Die Rutsche ist gelegt

Beim Neubau des Paracelsusbades in Salzburg wurde mit dem Stahlbau Ende September eine wichtige Etappe abgeschlossen. Jetzt läuft der Ausbau, auch an der großen Rutsche wird bereits gearbeitet. Die Fertigstellung ist für Juli 2019 geplant.

Rund 550 Tonnen Stahl und rund 13.000 Schrauben hat die Unger Stahlbau Ges.m.b.H. beim neuen Paracelsusbad in Salzburg seit dem Frühjahr verarbeitet. Ende September waren die Stahlbauarbeiten termingerecht abgeschlossen, wie der Leiter der Bauaufsicht, Manfred Dürnberger, im Gespräch mit Building Times bestätigt. Über dem dritten Obergeschoß entstand eine gigantische Stahlkonstruktion, welche die Badelandschaft überspannen und die darauf positionierte Sauna sowie den Gastronomiebereich tragen wird. Soeben wurde die darunter liegende Holorip-Decke fertiggestellt. Und es war der Baubeginn für die große Rutsche.

Ab nächstem Jahr kommen die künftigen Badegäste in dem mit 57,159 Millionen Euro von der Stadt Salzburg budgetierten Paracelsusbad in den Genuss einer stützenfreien Badelandschaft und eines Panorama-Rundumblicks. 35 Meter lange Stahlträger machen es mäglich. Denn der neue Komplex „bildet ein Gelenk zwischen den gründerzeitlichen Blockstrukturen der Auerspergstraße, der offenen Bebauung der Schwarzstraße und dem historisch gewachsenen Mirabellgarten. Die zum Park verschwenkte Geometrie des Badehauses nimmt Bezug auf die verschwundenen barocken Bastionsmauern und den zugeschütteten Wassergraben“, schreiben die Wettbewerbssieger und Generalplaner Berger + Parkkinen Architekten in ihrem Projektbericht.

Die Restauration der Bastion erfolgte in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und wird durch ein Sichtfenster im Neubau erlebbar. Die Generalplaner und eine Reihe von Fachplanern konnten für knapp 11.000 m² Bruttogeschoßfläche und eine oberirdische Nutzfläche von 8.874 m² planen und eine bebaute Fläche von 2.120 m² auf einer Grundstücksfläche von 5.072 m² schaffen. Wozu noch die unterirdische Nutzfläche von 3.007 m² kommt samt einer Tiefgarage mit 71 Stellplätzen, die mit jener des angrenzenden Sheraton-Hotels zusammengeschlossen wird, wie die örtliche Bauaufsicht pm1 (pm1 projektmanagement, Salzburg, in einer Arge mit RVP Rudolf & Vier Partner GmbH, Graz) berichtet. Sie koordinieren derzeit rund 150 Handwerker, die auf der Baustelle arbeiten.

Bauen mit einem Teil-GU

Bauherr ist die Stadt Salzburg, die Bauherrenvertretung wird von der Stadt Salzburg Immobilien GmbH (SIG) wahrgenommen, die sich auch die ausschließliche Kommunikation vorbehalten hat. Teil-Generalunternehmer ist die Ing. Hans Bodner Baugesellschaft mbH & Co KG, wie Heinz Roßmann Building Times wissen lässt. Der Geschäftsführende Gesellschafter der integral Ziviltechniker GmbH (Graz) spricht für die Arge PMS Paracelsusbad Salzburg, die weiters von der Wendl ZT GmbH Consulting Civil Engineers (Graz) gebildet wird und das Projektmanagement innehat. Wozu schließlich noch die Ingenos Gobiet GmbH kommt, welche die begleitende Kontrolle ausübt. Das neue Paracelsusbad wird neben dem Kurhaus und von diesem klar getrennt das öffentliche Hallenbad beherbergen, dazu Geschäftsflächen im Sockelgeschoß, eine Saunawelt mit Außenpool und Terrassen sowie einen Gastronomiebereich. Dass ein derartiger Mehrfach-Funktionskomplex gewaltige Anforderungen an die Gebäudetechnik stellt, ist klar, weshalb bis zum Juli kommenden Jahres noch größere Herausforderungen auf die Ausführenden warten: Ab dem 8. Juli 2019 soll das Kurhaus besiedelt werden, die Übergabe samt Gefahrenübergang ist für den 19. Juli 2019 geplant, wie Roßmann ankündigt.

