Runderneuerung für Rundhallen

Die sechs kreisrunden System-Sporthallen in Wien müssen runderneuert werden. Ziele sind eine höhere Funktionalität, Energie-Einsparungen und ein modernes Erscheinungsbild. Die Halle in Wien-Kagran dient als Pilotprojekt.

Die sechs runden System-Sporthallen, in denen seit den 70er-Jahren ein erheblicher Teil des Wiener Sportbetriebes abläuft, werden generalsaniert. Begonnen wird mit der Halle in der Steigenteschgasse in Wien-Kagran. An diesem Bauwerk soll, gleichsam als Prototyp, demonstriert werden, wie die Transformation in eine „neue“ Halle mit den Möglichkeiten für mehr Sportarten als bisher funktionieren wird – und das mit 30 Prozent wenigernEnergieverbrauch. Dank einer neuen Gebäudehülle wird die Halle ein komplettnneues Erscheinungsbild bekommen, dasmsie zu einer Landmarke machen soll. Fertig sein soll der Umbau im Herbstnkommenden Jahres, kostenseitig sind für die Neugestaltung rund 6,5 Millionen Euro veranschlagt.

Für die Planung der Generalsanierung ist die Wiener Raumkunst ZT GmbH von Architektin Christine Diethör und Architekt Harald Fux verantwortlich. Sie haben einen EU-weiten Architektenwettbewerb gewonnen. Vermutlich aufgrund der sehr speziellen Thematik habe es nur sechs Teilnehmer gegeben, erklärt Architekt Fux gegenüber Building Times. Er verfügt aufgrund zahlreicher einschlägiger Sportstätten-Projekte über einen gewissen Wissensvorsprung. Und für die Statik, die Bauphysik und die Haustechnik arbeitet das Büro mit RWT Plus aus der Woschitz-Gruppe zusammen, erzählt Fuchs.

Tauglich für alle Ballsporthallen

Die Kagraner Halle wird derzeit von den Basketballern der Vienna Timberwolves, dem Wiener Gewichtheberverband und den Judoka des WAT Stadlau genützt und wird durch die geplante Erneuerung des Daches auf eine Innenhöhe von neun Metern gebracht, was sie auch für Volleyball, Handball und Basketball tauglich machen wird. „Das war in den 70er-Jahren eine Systemhalle, die damals häufig gebaut wurde, beispielsweise eine auch in Villach, vor allem aber in Deutschland“, hat Fux, dessen Büro sich gerade in der Vorentwurfs-Phase befindet, ermittelt. „Derzeit sind eine relativ schwere Deckenheizung, eine Luftheizung, vom Dach, einer Blechmembran, abgehängt sowie die gesamte Energiezentrale“, erläutert Fux, der das System entscheidend umbauen wird. „Die bestehende Dachkonstruktion wird gegen eine Stahlträgerkonstruktion getauscht, die durch die zur Mitte hin ansteigende Form die Niederschlagswässer ableiten und durch opake, transluzente Lichtkuppeln am Rande des Daches eine natürliche Belichtung ermöglichen wird.“ Die neue abgehängte Decke werde nicht nur die Akustik in der Halle verbessern, sondern auch Beleuchtungs-Elemente und eine Deckenstrahlheizung tragen, ergänzt der Architekt. Die Strahlungsheizung wird an den bestehenden Fernwärme-Anschluss angeschlossen. Das Heizsystem sowie die übrigen Heizanlagen, etwa die Radiatoren in den Umkleideräumen, bleiben im Bestand.

Fux wird einen einzigen Luftraum für die Trainings- und Veranstaltungshalle schaffen, die Hallenfläche von 42 mal 26 m für Trainingszwecke aber dreifach teilbar machen. Um auch den künftig in der Steigenteschgasse ausgeübten Sportarten zu entsprechen, wird ein „mischelastischer Boden für alle Ballsporthallen“ verlegt und das Training der Gewichtheber wird in Zukunft in den Zuschauer-Foyers stattfinden. „Die Abtrennung der Trainingsplattform von der Sporthalle verbessert die akustische Qualität entscheidend“, sagt Fux, und auf der abgetrennten oberen Ebene würden fix montierte Sportgeräte wie Seile und Ringe untergebracht, wodurch die große Halle klar als Ballsporthalle gebrandet werde.

Neue Gebäudehülle über der Tragkonstruktion

Eine besonders wirkungsvolle Maßnahme zur Energie-Einsparung wird die Verlegung der bestehenden Primär-Tragkonstruktion aus Stahlbeton nach innen sein. Gleichzeitig wird nach Neubau-Standard gedämmt und die neue Gebäudehülle außen aufgebracht. Sie wird aus drei einander überlappenden Ringen bestehen, deren Zwischenräume für eine einfache Be- und Entlüftung der Halle mittels Klappen genutzt werden. Damit sei auch eine Nachtkühlung ohne großen technischen Aufwand möglich, so der Planer. Und: Die neue Gebäudehülle wird lichtundurchlässig sein, was dem blendfreien Hallenbetrieb nützt.

Die Belüftung im Trainingsbetrieb könne ohne zusätzliche mechanische Zu- und Abluftanlage bewerkstelligt werden, sodass die mechanische Belüftungsanlage nur für den Veranstaltungsbetrieb ausgelegt werden müsse. Das spare im Regelbetrieb hohe Betriebskosten, erläutert Fux. Die Zuluft werde unter anderem mit einer Quelllüftung im Sockelbereich, die Entlüftung über das Dach geführt und die Zu- und Abluftleitungen für die Tribüne werden zwischen den Dachträgern und der abgehängten Decke zu liegen kommen. Die zentrale Lüftungsanlage wird auf dem Dach sitzen, ergänzt der Architekt, und die geplante Photovoltaik-Anlage vermutlich mit einem Speicher ausgestattet werden.

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