Das Dorf-Experiment

Im Südburgenland wollen neun Gemeinden und die Stadt Oberwart die Vernetzung der Erneuerbaren voranbringen. Die Promi-Akteure sind gefunden, erste konkrete Umsetzungen laufen an.

Bocksdorf, Kukmirn, Ollersdorf und Litzelsdorf sind kleine Gemeinden im Südburgenland, die von Innovationen maximal gelegentlich gestreift werden. Das soll sich ändern, denn die vier Orte sind mit Stegersbach, der Stadt Oberwart und vier weiteren Kommunen Teil des Innovationslabors act4.energy. Dabei handelt es sich um eine vom BM für Verkehr, Innovation und Technologie gestartete Forschungs- und Entwicklungsinitiative. Die gäbe es nicht ohne Andreas Schneemann, der mit seiner Vision der Energie-Zukunft als treibende Kraft andere Akteure vernetzt und motiviert. Viele davon trafen sich kürzlich im Kulturzentrum Eisenstadt, um das gemeinsame Projekt zu promoten. „Wir wollen ein regionales Energiesystem mit Vorbildwirkung errichten“, erklärt Schneemann, der mit seiner Firma Energie Kompass GmbH in Stegersbach den Bau eines Kompetenzzentrums für regional erneuerbare Energiesysteme plant. Deutlich mehr als einen Demo-Bau planen die beteiligten Firmen, wie Siemens, Fronius, Kapsch, Siblik, Kioto und Bluesky Energy, um nur die größeren zu nennen. Sie hoffen, dass die knapp 1,4 Millionen Euro des Projektes eine deutliche Belebung des Geschäfts mit Photovoltaik, Speichern und Ladestationen bringen. Knapp 700.000 Euro beträgt übrigens die Förderung, der Rest kommt von den Gemeinden und dem Initiator Schneemann.

Sie alle folgen dem Gedanken, den Michael Hübner aus dem BMVIT sehr prägnant formulierte: „Die künftigen Energiesysteme werden hochvernetzt und digital sein“, meint er und fügt hinzu, dass schon derzeit jede zweite in Österreich verkaufte PV-Anlage im Privatbereich mit einem Speicher ergänzt wird. Um den im Burgenland anfallenden Strom aus Wind und Sonne optimiert nutzen zu können, bedarf es jedoch mehr. „Wir brauchen Flexibilitäten, das bedeutet elektrische und thermische Speicher, mobile Speicher wie die Akkus von E-Autos, und wir brauchen intelligente Lastverschiebungen“, so Schneemann. All das ist aber nur dann richtig wirkungsvoll, wenn die Überschüsse und der Bedarf miteinander kommunizieren und interagieren können. Und genau daran wird im Südburgenland gearbeitet. Ein erster Quartierspeicher mit einer Leistung von 100 kW ist in Oberwart installiert. Daran gekoppelt sind rund 15 Teilnehmer, darunter eine Schule und die Kläranlage. In Stegersbach wird ein E-Car-Operation-Center entstehen, wo diverse Ladesäulen installiert und mit spezieller Abrechentechnik (Blockchain) bestückt werden.

An prominenten und kompetenten Mitstreitern fehlt es der Initiative nicht. Am Ende müssen jedoch die Bewohner der Regionen mittun. Sie entscheiden letztlich, ob sie ihr Erspartes in Alufelgen und Swimming-Pools investieren oder in Photovoltaik, Stromspeicher, Niedrigtemperaturheizung und Dämmung. Natürlich bedarf es für die vernetzten Lösungen auch rechtlicher Anpassungen. Man kann schließlich nicht einfach Wärme oder Strom an seine Nachbarn abliefern – zumindest nicht in Österreich. Dazu hat man Energieversorger, die bei act4.energy nur Zuschauer sind, was interessant ist.

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