Es BIMmelt

Wie weit ist BIM in der Schalungsplanung angekommen und wer kann das Building Information Modeling wie nutzen? Building Times hat die vier führenden Schalungs-Hersteller befragt.

Die ISO 19650 zur Beschreibung von Building Information Modeling ist ziemlich klar. Es geht um die „Organisation und Digitalisierung von Informationen zu Bauwerken und Ingenieurleistungen, einschließlich  Bauwerksinformationsmodellierung (BIM) und Informationsmanagement mit BIM“. Stellt sich die Frage, wie es die Schalungsbauer damit halten, denn um Bauwerke im eigentlichen Wortsinn geht es bei ihnen ja nicht. Building Times hat bei den vier führenden Anbietern Doka, Hünnebeck, Meva und Peri nachgefragt.

Großer gelber Riese

Die Doka behandelt das Thema BIM seit 2018 im eigens dafür gegründeten Competence Center. „Einer unserer wichtigsten Meilensteine 2020 war der Einstieg in die virtuelle Schalungsplanung mit DokaCAD for Revit“, erklärt Sonja Martin, Marketing-Verantwortliche im Competence Center BIM bei der Doka GmbH in Amstetten. DokaCAD for Revit ist ein Plug-in für Autodesk Revit, welches native, automatisierte Schalungsplanung in einer BIM Software erlaubt. Die Planungssoftware ermöglicht unter anderem eine schnelle 3D Schalungsplanung für alle Projekttypen, steigert die Produktivität durch Nutzung vorhandener Platzierungshilfen und unterstützt BIM Collaboration. „DokaCAD for Revit ist seit April dieses Jahres kostenlos auf unserer Homepage verfügbar, eine Weiterentwicklung mit neuen Features wird Anfang November 2020 released“. Aktueller Post unter Linkedin DokaCAD for Revit.

Eine mitreisende Größe

„Obwohl die Reise erst begonnen hat, profitiert die Baubranche bereits heute in vielerlei Hinsicht vom Building Information Modeling (BIM)“, erklärt Josef Lehn, Leiter der Anwendungstechnik der Hünnebeck Austria GmbH. Hochwertige BIM-Software ermögliche eine effizientere Planung und Gestaltung, minimiert Kosten und Risiken und fördert die Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten durch transparente Prozesse und Workflows“, so seine Sicht. Als einer der führenden Hersteller von Schalungs-, Gerüst- und Sicherheitsprodukten begrüßt Hünnebeck diese Entwicklung und unterstützt aktiv die Optimierung digitaler Services. So hat das Unternehmen für eine Vielzahl von Wand- und Deckenschalsystemen (Manto, Rasto-Takko, Topmax etc.) intelligente 3D-Komponenten zur Verwendung innerhalb der leistungsstarken BIM-Software Tekla Structures bereitgestellt. „Mit dieser Bibliothek kann ein umfassendes Sortiment an Schalungssystemen in BIM-basierten Planungs- und Bauleitungsvorgängen eingesetzt werden. Die 3D-Komponenten werden einfach online heruntergeladen, womit die Erstellung detaillierter Schalungspläne schneller und flexibler wird, denn die Verfügbarkeit der datenreichen 3D-Komponenten spart Modellierungszeit. Auch die Informationsqualitätwird erheblich verbessert. Im Ergebnis kann so eine höhere Genauigkeit und Effizienz bei Schalungsplanung,  Materialeruierung und Koordination erzielt werden“, stellt Lehn von Hünnebeck fest.

Automaten machen mit

„Was ‚BIM‘ für die Schalungsplanung bedeutet – Automatisierung oder die Invasion der Roboter“ nennt Build Informed Gründer und -Geschäftsführer Jakob Hirn, der seit 2018 das Joint Venture BIM² mit MEVA betreibt, seine Überlegungen. „Experten, die früher erst nach Jahrzehnten der Erfahrung die ‚richtigen‘ Schalungselemente, Verbindungselemente und Betonierabschnitte identifizieren konnten, werden heute bereits während der Planung von ‚Robotern‘ unterstützt“. Es handle sich dabei nicht um echte Roboter, sondern um Software, die alle ableitbaren Prozesse automatisiere. „So muss der Techniker keinen Teilwandtyp mehr konstruieren, sondern nur dem ‚Roboter‘ sagen, welche Wände eingeschalt werden“. Den Rest plane die App in 3D mit allen Informationen. In Zukunft kenne die Software die im Lager vorhandenen Elemente und berechne die Statik, erläutert Hirn. „Das war kein Märchen, sondern eine Erfolgsgeschichte, die Meva Schalungssysteme und Build Informed seit der Gründung des Joint Ventures BIM² schreiben. An alle ‚Experten‘, die aus vorhandener Information nach ‚einfachen‘ Regeln neue Information ableiten, sei gesagt: ‚Wir sind die Roboter, Widerstand ist zwecklos!‘“, bemerkt Hirn.

Mit Blick in die Cloud

„Peri setzt auf das komplette Angebot entlang der Wertschöpfungskette und bietet daher Lösungen, die von der Planung bis zur Qualitätssicherung des Betonierprozesses reichen. Stichwort Building Information Modeling: BIM unterstützt sowohl bei der Bauwerksplanung als auch bei der anschließenden Ausführung und macht sichtbar, wo, wann, warum und zu welchen Kosten es zu Schnittstellenproblemen kommen kann. Bereits in frühen Projektphasen können verschiedene Szenarien mit allen Projektbeteiligten bewertet werden“, erklärt die Peri GmbH.

Das Unternehmen biete hier eigene Systeme und Services, die allen am Planungs- und Bauprozess Beteiligten über eine einfach zu bedienende Benutzeroberfläche Zugriff auf relevante Informationen gewähre und somit die Effizienz der Kundenprozesse durch Zeit- und Kostensenkungen sowie durch die Reduzierung von Fehlern erhöhe, so das Unternehmen. „Beispielsweise ermöglicht Peri beim Bau der drei TrIIIPle Wohntürme in Wien mit Support und durchdachtem Systemeinsatz die Umsetzung der komplexen Gebäudegeometrie. Zur digitalen Unterstützung auf der Baustelle kommt das Cloud Service BIM 360° Field zum Einsatz. Die Panoramarenderings erlauben die immersive Begehung der Lösung – bereits lange vor der tatsächlichen Ausführung. Dies spiegelt sich auch in der konsistenten und kontinuierlichen Verfügbarkeit aller Projektdaten auf der Baustelle wider“, wartet der Hersteller mit einem aktuellen Wiener Beispiel auf.

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