Unter Palmen

Duschkabinen und Duschabtrennungen sind das Universum der Firma Palme aus dem Innviertel. Mit 220 Mitarbeitern und einem Exportanteil von etwa 50 Prozent ist das Familienunternehmen ein Fixstern, wenn es um Sonderlösungen im Nassbereich geht.

Jechtenham ist ein Dorf, wie es sie auf dem Land viele gibt. Es besteht aus einigen wenigen Häusern und Scheunen, es gibt keine Kirche, keinen Bäcker und auch kein Gasthaus. Der Ort liegt nah an Taufkirche an der Pram im Innviertel. Hier wurde in früheren Zeiten Öl gefördert, und seit etwa zehn Jahren prägt die von Dietmar Feichtinger Architectes geplante Hauptschule samt Turnsaal den Ort mit. Früher gab es auch in Jechtenham ein Gasthaus, betrieben von den Großeltern des heutigen Palme-Eigentümers Ralph Christian Prader. Sein Vater war Schlossermeister und begann zu Beginn der 70er-Jahre mit der Fertigung von Duschabtrennungen. Damals als Familienunternehmen unter dem Namen Lido. Inzwischen ist die Familie ziemlich groß geworden. Das Unternehmen beschäftigt in Summe rund 220 Mitarbeiter, die meisten davon arbeiten am Standort Jechtenham, wo auf einer Fläche von rund 20.000 m² gefertigt wird. Dort werden auch neue Produkte und Patente entwickelt für Duschabtrennungen, Sanitärtrennwände sowie für Raumtrennwände. Neben dem Heimmarkt, wo etwa die Hälfte der Produktion verkauft wird, ist Deutschland ein wichtiger Markt. Dort sind 25 Außendienst-Mitarbeiter für Palme unterwegs. Auch in Norwegen hat man seit einigen Jahrzehnten einen verlässlichen Partner, und seit 2018 gibt es ein Tochterunternehmen in Tschechien.

Das jüngste von Palme entwickelte Duschen-Modell nennt sich „Tube“ und wurde eben auf der ISH einem breiten Publikum präsentiert. Es ist die erste Dusche, die der Hersteller gemeinsam mit einem Designer kreiert hat. Mit Erfolg, denn die von Martin Ballendat entworfene Dusche wurde gleich mit dem „Design-Plus-Award“ der ISH ausgezeichnet. Wie Firmenchef Prader erklärt, handelt es sich bei „Tube“ um eine Generationendusche, die eine lange Nutzung und Umnutzung ermöglicht. Das tragende und formgebende Gestänge dient als Halterung für die Babybadewanne ebenso wie für den Duschsitz für gebrechliche Personen. Im nächsten Schritt sei es wichtig, dass das neue Modell in die Ausstellungen des Großhandels komme, denn dort falle die Kaufentscheidung. Die Nachfrage bei den Produktpräsentationen in Wels und Frankfurt war auf jeden Fall vielversprechend, für zahlreiche Ausstellungen wurde bereits eine Tube geordert, so Prader. Insgesamt sei man bemüht, mit Qualität, Langlebigkeit und Montage- und Reinigungsfreundlichkeit zu punkten, erklärt der Unternehmer. Die Billigprodukte habe man bewusst vernachlässigt, weil man in diesem Segment nicht mithalten will.

Sehr zurückhaltend ist der sportliche Mann, der in der Freizeit gerne zum Rad greift oder die Wanderschuhe anzieht, mit Zahlen. Aus Tradition nennt man bei Palme keinen Umsatz. Branchenkenner schätzen, dass das Unternehmen mit der Bearbeitung von Glas, Alu und Stahl um die 30 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet. Konfrontiert damit, lacht Prader, und man weiß eigentlich nicht recht, ob die Schätzung zutrifft oder nicht.

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