Kämpfer in Alu

Österreich-Geschäftsführer Michael Schuller hat Hueck mit Brandschutz gepusht. Nun möchte er mit seinem Team weitere Aluminiumkonstruktionen nachziehen.

Schlank, rank, schnell und verlässlich. Das sind die Lösungen, die Michael Schuller, Geschäftsführer der Firma Hueck Aluminium GmbH, für seine 40 Mitarbeiter ausgegeben hat. Mit zwei Außendienstmitarbeitern und ihm selbst beackert der Manager einen riesigen Markt. Neben Österreich betreut das Wiener Team auch Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Slowenien und Kroatien. Dafür legt der gebürtige Wiener selbst jährlich rund 80.000 Kilometer mit dem Auto zurück. Mit Erfolg, wie Schuller, der seit drei Jahren Geschäftsführer ist, nicht ohne Stolz erzählt. Sein Team wird das Ergebnis des Vorjahres, welches bereits das beste in der Geschichte von Hueck Wien war, heuer in etwa verdoppeln.

Das größte Asset bei Hueck Wien ist der Brandschutz, der nicht nur knapp die Hälfte des Umsatzes von rund 14 Millionen Euro einspielt, sondern auch als Türöffner fungiert. Deshalb werde in der Wiener Rossakgasse die Bestellung von zwei Brandschutztüren mit gleicher Sorgfalt abgearbeitet, wie ein Großauftrag, wie Schuller betont. Mit spektakulärer Architektur, die mit Architekturpreisen belohnt wird, kann Hueck in Wien nur punktuell aufwarten, damit hat Schuller jedoch kein Problem „Mitbewerb beflügelt uns, besser zu werden“, sagt er dazu amüsiert und erklärt: „Wir als Hueck stellen immer noch unsere Metallbau-Partner und ihre Sorgen im Alltagsgeschäft in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns“. Es sei ihm und seinem Team in den vergangenen drei Jahren gelungen mit Brandschutz in die Breite zu gehen, es gäbe kaum mehr weiße Flecken im Land. Wenn das nun auch noch mit anderen Produktgruppen gelinge, sei er sehr zufrieden, so Schuller.

Building Times: Derzeit wird sehr viel gebaut, besonders im Wohnbau gibt es kräftige Zuwächse. Beflügelt das auch Ihr Geschäft?

Schuller: Ja, unser laufender Einsatz für Dauerbelastungstests von Aluminiumkonstruktionen macht sich bezahlt. Studien der TU Wien und der MA 39 gehen von einer Lebensdauer von bis zu 60 Jahren bei unseren Alufenstern aus.

BT: In welchem Ausmaß profitieren Sie dann davon?

Schuller: Der Bereich Wohnbau hat starke Zuwächse. Damit verbunden wird auch unser Portfolio erweitert und das wiederum ist mit ständigen Prüfungen verbunden.

BT: Wird 2019 ein gutes Jahr oder ein Rekordjahr?

Schuller: Wir erwarten ein weiteres Rekordjahr: Wir haben 2018 unser bestes Ergebnis in der Geschichte von Hueck Wien erzielt und werden 2019 dieses Ergebnis nochmal verdoppeln. Diese Mittel möchten wir zur weiteren Optimierung unserer Dienstleistungen hinsichtlich Digitalisierung und Automatisierung sowie zur technischen Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verwenden. Und das nicht als Selbstzweck, sondern im Sinne unserer Metallbau-Partner.

BT: Kommt die Unterstützung für die Dienstleistung nicht aus Deutschland?

Schuller: Die Dienstleistung erbringen wir vor Ort. Wir haben hier am Standort eine Musterwerkstatt, wo wir unsere Prüfelemente herstellen. Dadurch verfügen wir über eine hohe Kompetenz auf Augenhöhe mit dem Metallbauer.

BT: Wo besteht der größte Optimierungsbedarf?

Schuller: Unser Ziel und unsere oberste Direktive ist und bleibt: 100 Prozent rechtzeitig, vollständig und in guter Qualität zu liefern. Dem ordnen wir fast alles unter. Das in Verbindung mit der Lösungskompetenz unserer Mitarbeiter während der Planungsphase und der Kundennähe während der Umsetzung sind die Basis unseres Erfolges.

