Massiver Sparbau

Für den Salzburger Baustoffhersteller Leube planen Architekt Georg Scheicher und Harald Kuster in Grödig ein Bürogebäude mit 7.500 m². Die Heiz- und Kühlkosten werden mit 7.500 Euro im Jahr veranschlagt. Das „Muster“ – Blue Living, ebenfalls in Grödig – wird gerade fertig.

Wir planen ein dreigeschossiges, T-förmiges Bürohaus anstelle unseres bisherigen Verwaltungsgebäudes im Grödiger Ortsteil St. Leonhard mit 7.500 m² Nutzfläche für 500 Mitarbeiter samt einer Tiefgarage mit 140 Stellplätzen“, erklärt Rudolf Zrost, Geschäftsführer der Zementwerk Leube GmbH, im Gespräch mit Building Times und fügt hinzu: „Wobei wir mit Heiz- und Kühlkosten von 7.500 Euro pro Jahr rechnen.“

Ein Großteil der Fläche soll an Skidata vermietet werden, danach soll auch noch ein weiteres Gebäude für die Leube-Verwaltung errichtet werden. Noch stehen allerdings die bisherigen drei Bürogebäude, weshalb der Baustart spätestens im Juli 2021 erfolgen soll. Für Ende 2022/Anfang 2023 ist der Einzug geplant, die Bauverhandlung ist jedenfalls bereits im April absolviert worden. Wobei die Vorgaben von Zrost ganz klar sind: „Ausschließlich mineralische Baustoffe, Bauteilaktivierung und zu 100 Prozent recyclefähig.“

Zrost ist auch bekannt als Motor der Salzburger Arge „Nachhaltige Bauteil-Aktivierung“, die seit 2012 besteht. Die geradezu lächerlich gering erscheinenden Heiz- und Kühlkosten von einem Euro pro Quadratmeter und Jahr sollen vor allem durch Bauteilaktivierung erreicht werden, wie der Anifer Fachplaner Harald Kuster (FIN – Future is Now) ausführt: „Wir sind mitten in der Planung für den Gemeinschaftsbau mit Skidata. Wir rechnen mit rund 7.500 m² Fläche, die wir neben der Bauteilaktivierung mit einer Photovoltaik-Anlage ausstatten werden. Diese soll die gesamte Haustechnik versorgen, also die Wärmepumpenanlage, Lüftung, Heizung, Kühlung und Warmwasser“, so Kuster. Da die Planung gerade im Laufen ist, stehen Größe und Leistung der PV-Anlage noch nicht fest.

„Wir arbeiten mit Leube schon seit vielen Jahren zusammen und haben viele Gebäude mit Bauteilaktivierung realisiert: In Salzburg und Wien rund 15 Großprojekte, darunter die Rot-Kreuz-Zentrale in Korneuburg, die Funsporthalle am Eisring Süd, 28 Reihenhäuser und 24 Wohnungen in Wolfsbrunn bei Schwechat, die mit Überschuss-Windstrom versorgt werden und Gegenstand eines Forschungsprojektes sind, usw.“ Gleichzeitig beobachtet der alternative Haustechnik-Planer, dass das Thema Bauteilaktivierung in den letzten zwei Jahren explodiert ist.

Weiter mit der Planung als Kuster ist schon der Adneter Architekt Georg Scheicher (Architekten Scheicher ZT GmbH). Er hat bereits Renderings des kommende Bürogebäudes. Der Bau liegt direkt am Almkanal, weshalb sich Scheicher, wie er sagt, die Genehmigung für einen Brunnen erwartet. „Sechs Liter Wasser pro Sekunde bedeuten 120 kW Heizwärmelast und eine sehr hohe Kühllast. Wir brauchen dann nur mehr die Pumpenergie. Die Lüftungsanlage wird nämlich die Luftwechsel mechanisch durchführen, und wir nutzen sie auch zur Wärmerückgewinnung.“ Eine zentrale Abluft-Wärmepumpe mit 20 Grad und einer Vorlauftemperatur von 25 Grad sollen sich als Energie-Sparschweine erweisen. Klarerweise werden die Beton-Fertigteile schon vorinstalliert eingebaut werden. Scheicher hat viele einschlägige Erfahrungen mit der Energie-Einsparung durch Bauteilaktivierung, und just in diesen Tagen Anfang Mai ist das von ihm geplante Wohnobjekt „Blue Living 1“ fertig geworden. Der Bau liegt am Fuß des Untersberges in Grödig und umfasst neun Wohnungen, die nach dem Prinzip „Cradle-to-Cradle“ errichtet wurden. Scheicher nennt es ein Demonstrations-Objekt, was Leube-Chef Rudolf Zrost unterstreicht: „Wir wollten zeigen, wie einfach man heute bauen kann, wie einfach man mit mineralischen Baustoffen bauen kann. Da wir dafür keinen Bauträger gefunden haben, sind wir selbst einmalig zum Projektentwickler geworden. Wir haben aber nicht vor, in Zukunft in dieser Funktion aufzutreten.“

