ starten. Aus BIG wurde Medium, das Projekt ist mindestens halbiert.

Das nach dem griechischen Sonnengott Helios benannte Solarwärme-Speicherprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Köglerweg in Graz ist vor Kurzem eröffnet worden, wie der Bauherr, die Energie Graz GmbH &Co KG, stolz vermeldet. Diese bezeichnet Helios als „ein in Europa einzigartiges Innovationsprojekt, das Wärme aus Sonnenenergie und Deponiegas mit einem Großspeicher kombiniert“. Die Fakten: Der rund 26 Meter hohe drucklose Wärmespeicher hat einen Durchmesser von zwölf Metern und ein Nutzvolumen von 2.500 m³ Wasser, was mehr ist, als in ein Olympia-taugliches Schwimmbecken passt. Gespeist wird er durch eine 2.000 m² große Solarthermieanlage, die auf 10.000 m² erweitert werden kann, sowie aus einem Blockheizkraftwerk (BHKW), welches das bislang abgefackelte Deponiegas nutzt und auf ca. 120 kWel und ca. 170 kWtherm ausgelegt ist, wobei der Strom für die Eigenversorgung dient und die Überschussenergie in einer Power-to-Heat-Einheit (90 kW) ebenfalls in Wärme umgewandelt wird.

Im Regelbetrieb beträgt die Wärmeleistung ca. 3,5 MW, Spitzenlasten bis zu zehn MW sind möglich. Womit ein jährlicher Wärmeertrag von 2,5 GWh angegeben wird, der im Endausbau auf 4,8 GWh fast verdoppelt werden soll. Die Helios-Wärme wird direkt ins Grazer Fernwärmenetz eingespeist und zur Abdeckung von Leistungsspitzen verwendet. Investiert wurden vier Millionen Euro, das Land Steiermark sowie der Klima- und Energiefonds haben eineinhalb Millionen Euro zugeschossen. Ca. 500 Tonnen CO² sollen pro Jahr eingespart werden. Generalunternehmer waren Arcon-Sunmark und Swietelsky.

 

BIG solar wird halbiert
Die dänische Arcon-Sunmark, beziehungsweise deren Konzern-Mutter VKR-Holding, zu deren Portfolio auch Velux gehört, wird auch bei „BIG Solar“ Konsortialpartner sein. Dabei handelt es sich um ein richtig großes Solarprojekt. Auf einer Grundfläche von 55 Hektar südlich des Grazer Flughafens zwischen Pyhrnautobahn und Eisenbahn sollen 222.000 m² Kollektorfläche aufgestellt werden, der ursprünglichen Planung zufolge sollten es rund 450.000 m² auf 65 Hektar sein. Die dort produzierte Wärme soll in einem dreiteiligen Speicherbecken mit rund 900.000 m³ Fassungsvermögen gespeichert werden, was ebenfalls der Hälfte des alten Projektes entspricht.

Das Heißwasser soll direkt in die vorbeilaufende Fernwärmeleitung eingespeist werden, bzw. bis in den Winter hinein in die isolierten Speicherbecken. Bei Arcon-Sunmark rechnet man mit einem Wärmeverlust von nicht mehr als fünf bis sechs Prozent, wie Vorstandschef Torbin Sørensen einer Delegation von steirischen Landespolitikern erklärte. Sie waren kürzlich nach Dänemark gereist, um nach einer Besichtigung des Referenzprojektes Silkeborg das Unglaubliche zu glauben.

Als Jahresertrag der Großanlage werden rund 130 GWh Wärme angestrebt, was sich gegenüber 450 GWh, die noch Ende 2016 genannt worden waren, ziemlich bescheiden ausnimmt. Allerdings wurde damals auch noch von einer Wärmepumpe „mit einer Wärmeleistung von 100 MW“ gesprochen, wie Solid-Geschäftsführer Christian Holter dem Autor erklärte. Von dieser ist nun mehr keine Rede mehr.

Rund 100 Millionen Euro soll die Anlage kosten, was gegenüber der Machbarkeits-Studie ebenfalls eine Halbierung bedeutet, aber – deren Finanzierung ist noch nicht gesichert. Estag-Vorstand Martin Graf erwartet sich nämlich vom Bund „20 Prozent bis 30 Prozent Förderungen“. Und Estag-Eigentümervertreter Michael Schickhofer (SPÖ), Vize-Landeshauptmann, ergänzte in der Kleinen Zeitung sogleich: „Die Fernwärme muss leistbar bleiben, es soll keine Preissteigerungen über die Inflation geben“. Angeführt wird das Konsortium von der Energie Steiermark (Estag), die zusammen mit Christof Industries, Solid und eben Arcon-Sunmark schon im Herbst mit der Einleitung des Genehmigungsverfahrens starten will.

Eine UVP ist angeblich nicht notwendig.

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