Lüftung unter Druck

Die Installationsquote von Wohnraumlüftungen ist im Vorjahr leicht gesunken, die Hersteller-Umsätze sind um 4,0 Prozent gestiegen und Zentrale Zu- und Abluftanlagen tun sich schwer. Die KL Lufttechnik ist dafür der Branchen-Aufsteiger des Jahres.

Der Markt für Wohnraumlüftungen ist im Vorjahr zwar um 4,0 Prozent auf 52,6 Millionen Euro wieder gewachsen, hat aber noch längst nicht die Volumina von 2015 (54,3 Millionen Euro) oder gar 2014 (56,5 Millionen Euro) erreicht. Diese Zahlen (Hersteller-Umsätze) und die Entwicklung hat Branchenradar.com Marktanalyse im März erhoben. Alle von Building Times Befragten Firmenvertreter bestätigten das Zahlenwerk.

Insbesondere die steigende Nachfrage in Wien, Tirol und der Steiermark habe zu dem Umsatzplus geführt, während sich der Durchschnittspreis auf Warengruppen-Ebene seitwärts entwickelt habe, stellt Branchenradar fest. „Dabei wurde ein um nahezu acht Prozent tieferer Durchschnittspreis bei Zentralen Zu- und Abluftanlagen (ZAA) durch steigende Preise in allen anderen Produktgruppen kompensiert“, so die Marktbeobachter. Diese Entwicklung hinkt jedoch dem bauwirksamen Marktpotential hinterher, denn die Installationsquote ist bei Ein- und Zweifamilienhäusern um 0,6 Prozent zurückgegangen und im Geschoßwohnbau um 0,7 Prozent. „Als Resultat einer Förderpolitik, die vielerorts den verpflichtenden Einbau einer Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung nicht zwingend vorschreibt und die Förderungen mancherorts hierfür substanziell reduzierte“, liefert Branchenradar.com die Begründung. Die Nachfrage-Steigerung führte bei allen Anlagentypen zu Umsatzsteigerungen – nicht aber bei den Zentralen ZAA, die – preisbedingt – ein Umsatzminus von 1,8 Prozent hinlegten.

„Wir werden eine Million zulegen“ – Reinhard Kalch, KL Lufttechnik

Will man die Marktlage beim Verband KLA Komfortlüftungssysteme Austria verifizieren, bleibt ein laues Lüftchen. Die dort verbandelten dreizehn auf dem österreichischen Markt auftretende Hersteller haben eine Vereinbarung getroffen: „Wir geben keine Zahlen, Trends oder Marktdaten bekannt, weder als Verband noch als Plugitt. Wir haben da ganz klare Regeln“, sagt Jochen Sattelberger. Er ist „Präsident“ des Verbandes und im Brotberuf ist Sattelberger Vertriebsleiter der Plugitt GmbH, die so wie der Verband an der gleichen Adresse in Wels angesiedelt ist. Und dann gibt es ja auch noch den „Verein Komfortlüftung“, dem neben dem AIT, das in beiden Organisationen Mitglied ist, die AEE Intec, das IBO sowie mehrere Energieberatungs-Agenturen sowie zwei Einzelpersonen angehören.

 

Weiteres Wachstum bei Wernig

„Wir wachsen weiter“ Vertriebsleiter Gerald Jessernig von der Kärntner Johann Wernig KG gegenüber Building Times: „Insgesamt über alle Produktgruppen gesehen, um zumindest fünf Prozent, Umsatzzahlen nennen wir aber nicht“. Bei kontrollierten Wohnraumlüftungen stagniere der Markt bedingt durch den Kostendruck, bei Abluftanlagen wachse er. „Wir bieten alle Bereiche an, zentrale Lüftungsanlagen, die eine viel größere Rolle spielen, dezentrale, die einen geringen Anteil ausmachen und Außenwandgeräte sind, sowie Anlagen zur kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, die den stärksten Umsatzanteil haben“, so Jessernig.

