OMV nimmt erneut grünen Anlauf

Der Öl- und Gasriese kooperiert im Energy Bereich mit Start-ups und Technologie-Vorreitern. Das war auch schon 2006 der Fall.

Ende 2006 verkündete die OMV die Gründung ihres Future Energy Funds. In den Jahren danach gab es diverse Projekte und irgendwann ist der OMV die Lust an den Erneuerbaren wieder vergangen. Nun gibt es einen Neustart. „Die OMV befindet sich in einem wichtigen Wandel mit dem Ziel bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden. Rund 40 Prozent der geplanten jährlichen Investitionen des Konzerns zur Unterstützung des organischen Wachstums sind für nachhaltige Projekte vorgesehen“, so eine Aussendung. Bis 2030 sind rund 5 Milliarden Euro an Investitionen in Projekte wie kohlenstoffarme Geothermie, Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) und weitere Lösungen für erneuerbare Energien vorgesehen.

„Wir haben vor zwei Jahren einen eigenen Low Carbon Business Bereich gegründet, der seitdem sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene deutlich an Dynamik gewonnen hat“, sagt Beri Gašo, OMV Executive Vice President Energy. „Die Energiewende braucht die klügsten Köpfe. Daher freuen wir uns mit spannenden Start-ups und renommierten Institutionen zusammenzuarbeiten, um neue Wege zur Reduktion von Emissionen und nachhaltige Energielösungen zu entwickeln.“ Ganz ähnlich, nur bescheidener klang die Botschaft vor nunmehr 18 Jahren.

Closed-Loop-Geothermie

Um das Grüne nun wieder voranzubringen hat die OMV einen Anteil von 6,5 Prozent an der kanadischen, in Privatbesitz befindlichen Eavor Technologies Inc. („Eavor“) für 34 Millionen Euro erworben. Eavor ist der weltweit führende Entwickler von Closed-Loop-Geothermielösungen. Darüber hinaus haben die OMV und Eavor eine kommerzielle Vereinbarung über den großflächigen Einsatz der Eavor-Loop-Technologie™ in Europa und darüber hinaus getroffen. Die Technologie von Eavor basiert auf einem geschlossenen Kreislaufsystem, das tief unter der Erde installiert ist. In einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert ein Arbeitsfluid zwischen oberirdischem und tiefem Untergrundgestein, wodurch es sich erwärmt. Da Eavor Loop wirklich skalierbar und in verschiedenen Arten von geologischen Strukturen anwendbar ist, wird es der OMV ermöglichen, Wärmelösungen für Fernwärmenetze außerhalb der normalen hydrothermalen Gebiete anzubieten und damit ihr bestehendes Portfolio an hydrothermalen Projekten zu ergänzen.

Energiewende mit Start-ups und Tech-Firmen

Die OMV arbeitet mit Plug and Play zusammen, einem Zentrum für Innovation und Unternehmertum, das Start-ups mit Unternehmenspartner:innen, Investor:innen und Ressourcen verbindet. Im Kern der Zusammenarbeit engagiert sich die OMV aktiv am Innovationsprogramm von Plug and Play, das einen strukturierten und effizienten Weg bietet, um eine ausgewählte Gruppe vielversprechender Start-ups zu entdecken, zu bewerten und in sie zu investieren.

Vom Reißbrett bis zur Umsetzung

Die OMV kündigt für die nächsten fünf Jahre Forschungsgelder in Höhe von rund sechs Millionen US-Dollar für Forschungsteams der Stanford University an. Diese Förderung baut auf einer seit zehn Jahren bestehenden Zusammenarbeit mit diesen Wissenschaftler:innen auf. Es ist ein bedeutender Schritt für die OMV bei der Entwicklung von KI-gesteuerten Werkzeugen, die auf nachhaltige Lösungen abzielen. Zu den bemerkenswerten Errungenschaften dieser Unterstützung gehört die Entwicklung eines intelligenten KI-basierten Entscheidungswerkzeugs zur Optimierung von Entwicklungen in den kohlenstoffarmen Geschäftsbereichen. Es ist nicht nur in der Lage, CO2-Injektoren strategisch zu positionieren, sondern auch die effektivsten Überwachungstechniken auszuwählen. Diese Innovation ist der Schlüssel, um ein Höchstmaß an Sicherheit bei der langfristigen CO2-Speicherung zu gewährleisten.

Mit der Zusammenarbeit mit Hycamite, einem finnischen Start-up in der emissionsfreien Pyrolysetechnologie, hat die OMV Zugang zu einer Technologie, die den Übergang zu einem kohlenstoffarmen Geschäft erheblich unterstützen kann. Die Hycamite-Technologie zerlegt Methan in seine Bestandteile Wasserstoff und Kohlenstoff, ohne Treibhausgasemissionen freizusetzen.

Die OMV entwickelt und testet weiters innovative Technologien für Carbon Capturing (CC), die nun in einem Pilotprojekt getestet werden sollen. Gemeinsam mit Brusche Process Technology, einem niederländischen Spezialisten für Planung und Bau innovativer nachhaltiger Prozessanlagen, wird eine mobile Pilotanlage zur Kohlenstoffabscheidung gebaut, um diese vielversprechenden Technologien für eine zukünftige Anwendung in großem Maßstab an verschiedenen OMV Standorten zu testen.