BT: Hueck bietet Fenster- und Türsysteme, Fassadensysteme, Brandschutzsysteme und Schiebesysteme. Wie verteilt sich das hierzulande, was bringt am meisten Umsatz, was am wenigsten?

Schuller: Der Brandschutz ist unser Türöffner und unser umsatzstärkster Bereich mit rund 50 Prozent. Wir gelten seit 40 Jahren als Experten in Sachen Brandschutz in Aluminiumkonstruktionen. Seit 2016 sind wir übrigens bereit für die CE-Kennzeichnung und unterstützen auch in der CE-Thematik unsere Metallbau-Partner intensiv.

BT: Und Fenster und Fassaden?

Schuller: Auch hier sind wir gut aufgestellt und verfügen mit unserer WS/DS 075 über ein topmodernes Fenster- und Türensystem. Und, was bemerkenswert ist, wir haben ein Schallschutzfenster, das auch in geöffnetem Zustand schalldämmend wirkt. Im Bereich der Fassaden kommt Anfang 2020 unsere neu entwickelte Fassadenkonstruktion auf den Markt.

BT: Auf der Bau in München wurden zuletzt einige neue Produkte präsentiert. Gibt es in Österreich schon Projekte, wo diese Innovationen zum Einsatz kommen?

Schuller: Ja, unsere Weiterentwicklungen werden laufend in unseren Systemen in den Markt gebracht. Vor allem Kombinationen aus Brandschutz und Sicherheit sind sehr gefragt. Konkrete Projekte möchte ich hier aber nicht nennen, dazu bräuchten wir das Einverständnis der Bauherren.

BT: Was ist das derzeit spektakulärste oder umfangreichste Projekt in Österreich?

Schuller: Wir liefern Komponenten in nahezu allen Großprojekten. Spektakulär ist jedoch jeweils die nächste Bestellung – jeder Auftrag verdient größtmögliche Sorgfalt. Spektakulär ist jedoch vor allem mein Team, auf das ich sehr stolz bin. Meine Mitarbeiter – ob männlich oder weiblich – sind unser größter Schatz. Die enorme Kompetenz unserer Techniker, der persönliche Einsatz und die Freude an der Beratung, an der Betreuung, an der Vermittlung, an der Lösungsfindung im Tagesgeschwäft unserer Serviceteams sind einzigartig.

BT: Wie motivieren Sie ihr Team?

Schuller: Wir gehen unseren eigenen Weg – mit flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice, Firmenküche, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und einiges mehr. Wir setzen auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wir streuen gemeinsam Blumensamen auf unser Brachland für unsere Bienen. Das mag lächerlich klingen, ist es aber nicht, es verbindet uns und jeder Tag bietet eine neue Chance, das Richtige zu tun.

BT: Wer hat wie viel Anspruch auf Homeworking?

Schuller: Das wird individuell vereinbart. Wir bräuchten auch keine Stempeluhren. Wenn ich als Geschäftsführer nicht im Bild darüber bin, wem ich wie viel Arbeit übertrage, dass er ausgelastet ist, würde ich etwas falsch machen. Bei vierzig Mitarbeitern kann ich auf eine verschworene Einheit zählen.

BT: Der Klimaschutz ist ein Thema, das die gesamte Gesellschaft, also auch die Bauwirtschaft bewegt. Können Sie schon eine Hinwendung zu höherwertigen Produkten bestätigen?

Schuller: Ja, Aluminium hat eine sehr gute ökologische Bewertung. Bei gleichzeitig langer Lebensdauer und dauerhafter Wärmedämmung verbrauchen Alukonstruktionen weniger Energie und somit Heizkosten und verursachen geringere CO2-Emissionen. Im Vergleich zu Fenstern aus Verbundmaterialien haben wir die Nase vorne, das wird auch von Auftraggebern so gesehen.

BT: Das gilt für alle Bauherren?

Schuller: Das gilt eigentlich durch die Bank, Langlebigkeit ist Langlebigkeit, egal ob ein institutioneller Entwickler oder die öffentliche Hand baut, beide sehen die Vorteile. Am Ende des Lebenszyklus bleibt auch kein Sondermüll, sondern ein Recycling-Rohstoff.

BT: Das Recycling von Alu ist ein wichtiges Thema. Wie geht Hueck damit in Österreich um?

