„Planung um 30 Prozent billiger“

Der Tiroler Bauunternehmer Anton Rieder ist einer der Pioniere der BIM-Anwendung in der Bauwirtschaft. Im Building Times-Interview erläutert er, wieso er bei Generalplanungs-Aufträgen um 30 Prozent billiger anbieten kann als marktüblich – und trotzdem verdient.

Er ist Vorreiter und Profiteur. Und trotzdem lässt der Baumeister in Sachen BIM nicht locker. Um künftig die Dimensionen Zeit, Kosten und Facility Management in den Griff zu kriegen, leistet er sich zwei Mitarbeiter, die sich reintigern.

INTERVIEW: Anton Rieder

Building Times: Herr Rieder, Sie gelten als einer der Pioniere der BIM-Einführung in der gewerblichen Bauwirtschaft. Wann haben Sie mit Building Information Modeling begonnen?

Anton Rieder: 2009 haben wir mit einem ebenfalls in Kufstein ansässigen Planungsbüro begonnen, uns mit BIM zu beschäftigen. Die haben dann auch gleich zwei Unternehmen gestartet.

Building Times: Und Sie?

Anton Rieder: Wir haben BIM 2011 im Betrieb eingeführt und sind einer der wenigen Totalunternehmer in Österreich, der nach der neuen BIM-Norm baut.

Building Times: Wie ist es dazu gekommen?

Anton Rieder: BIM ist ja nicht ganz unkomplex, weshalb wir uns erstens für ein System ohne Schnittstellen entschieden haben, also für Architektur, Tragwerksplanung, usw. Innerhalb von Rieder arbeiten wir schnittstellenfrei. Zweitens haben wir es mit Architekten, Statikern, usw. versucht und schließlich eine 20-köpfige BIM-Mitarbeiter-Mannschaft aufgebaut. Das sind lauter Fachplaner, sodass wir keine auswärtigen Fachplaner mehr brauchen.

Building Times: Das war aber noch nicht alles?

Anton Rieder: Nein, denn wir haben einerseits für uns einen eigenen Standard eingeführt und andererseits im Sommer 2019 in einem Neubau auf rund 600 m² ein digitales Kompetenzzentrum eröffnet, eine Art Live-Lab für die Baustelle und konkreter für CAFM und BIM.

Building Times: Mit welchem Ergebnis?

Anton Rieder: Mit dem Effekt, dass wir so weit sind, dass wir dann, wenn ein Generalplaner-Auftrag kommt, die Planung um 30 Prozent billiger als marktüblich anbieten können – und trotzdem Geld verdienen.

Building Times: Was ist BIM für Sie?

Anton Rieder: Ein Effizienz-Tool. Auf der Baustelle stehen wir damit allerdings noch ganz am Anfang. Für die Baustellen-Arbeit braucht es noch technischen Service, also BIM 4D, BIM 5D, das sind „Zeit“ und „Kosten“. Das Facility Management ist dann 6D. Wir haben darauf zwei junge Leute angesetzt, die sich da voll hineinknien.

Building Times: Für das BIM basierte Facility Management haben Sie ja soeben eine Tochtergesellschaft gegründet?

Anton Rieder: Die Rieder Technology GmbH, die Unternehmensberatung, insbesondere im Bau- und Baunebengewerbe und die Entwicklung von Bautechnologie- spezifischen Branchenlösungen anbietet.

Building Times: Ist die bereits aktiv?

Anton Rieder: Wir haben gerade den ersten Auftrag in Arbeit. Für die von uns in einer Arge mit der Porr als Generalunternehmer gebaute HBLFA Rotholz, einen Holz-Hybridbau, erarbeiten wir jetzt CAFM.

Building Times: Und wie soll es weitergehen?

Anton Rieder: 2025 wird nur mehr modellbasiert gearbeitet werden. Die Baustelle ist aber noch die größte Lücke.

ZUR PERSON:

Anton Rieder, Jahrgang 1969, ist seit 2002 Geschäftsführer der Riederbau-Gruppe in Schwoich bei Kufstein (Tirol), deren Ursprünge auf 1956 zurückgehen. Rieder ist unter anderem Vizepräsident der WKO und Präsidiumsmitglied der WK Tirol.

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