Vermessene Solarhäuser

Seit 2014 werden Solarhäuser messtechnisch untersucht. Durchschnittlich werden 66 % des jährlichen Heizungs- und Warmwasserbedarfs durch Kollektoren gedeckt.

Zwischen 2014 und 2019 förderte der Klima- und Energiefonds den Bau von mehr als 100 Solarhäusern. Förderwürdig waren Ein- und Zweifamilienhäuser, die mindestens 70 % des jährlichen Heiz- und Warmwasserbedarfs mit der Sonne decken und einen jährlichen Heizwärmebedarf von maximal 35 kwh/m² aufweisen. Bei der Bauweise fanden sich Massivhäuser mit wassergeführten Scheitholzkesseln zur Nachheizung, ebenso wie Leichtbauhäuser mit Lüftungsanlage und Wärmepumpe. Von den geförderten Häusern wurde bei ausgewählten Objekten die Haustechnik detailliert vermessen. Für 19 Häuser ist dieses einjährige Monitoring durch AEE Intec abgeschlossen.

Gute Kollektorerträge, höherer Wärmebedarf

Die Kollektorflächen der bisher vermessenen Gebäude liegen zwischen 17 und 77 m². In mehr als 60 % der 19  Gebäude überschritt der spezifische Solarertrag die Prognose. Im Mittel wurden 312 kWh Solarwärme pro m² Kollektorfläche erzeugt. Allerdings ergab die Begleitforschung bei vielen Gebäuden einen erheblich höheren gemessenen Wärmebedarf als prognostiziert. Einen wesentlichen Grund macht Projektleiter Walter Becke bei den Raumtemperaturen aus: „Wir haben im Winter im Mittel 23 °C in den Wohnräumen gemessen, während bei den Berechnungen für den Energieausweis eine Raumtemperatur von 20 °C vorausgesetzt wird“, erklärt er. Folglich brauchen zehn von den bereits vermessenen Wohngebäuden 20 % mehr Energie zum Heizen, drei Projekte sogar 50 % mehr. In diesen Fällen kann selbst bei guten Solarerträgen aus den Kollektoranlagen die geplante solare Deckung nicht erreicht werden.

Bauteilaktivierung ermöglicht hohe solare Deckung

Speicher sind essentiell, um hohe solare Deckungsgrade zu erreichen. Es haben sich zwei Speichersysteme auf dem Markt etabliert: klassische Wasser-Pufferspeicher und die thermische Bauteilaktivierung. Bei der zweiten Variante fließt die Solarwärme durch ein Rohrregister, das während des Baus in der Bodenplatte oder in der Zwischendecke verlegt wurde, und erwärmt den umliegenden Beton. „Ein spannendes Projekt für Bauteilaktivierung ist das Solarhaus Westreicher in Tirol, das durch sein einfaches technisches Energiekonzept besticht“, erklärt Becke. Im Vollbeton-Erdgeschoss sind Boden- und Zwischendecke aktiviert, mit rund 55 m³ Beton. Es reichen 17 m² und 950 Liter Pufferspeicher für einen solaren Deckungsgrad von 77 % im Monitoringjahr (siehe Abb. 3). Im gesamten Wärmeversorgungssystem ist nur eine einzige Pumpe verbaut – die Solarkreispumpe.

Zu den Spitzenreitern der vermessenen Gebäude gehört das Wohnhaus der Familie Wieder, die sogar vollständig mit der Sonne heizt und duscht. Hier arbeiten 40 m² Kollektorfläche, 31 m³ Pufferspeicher und 116 m³ Bauteilaktivierung zusammen, um zukunftsweisendes, emissionsloses Wohnen zu ermöglichen.

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