Digitaler Baukasten

Sauter zeigt in der deutschen Unternehmenszentrale die Möglichkeiten der digitalen Gebäudeautomation.

Die Nachfrage nach digitalen Gebäudelösungen steigt. Eine wesentliche Rolle spielt dabei eine intelligente Raumautomation, über welche ein zusätzlicher Nutzerkomfort realisiert werden soll. Sauter hat dazu eine modulare Lösung zur digitalen Raumautomation entwickelt, bei der relevante Features ausgewählt und verbaut werden können. Das Baukastensystem wurde in einer Demo-Etage, den „Smart Spaces“, in der Unternehmenszentrale in Freiburg realisiert.

„Die Ansprüche an die Raumautomation in modernen Gebäuden sind sehr vielfältig geworden. Die typischen Grundbedürfnisse – also etwa Beleuchten, Heizen, Kühlen und Beschatten oder die flexible Raumgestaltung durch Moving Walls – werden zunehmend um die Berücksichtigung verschiedenster Nutzerwünsche ergänzt“, erklärt Werner Ottilinger, Geschäftsführer von Sauter Deutschland. „Der User möchte beispielsweise einen flexiblen Arbeitsplatz oder den nächsten Drucker mit Follow-me-printing-Funktion finden sowie die Raumkonditionen eines zugewiesenen Raumes über sein Mobile Device individuell steuern. Zudem gelte es auch Ansprüche des Facility- und Property-Managements zu berücksichtigen: „Hier sind Building Analytics, Asset Tracking, Predictive Maintenance und Smart Softservices sowie BIM relevant, um nur einige Schlagworte zu nennen.“

Es ist eine Herausforderung für die Raumautomation, all diese Ansprüche in einem System abzudecken und gleichzeitig ein Konzept zu bieten, bei dem verschiedene Module gebäude- und nutzerabhängig ausgewählt werden können. „Wir haben die fünfte Etage unseres Headquarters komplett umgebaut und mit digitaler Gebäudeautomation ausgestattet, um zu demonstrieren, wie diese verschiedenen Themen umgesetzt werden können“, erläutert Ottilinger. Da die Etage als Großraum, Einzelräume oder Tagungscenter genutzt werden kann und über die typischen Räumlichkeiten verfügt, lassen sich verschiedene, für Kunden relevante Anforderungssituationen abbilden.

Automation-Family

Die in der Demo-Etage verbaute Gebäudeautomation basiert auf den Sauter-Produktfamilien EY3600, Ey-modulo 5 und modulo 6. Die integrale Raumautomation besteht im Wesentlichen aus Raumcontrollern ecos504 in vorkonfektionierten Systemverteilern. Die Raumgewerke Heizung, Klima und Lüftung werden dabei so mit dem Gewerk Beleuchtung und Sonnenschutz kombiniert, dass gewerkeübergreifende Funktionalitäten realisiert werden können. Hinzu kommen EnOcean- und
KNX-Multisensoren sowie eine DALI-Beleuchtung und Beschattung mit SMI.

Die Bedienung erfolgt über Touch-Raumbediengeräte, die mit einer Bluetooth-Schnittstelle ausgestattet sind – somit taugt auch das Handy zur Raumbedienung. Für das Facility Management steht das Vision Center (SVC) als Visualisierungsoberfläche zur Verfügung. Hier können alle in den Smart Spaces verbauten Funktionen wie beispielsweise Sensoren oder Raumbelegung visualisiert, analysiert und gesteuert werden. Über das integrierte Wartungsmodul werden Aufträge automatisch generiert, über E-Mail an die verantwortliche Stelle gesendet und über das Ticketsystem nachverfolgt. Der Verbrauch des Gebäudes wird über das Energiemanagementsystem EMS aufgezeichnet, dargestellt und analysiert.

Auf diese Weise kann beispielsweise eine bedarfsabhängige Reinigung der Büroräume realisiert werden. Die zu reinigenden Räumlichkeiten werden dabei über eine Auswertung des Präsenzsignals des Multisensors integriert über die Zeit identifiziert und in der Etagenübersicht rot markiert. Die Beleuchtung in den Räumen wird automatisch auf 20 Prozent gedimmt – dadurch weiß die Reinigungskraft, dass ihr Einsatz gefragt ist.

Eine sensorbasierte Wartungsübersicht für WCs und Cafeteria in SVC zeigt zudem den Status von Handtuch- und Seifenspendern sowie der Kaffeemaschine. Ansichten für Raum- beziehungsweise Arbeitsplatzbelegung, Feuerwehr und Wachschutz finden sich ebenso in der Software.

Intelligente Verschattung

Darüber hinaus steht im Pilotprojekt auch eine Smart Shading-Funktion zur Verfügung. Diese intelligente Verschattungskorrektur prüft, ob ein Fenster oder eine Gruppe von Fenstern temporär durch umliegende Bebauung oder eigene Gebäudeteile verschattet werden. Ist dies der Fall, wird der Sonnenschutz so positioniert, dass eine bessere Tageslichtversorgung erfolgt. Diese Funktion benötigt umfangreiche Parametereinstellungen der umliegenden Schattenquellen. Die Berechnung muss für den geografischen Standort der Liegenschaft über das gesamte Jahr im 15 min-Raster erfolgen. Diese orts- und zeitaufgelösten Parameter werden anschließend als Shadow Schedule an die autarken Sauter ecos504/505-Raumcontroller übertragen. Dort kommt der Shadow Correction-Baustein zum Einsatz, der diese Parameter auswertet und so den Schattenstatus (verschattet/nicht verschattet) für die eigenen Raumsegmente beziehungsweise Jalousien erhält. Dieser Schattenstatus wird zur Übersteuerung der übrigen Automatikfunktionen des Sonnenschutzes verwendet.

App-Lösungen erhöhen Komfort

Um den Besuch der Smart Spaces besonders bequem zu gestalten, stellt Sauter gleich mehrere App-Lösungen zur Verfügung. Eine Mobile Building Map-App verbindet eine klassische Navigation mittels GPS für den Außenbereich mit Beacons-Technologie für den Innenbereich. Besucher, die sich nicht auskennen, können sich beispielsweise zum Schulungs- oder Besprechungsraum navigieren lassen“, so Ottilinger. Eine weitere App ermöglicht die mobile Zutrittskontrolle. Besucher können temporär einen digitalen Schlüssel zum Öffnen von Türen oder zur Fahrstuhlbedienung erhalten. Eine dritte App nennt sich Mobile Building Services – sie erlaubt Nutzern beispielsweise temporäre und standortunabhängige Zugriffsrechte zur Bedienung der Raumkonditionen in ihrem Appartement oder Hotelzimmer. Diese App ist auch bereits im One Forty West-Hybridhochhaus in Frankfurt im Einsatz.

Keine Kommentare

Kommentar schreiben