PV-Anlage und Wärmepumpen

Energiegewinnung und -rückgewinnung werden beim Paracelsusbad groß geschrieben, einerseits auf dem Dach und andererseits mit zwei Wärmepumpen. „Laut derzeitigem Stand der Planung sind 112 Module mit je 300 Wp vorgesehen, die somit eine maximal Höchstausbeute von 33,6 kWp bringen können, welche mittels 5-Grad-Aufständerung nahezu eben am Dach verlegt werden“, erklärt Heinz Roßmann. Vom TGA-Planer Haustechnik Dick + Harner GmbH (Salzburg) hört man zudem, dass immer zuerst die eigene Abwärme genutzt und dann erst mit den beiden Wasser-Wärmepumpen mit Tiefenbohrung zugeheizt wird. Elektro-Fachplaner ist übrigens das Technische Büro Herbst in Salzburg.

Projektmanager Roßmann ergänzt: „Zwei Kältemaschinen mit einer Gesamt-Verdampferleistung von 1 MW bzw. einer Verflüssigerleistung von 1,3 MW stehen zur Kühlung/Entfeuchtung sowie Beheizung des Hallenbades zur Verfügung.“ Dabei handelt es sich um ölfreie R134a Turbokältemaschinen mit Drehzahlregelung zur stufenlosen Leistungsregelung. Die Abwärme, die bei der Kälteerzeugung zur Versorgung der Entfeuchtungsregister in den Klimaanlagen entsteht, wird zur Beheizung des Gebäudes verwendet. Überschüssige Wärme wird mittels Grundwasser entwärmt, so Roßmann. Geheizt wird fast überall mit Fußbodenheizung, Heizkörper gibt es laut TGA-Fachplanung gerade einmal fünf oder sechs.

Zur Kühlung erläutert Roßmann, dass die inneren Lasten in den Funktionsräumen im Kurhaus wie in den Massageräumen und den Behandlungsräumen mittels Gipskarton-Kühldeckensystemen abgeführt würden. Der Restaurantbereich im Hallenbad werde ebenfalls mit Kühldecken ausgestattet. Womit sich noch die Frage nach Ent- und Belüftung sowie Entfeuchtung stellt, die ja sowohl in einem Kurhaus als auch in einem Hallenbad eine besondere Herausforderung darstellen. „Das Gebäude wird mit Lüftungsgeräten gemäß Ökodesign-Richtlinie ErP 2018 ausgestattet. Die Gesamtluftmenge der elf Zentrallüftungsanlagen beträgt 110.000 m³/h. Davon stehen zwei Lüftungsanlagen mit einer Gesamtluftleistung von 42.500 m³/h für den Hallenbadbereich zur Verfügung“, klärt Roßmann auch in dieser Hinsicht auf. Schließlich stehen für die Entfeuchtung des neuen Bades zwei Zentrallüftungsanlagen mit einer Gesamtluftleistung von 42.500 m³/h bereit. Diese Lüftungsanlagen verfügen über mehrere Heiz- und Kühlregister zur Entfeuchtung sowie Temperierung der Hallenluft.

Gebäudehülle

„Eingepackt“ wird all die neue Gebäudetechnik in eine Pfosten-/Riegelkonstruktion aus Stahl und Glas mit vorgelagerten Keramiklamellen, die von der mde metal design engineering GmbH (Vöcklabruck) geplant wurde und von der Metallbau Saller Gesellschaft m.b.H. (Bischofshofen) ausgeführt wird. Deren Technischer Geschäftsführer Herbert Hallinger berichtet, dass „das Projekt technisch schon sehr anspruchsvoll“ sei, weil 7,50 m hohe Scheiben, dreifach verglast und teilweise gebogen und abgehängt, zum Einsatz kommen. Eckelt Glas liefert das Glas. Kostenmäßig sei das Projekt „sehr schwierig, weil wir den Auftrag schon vor einem Jahr bekommen haben. Gewisse Mehrkosten müssen wir als Firma schlucken.“ Womit wir schließlich zur Verblechung der Wand und Dachdeckung kommen: Sie wird aus verzinntem Kupfer namens Tecu Zinn und Tecu classic der Firma KME hergestellt.

Das Projekt ist seit Jahren politisch heftig umstritten. Das hat im Herbst 2014 unter anderem dazu geführt, dass der damals zuständigen Neos-Stadträtin Barbara Unterkofler von SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden die Zuständigkeit für das Paracelsusbad entzogen wurde. Sie hatte sich erfrecht, den Kosten- und Terminplan anzuzweifeln. Nach den jüngsten Gemeinderatswahlen hat SPÖ-Stadtrat Bernhard Auinger das Bad „geerbt“. Unterkofler ist vor wenigen Wochen zur ÖVP gewechselt und wird auf deren Liste bei den Gemeinderatswahlen 2019 kandidieren. Dann könnte das Paracelsusbad möglicherweise ressortmäßig wieder ihr „gehören“.

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