Gebuchte Pellets-Wärme

Die im Contracting betriebene neue Pellets-Heizanlage im Hotel Donauschlinge in Schlögen erspart rund 350 Tonnen CO2 pro Jahr. Wärme wird nur nach Bedarf geliefert, und die Installationskosten für die Hotelbetreiber waren gering.

Lange Zeit wurde das Vier-Sterne Seminar- und Wellnesshotel Donauschlinge durch zwei Ölkessel beheizt. Pro Saison wurden rund 100.000 Liter Heizöl verbrannt, was mit der jährlichen Emission von rund 350 Tonnen CO² verbunden war. Seit Beginn der heurigen Heizsaison ist alles anders: Ab sofort wird das Riverresort in der Schlögener Donauschlinge (OÖ) mit seinen 90 Zimmern und bis zu 200 Betten von einer Pellets-Heizanlage mit Wärme versorgt. Die Anlage steht nicht im Eigentum des Hotels, sondern wird vom oberösterreichischen Pelletskessel-Pionier ÖkoFen zusammen mit dem Installateurbetrieb Miesbauer aus Neustift im Mühlkreis im Rahmen eines Wärmeliefervertrages bereitstellt. Energybox nennt ÖkoFen die drei verputzten Stahlbeton-Container, die auf dem hoteleigenen Grundstück errichtet wurden. Einer der Container dient als Pelletslager, in den beiden anderen ist Heiztechnik verbaut. Dort wird jene Wärme erzeugt, die über eine Wärmeleitung in den Hotelkomplex gebracht wird. „Im ersten stehen ein KWK-Kessel, der auch Strom erzeugt, sowie drei herkömmliche Heizwertkessel und im zweiten Container stehen drei hocheffiziente Pellets-Brennwertkessel“, beschreibt ÖkoFen die Anlagen-Konfiguration. Die Steuerung der Anlage erfolgt über den Sollwert eines zentralen Pufferspeichers mit 3.000 Liter Inhalt, sodass nur jene Wärmemenge erzeugt wird, die auch tatsächlich benötigt wird.

Kaskaden-Schaltung

„In der Praxis läuft der KWK-Kessel als Grundlast-Kessel so viel wie möglich, bei größerem Wärmebedarf schaltet sich die Brennwertanlage dazu. Die drei Kessel laufen als Kaskade, was bedeutet, dass der Führungskessel alle 50 Stunden wechselt, damit alle drei Kessel gleichmäßig betrieben werden“, beschreibt Stefan Ortner, Geschäftsführer von ÖkoFen, die Wirkungsweise der neuen Anlage und ergänzt: „Als Spitzenlast- und Ausfallreserve agieren die Heizwertkessel, die ebenso in sich als Kaskade geschaltet sind. So erreichen wir eine perfekte Modulation, die sich optimal an den stark schwankenden Wärmebedarf des Hotels anpasst.“

Das Pellets-Lager hat 20 Tonnen Kapazität und wird im Winter alle 14 Tage beliefert, im Sommer wird nach Bedarf bestellt – und das komplett automatisiert. Das System ist online und verfügt über eine Füllstandsüberwachung im Lagercontainer, die dem Betreiber mittels E-Mails anzeigt, dass der minimale Füllstand unterschritten wird. Die Energybox ist übrigens innen mit einer leicht zu reinigenden Epoxidharzbeschichtung versehen.

Da in der Hotellerie, vor allem in der gehobenen, immer mehr Gäste auf nachhaltige Bauweise und Betriebsführung besonderen Wert legen, bedeutet die Abkehr von Heizöl fast schon ein Muss, wobei auch die vom Hotelbetrieb produzierten Emissionen eine Rolle spielen. Auch dieser Aspekt ist bei der Donauschlinge nunmehr abgedeckt, denn die neue Pellets-Heizanlage braucht laut ÖkoFen-Angaben keine Filter, „da sowohl die Heizwertkessel als auch Brennwertkessel von selbst alle strengen Emissions-Grenzwerte erfüllen.“ Für die Hoteliers der Donauschlinge ein nicht unerheblicher Nebennutzen des Contractings besteht darin, dass die Umstellung für sie nur geringe Kosten verursacht hat: Lediglich die Wärmeleitung von der Energybox zum Hotel sowie kleine Umbauarbeiten im Heizraum waren zu finanzieren.

20 Prozent Umsatzwachstum

ÖkoFen, wo seit einiger Zeit der fließende Übergang von Unternehmensgründer Herbert Ortner auf seinen Sohn Stefan läuft, will zwar keine absoluten Zahlen nennen, erzielte aber zuletzt rund 50 Millionen Euro Umsatz, wie aus einem Kurier-Interview im September hervorgeht, rechnet für heuer mit einem Wachstum von 20 Prozent und beschreibt die aktuelle Situation gegenüber Building Times wie folgt: „Insgesamt, aber auch in Österreich, entwickeln sich die Märkte sehr erfreulich. Aufgrund der Marktgrößen sind jedoch insbesondere die Exportländer für die Steigerung, die wir auch 2018 wieder sehen, verantwortlich. Gründe für die positive Entwicklung sind unsere Produktinnovationen im Bereich der Brennwerttechnik, die wir seit mehr als 15 Jahren verkaufen und entwickeln. Mittlerweile bieten wir die neue Condens-Technologie von 4 bis 512 kW an. Das neue All-in-one-Gerät Pellematic Smart XS und der neue kompakte Kessel mit Heizwerttechnik Pellematic Compact sind ebenso verantwortlich wie das langfristige Entwicklungsprojekt myEnergy365, das uns international große Aufmerksamkeit bringt.“

Contracting soll promotet werden

Das Contracting spielt im Gesamtgeschäft eine besondere Rolle, wie Ortner erklärt. „Unser Ziel ist, das Contracting-Modell zu promoten, weshalb wir nun einige Anlagen als Referenzanlagen realisiert haben. Die Contracting-Projekte eignen sich auch, um die Technologie der stromerzeugenden Pelletsheizung im mittleren Leistungsbereich in verschiedenen Szenarien testen zu können.“ Dazu komme, dass Contracting Anlagen in der Regel von regionalen Installateuren und/oder Contractinganbietern umgesetzt würden. „Wir sehen derzeit steigendes Interesse auf einem geringen Niveau, jedoch handelt es sich aus unserer Sicht um eine unterschätzte Möglichkeit, ohne Risiko auf einen neue, noch nicht so bekannte Heiztechnologie umzusteigen.“

Was die Amortisation betrifft, gibt sich ÖkoFen-Chef Ortner pragmatisch: „Wenn die Heizung ohnehin erneuert werden muss, ist die Amortisation für den Kunden nach wenigen Monaten erreicht. Im Regelfall bezahlt er für die Wärme weniger als vorher für das Heizöl und verfügt über eine neue Heizanlage, für die auch keine zusätzlichen Kosten mehr entstehen. Direkt beim Kunden entstehen geringe Kosten.“

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