Im mehrgeschossigen Wohnbau herrsche Kostendruck und der Einfamilienhaus-Bereich sei auch Förderungsgetrieben. „Speziell in Kärnten, wo man alle energetischen Anforderungen gestrichen hat. Die Einhaltung der OIB-Richtlinien ist hier unsere Forderung“. Oberösterreich hingegen sei ein relativ guter Markt für Wohnraumlüftungen, allgemein gehe die Tendenz aber zu Außenwandgeräten.

„Im Wohnbau sind wir in allen Lüftungsbereichen Marktführer und werden im Herbst eine Produkt-Neuentwicklung auf den Markt bringen, die Abluftanlagen betrifft, nicht aber Abwärmenutzung“, kündigt der Wernig-Vertriebsleiter an und schaut sehr zuversichtlich in die Zukunft: „Lüftungsanlagen kommen in jeden Wohnbau, deshalb sind die Aussichten in den nächsten Jahren eigentlich sehr gut“.

 

Hoval: „Recht positiv“

„Recht positiv“ sieht Christoph Steinhäusler den Markt für die Hoval Gesellschaft m.b.H. in Marktrenk, deren Produktportfolio anders strukturiert ist. „Wir haben Zentralanlagen nur im Kleinbereich. Diese Komfortlüftungs-Anlagen haben eine Luftleistung zwischen 100 m³/h und 450 m³/h. In Gewerbe und Industrie arbeitet Hoval sei 40 Jahren mit dezentralen Kompaktlösungen, deren Luftleistung bis 8.000 m³/h reicht. Damit kann eine Hallenfläche von ca. 800 m² versorgt werden. Bei größeren Hallen werden mehrere Geräte eingesetzt“, erläutert der Leiter des Produkt-Managements „Klimatechnik“ bei Hoval im Gespräch mit Building Times.

Aus fördertechnischen Gründen wachse der Lüftungsmarkt nicht im gleichen Ausmaß wie der Wohnbau, sagt Steinhäusler, der gleichzeitig festgestellt hat, dass aus finanziellen Gründen die Lüftung immer wieder gestrichen werde. Wobei ein Unterschied zwischen Miete und Eigentum bestehe: „Im privaten Bereich ist das Thema Lüftung viel konkreter als bei Genossenschaften“.

Dazu komme, dass die Energiekennzahlen einmal relativ streng gewesen, jetzt aber abgesenkt worden seien. „Und dass die Lüftung auf die Seite 2 des Energieausweises gewandert ist, war schon ein Streifschuss. Das ist sicher politisch gelenkt, denn auch die Förderungen gehen immer weiter zurück“, sagt Steinhäusler und fügt hinzu: „Wir sind in einer Zwischenphase, die sicher sehr spannend wird: Die Preise sind unter Druck, weil der Markt rückläufig war. Im Vorjahr war die Talsohle erreicht, die Stückzahlen steigen – aber die Preise bleiben unten. Wünschenswert wäre es, mehr Wert auf die Nutzer-Zufriedenheit zu legen“.

 

Frequenzumrichter von Danfoss

Eine immer größere Rolle spielen Frequenzumrichter in der Lüftungstechnik und eine ganz besondere Rolle spielt dabei Danfoss: Ca. 2,5 Millionen Stück des VLT® HVAC Drive FC102 Frequenzumrichters, der für die Gebäudetechnik entwickelt wurde, seien weltweit installiert, berichtet Martin Störmer, Key Account Manager B&I (Building & Infrastructure) bei Danfoss Drive gegenüber Building Times. „Wir haben für die variable Drehzahlregelung von Elektromotoren in der Gebäudetechnik ein mehrstufiges Geschäft: Da ist die Planerseite, die in der Gebäudetechnik auf einem relativ hohen Level ausschreibt. Dann die Regelungstechnik-Firmen und schließlich die Gerätehersteller. Unsere Spannweite reicht dabei von 1,1 kW bis 1,4 MW, in der Haustechnik gehen wir bis maximal 55 kW, in der Kältetechnik manchmal auch höher. Bei Pumpen und Lüftern ist fast jeder Motor Drehzahl-geregelt, in der Kältetechnik wird die Regelung immer öfter eingesetzt und es gibt ein großes Potential an ungeregelten Motoren“.