Leube Baustoffe habe nach Zrosts Worten im Vorjahr 95 Millionen Euro Umsatz erzielt, für heuer wird eine kontinuierliche Umsatzsteigerung erwartet und ein ähnlich gutes Jahr wie 2018. „Wir haben im Vorjahr 600.000 Tonnen Zement verkauft, 600.000 Tonnen Sand, 400.000 Kubikmeter Transportbeton und 100.000 Tonnen gebrannten Kalk. Der Gewinn war sehr zufriedenstellend und ist dank Sondereffekten auch gestiegen“, ist Rudolf Zrost sehr zufrieden.

Zurück zu Blue Living 1, dessen Ausstattung Architekt Scheicher für Building Times anschaulich beschreibt: „Wir heizen und kühlen über die Decke und nicht über den Boden. Dafür verwenden wir eine Filigran-Decke, die ohne Schalung auskommt und durch eine sieben Zentimeter starke Betonscheibe ersetzt wird. Darauf kommt dann Ortsbeton. Das Mauerwerk ist zweischalig, innen sieben Zentimeter stark, dann kommen 30 Zentimeter Hohlraum, der mit einem Einblas-Dämmstoff aus recycliertem Glas gefüllt wird (Stichwort mineralische Baustoffe) und schließlich die sechs Zentimeter starke Beton-Außenschale. Deshalb reden wir von ‚voll mineralisch‘.“ Für die Situierung der Heiz- und Kühlschlangen im Beton ist man so sehr ins Detail gegangen, dass am Institut für Hochbau der TU Graz unter der Anleitung von Peter Kautsch eine Diplomarbeit erarbeitet wurde. Ergänzt wird die haustechnische Ausstattung durch den erstmaligen wirtschaftlichen Einbau von kompletten Sanitärzellen des steirischen Herstellers Insta-Bloc Sanitär-Elementebau GmbH (Haus im Ennstal). „Wenn man von günstigem Bauen redet, führt an solchen Fertiglösungen kein Weg vorbei, man muss nur die Planung darauf abstellen“, sagt Scheicher. Die gesamte Haustechnik-Planung hat Hartig Dax mit seiner Optiplan Ingenieurgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung und Energiewirtschaft GmbH in Seekirchen gemacht.

Auch Dax ist gegenüber Building Times natürlich zufrieden mit der Fertigstellung des Blue Living 1, noch dazu, weil er mit dem Vorläufer-Projekt mit gleicher Planer-Besetzung den Energy Globe 2016 in der Kategorie „Erde“ gewonnen hat und auch den Preis als „Innovatives Gebäude“. Dieses Projekt heißt „Zero Carbon Building“, es wurde von Architekt Scheicher geplant und von der Wohnbau-Genossenschaft Heimat Österreich in Niederalm bei Anif, nicht zufällig in der Leubestraße 6 + 8, 2014 fertiggestellt. Übrigens innerhalb der finanziellen Grenzen der Salzburger Wohnbauförderung. „Wir haben einen Hybridbau geplant mit einem Stiegenhaus aus Beton und Bauteilaktivierung für die Heizung, und für den Innenausbau wurden Stroh und Holz verwendet“, so Architekt Scheicher. Ziel des Projektes war es, ein Gebäude mit einem negativen Global Warming Potential zu errichten, was gelungen ist – der Bau sei über den ganzen Lebenszyklus gerechnet CO2-neutral.

Eine Photovoltaik-Anlage treibt Wärmepumpen von Nibe an, jeweils eine für zwei Wohnungen, die sich großteils aus der Abluft bedienen und laut Scheicher „eine sehr hohe Arbeitszahl“ erreichen. Im Gegensatz dazu soll es im „Skidata-Bürohaus“ eine zentrale Wärmepumpe geben, die jedoch ebenfalls über die Abluft mit rund 20° versorgt wird. Für das große Leube-Büroprojekt mit den niedrigen Heiz- und Kühlkosten sind rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Nach den bisherigen Erfahrungen scheint das Ziel von 7.500 Euro Heiz- und Kühlkosten pro Jahr durchaus realistisch zu sein.

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