Attensam: „Die Technik hilft uns“

Die Unternehmensberaterin Sabine Hübner und Oliver Attensam im Gespräch mit Franz Artner über Technik-Trends, Roboter, Veränderungen bei Dienstleitungen und gesellschaftliche Trends, die mehr Diversität in das Geschäft rund um Gebäude bringen. Der Preis für Reinigung & Co sei zwar weiterhin wichtig, aber nur ein Kriterium unter anderen, so das Duo.

Building Times: Fr. Hübner, Sie befassen sich beruflich viel mit Service. Trifft es zu, dass viele Menschen möglichst guten und umfangreichen Service wollen, aber möglichst wenig dafür auslegen wollen?

Sabine Hübner: Wenn ein Service einen Engpass beseitigt und Dinge erledigt werden, die Menschen nicht tun können oder tun wollen, das sind sie auch sehr wohl bereit Geld auszugeben. Die Dienstleitung wird in der Zukunft sich ein ganz wichtiger ökonomischer Teil des Geschehens.


BT: Das heißt der Dienstleitungen steht ein Boom bevor?

Hübner: Ja, maßgeblich dafür sind zwei Faktoren. Wir haben eine älter werdende Gesellschaft, die manche Dinge nicht mehr tun kann. Und dann haben wir junge Leute die mehrheitlich keine Do- it-yourself-Typen mehr sind. Ich meine daher, dass ein guter Dienstleister in Zukunft ein großes Geschenk sein wird – auch für haushaltsnahe Arbeiten.

 

BT: Manche Zeitgenossen vermitteln den Eindruck, dass schon demnächst die Reinigungsroboter einmarschieren. Wie sehen Sie das?

Oliver Attensam: Die Roboter sind sicher brave Werkzeuge, sie ersetzen aber nicht das Zwischenmenschliche.

 

BT: Werden Automaten künftig im 3. Stock die Fenster eines Büros putzen?

Attensam: Nein, aber dort wo es in die Fläche geht, werden Roboter die Services unterstützen. In der Industrie, wo vieles automatisiert ist, fügt sich ein Reinigungsroboter sicher gut ein. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Autobahnschneeräumung in einigen Jahren automatisiert ist und ohne Menschen erledigt wird. Aber es wird viele Menschen brauchen, dass solche automatisierte Lösungen überhaupt möglich sind.

 

BT: Das heißt, Ihre Geschäftsfelder sind nicht bedroht?

Attensam: Nein, aber die Technik hilft uns. Wenn wir in der Schneeräumung GPS einsetzen sind wir schneller und verlässlicher.

Hübner: Da kommen auch allgemeine Gesellschaftstrends zum Tragen. Die Großfamilien und die Nachbarschaftshilfe gibt es in der Form nicht mehr. Es gibt zwar neue Arten von Communitys, aber auch veränderte Arbeitswelten. Damit ist Platz geworden für den Dienstleister als Alltagsfreund.

 

BT: Aber all das muss möglichst billig sein, oder?

Hübner: Transparenz spielt eine große Rolle. Menschen sind bereit für etwas zu bezahlen, wenn sie erkennen welche Leistung geboten wird.

Attensam: Ich denke, die Branche wird sich künftig über die Verbesserung des Service unterscheiden. Wenn eine Reinigungskraft grüßt hat der Kunde einfach ein besseres Gefühl. Ich glaube auch, dass der Preis nicht mehr das alleinige Kriterium ist. Das Thema Zeit und deren Nutzung ist ein riesiges Thema. Ich meine, die Leute wollen die Zeitfresser weghaben.

 

BT: Gibt es beim Service und dessen Kosten Mentalitätsunterschiede zwischen Österreich und Deutschland?

Hübner: Österreich ist ein Tourismusland und Gastfreundlichkeit gehört sozusagen zum Standard. Deutschland ist traditionell technisch geprägt, weshalb Service dort auch sehr technisch betrachtet ist. Das macht sich auch im Bereich Digitalisierung im Maschinenbau bemerkbar, wo die Deutschen sehr weit sind und auch eine höhere Akzeptanz für technische Lösungen gegeben ist.

Attensam: Wir haben hier unsere Erfahrung gemacht. Wir waren mit mehreren Standorten in Deutschland vertreten und glaubten, die gleiche Sprache ermöglicht uns den gleichen Erfolg. Wir haben dieses Experiment nach vier Jahren wieder abgebrochen, weil die Mentalität eine andere ist. In Deutschland geht es um Effizienz und Geld, da wird der Dienstleister wegen zwei Cent gewechselt. Bei uns geht es dagegen um die Behandlung, das Image und die Freundlichkeit, die sind den Kunden dann zwei Cent mehr wert.

BT: Sie waren eben beim Workshop der Firma Attensam zum Thema Service im FM. Worum geht es da?

Hübner: Wir erarbeiten gemeinsam mit Führungskräften das Zielbild 2030. Es geht darum zu schauen, wo steht das Unternehmen und wohin will es im nächsten Jahrzehnt. Es geht dabei auch darum den Mitarbeitern Orientierung zu geben. Was sind die künftigen Schwerpunkte und welche Dienstleistungen werden künftig kommen. Und auch die Frage, wie ein Dienstleister mit den Megatrends umgeht.

Attensam: Ich glaube, dass es zu wenig ist, wenn man nur von Jahr zu Jahr denkt und arbeitet. Die Technik bringt uns sehr viele Veränderungen, daher ist es angebracht darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet. Das schönste an diesem Prozess ist, dass die Mitarbeiter uns die Antworten auf viele unserer Fragen geben.

Hübner: Ich sage immer, die Innovationskraft eines Unternehmens sitzt im Unternehmen. Wir geben nur unser Bestes aus den Impulsen der Mitarbeiter ein künftiges Leitbild zu formen.

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