Seit dem 1. Jänner gebe es eine neue Bestimmung, die eine optische Anzeige für den Filtertausch vorschreibe, sagt der Experte und ergänzt: „Wir bieten eine neue Option, mit welcher der Umrichter auch die Filter-Überwachung übernehmen kann, durch eine Luftschleuse, die man am Frequenzumrichter anschließen kann. Deshalb setzen wir Benchmarks in dieser Branche“, stellt Martin Störmer fest.

„Wir setzen Benchmarks in der Branche“ – Martin Störmer, Danfoss

Aufsteiger des Jahres: KL Lufttechnik Aufsteiger des Jahres in der Lüftungsbranche ist zweifellos die KL Lufttechnik von Reinhard Kalch und Matthias Lemp, die seit März des Vorjahres in Kirchberg am Walde angesiedelt ist. Im Vorjahr, dem Jahr der Übersiedelung aus der Nähe von Krems ins Waldviertel, hat die KL Lufttechnik ihren Umsatz praktisch verdoppelt, und zwar auf rund 3,5 Millionen Euro. „Und heuer werden wir wahrscheinlich wieder eine Million Euro zulegen“, kündigt Reinhard Kalch im Building Times-Interview an. Wollte Tüftler Kalch vor nicht einmal zwei Jahren noch in den Direktvertrieb einsteigen, so hat er diesen „praktisch komplett aufgegeben. Nur noch drei Firmen werden direkt beliefert“. Denn die KL Lufttechnik hat bessere Alternativen an Land gezogen: „Bösch bezieht alle Anlagen bis 500 m³ von uns und bei Holter sind wir die Nummer 1, mit dem kompletten Programm. Für uns hat das einen Riesen-Vorteil, weil Holter die beste Logistik hat. Holter fährt jeden Tag bei uns vorbei und holt Ware ab“, ist Kalch überaus zufrieden, umso mehr, als er seit kurzem auch ein deutsches Unternehmen, beliefert, „das unsere Produkte mit seinem eigenen Branding verkauft“.

Ganz neu im Programm hat Kalch eine kombinierte Lüftungs- und Heizungszentrale, die er „KL Tower“ nennt und an die er große Erwartungen knüpft: „Die Aufträge für heuer machen weit über 200 Stück aus und da kommen noch die Fertighausfirmen dazu. Ideal ist das Gerät aus Daikin-Wärmepumpe und 9 kW-E-Patrone für Lüftung, Heizung, Speicherung und Kühlung für bis zu 150 m² Wohnfläche im Siedlungsbau und im Fertighausbau. Den KL Tower hat auch Holter im Vertrieb“, sagt Kalch. Und von den Fertighaus-Herstellern wolle er noch etliche gewinnen. Der 120 cm breite, 78 cm tiefe und 260 cm große Tower hat einen Listenpreis von 15.000 Euro „ohne Rabatt“ und sei für den Installateur extrem einfach. Zwei neue Großgeräte für das Gewerbe und den Geschoßwohnbau, KL 1800 und KL 2500, hat die KL Lufttechnik ebenfalls im Programm und auch bei Holter und zuguterletzt sind die KL-Geräte auch Loxone-tauglich. „Der Kunde kann sich die App von der Homepage downloaden“, sagt Reinhard Kalch. Wenn das kein Aufstieg ist.

 

 

 

 

1 Kommentar

Gustav Sucher:
10. Dezember 2018 um 08:29 Uhr

Hallo, bei solchen Temperaturextremen ist das auch kein wunder. Ich würde mir auch in das nächste Haus eine gute Klima mit einbauen. Die Sommer werden immer heißer und die Winter immer kälter. Danke für den Blog Post! https://www.brachtel-lufttechnik.at/

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