Schuller: Wir führen hundert Prozent des Aluminiumschrottes dem Recycling zu. Recycling von Aluminium bedeutet 95 Prozent weniger Energieaufwand und CO2-Emissionen als für die Gewinnung von Primäraluminium aufgewendet werden müsste.

BT: Ein großes Thema in vielen Kongressen, Lehrgängen und auch in den Medien ist BIM. Wie wird bei Hueck damit umgegangen?

Schuller: BIM ist ein Prozess, der Planung, Ausführung und Betrieb von Gebäuden bis zur Nachnutzung vereint. Die großen Bauunternehmen in Österreich erwarten sich Kosteneinsparungen um die 30 Prozent durch BIM im Bau. Eine Entwicklung, die wir beobachten. Wir sind mit BIM-Bibliotheken für die aktuellen Fenster- und Türserien darauf vorbereitet.

BT: Sie haben eine eigene Bibliothek?

Schuller: Ja.

BT: Wird das schon genutzt in Österreich?

Schuller: Da stehen wir noch am Anfang, ich bin aber überzeugt, dass der digitale Zwilling die Zukunft sein wird.

BT: Es gibt ja eine neue Tageslichtnorm. Ändert diese Norm die Planungen oder gehört reichlich Tageslicht heute ohnehin zum Standard?

Schuller: Die neue Norm hat nicht viel geändert. Wir verbringen bis zu 90 Prozent unserer Zeit in Gebäuden und Tageslichtplanung ist längst eine Grundlage im Gebäudeentwurf. Das ist nicht neu, ich komme aus der Glasindustrie und dort gibt es seit vielen Jahren diesen Trend. Die Materialeigenschaften von Aluminium ermöglichen es, hohe Traglast bei gleichzeitig beträchtlichen Glasdimensionen zu planen. Kurz gesagt, ermöglichen unsere Aluminiumkonstruktionen lichtdurchflutete Räume.

BT: In München gibt es ein städtisches Aluminium-Verbot. Fürchten Sie, dass weitere Städte – auch in Österreich folgen könnten?

Schuller: Nein, die Antwort liegt in der langen Lebensdauer von Bau-Aluminiumprodukten. Rund 75 Prozent des jemals produzierten Aluminiums sind noch immer in Gebrauch. In Europa werden mehr als 90 Prozent des in Gebäuden eingesetzten Aluminiums dem Recycling zugeführt.

BT: Das wissen die Münchner vermutlich auch, oder?

Schuller: Ja, wahrscheinlich. Ich fürchte so ein Verbot in Wien nicht, weil wir mit dem Aluminiumfenster-Institut erfolgreiche Lobbyingarbeit leisten. Wir haben hier eine weit liberalere und offenere Haltung zu Aluminiumprodukten, die eben Langlebigkeit und Nachhaltigkeit hervorstreicht.

BT: Ist das AFI nicht geschwächt? Es sind ja Mitglieder abhanden gekommen.

Schuller: Die Anzahl an Mitgliedern steigt wieder. Wir haben im AFI einen neuen Vorstand, der aus zwei erfahrenen Metallbauern und je einem Vertreter der beiden Aluminiumsystemhäuser Hueck Aluminium und AluKönigStahl zusammengesetzt ist. Hr. König und ich sind dort persönlich vertreten und können uns für die notwendige Lobbyingarbeit für die Branche sehr professionell abgrenzen, auch wenn wir uns am Markt als Mitbewerber nichts schenken.

BT: Sehen Sie noch Wachstumschancen?

Schuller: Die gibt es in jedem Segment. Mir ist aber das Ergebnis wichtiger. Für mich ist ganz klar, dass wir Geld verdienen wollen. Digitalisierung und Automatisierung kosten Geld, das ist keine Frage. Aber Wachstum, um des Wachstums willen, ist für mich keine Kategorie.

BT: Wo wollen Sie in fünf Jahren sein?

Schuller: Ich habe eine stabile wirtschaftliche und soziale Werteordnung und genügend Erfahrung, um bei einigen Überzeugungen keine Kompromisse zu machen: Wir leben Partnerschaft mit Kunden und Lieferanten und stellen Kundennutzen und somit auch Mitarbeiterentwicklung in den Mittelpunkt. Der wirtschaftliche Erfolg seit drei Jahren gibt uns und unserem konsequenten Weg der Partnerschaft recht. Solange wir unsere Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und Gesellschafter von diesem Weg überzeugen können, werden wir erfolgreich sein.

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