Büro und Forschungslabor

Das Bochumer Bildungszentrum der Immobilienwirtschaft EBZ eröffnete kürzlich einen Büroneubau mit digitalem Heizungskeller.

Wie kann die Wohnungswirtschaft die Herausforderungen der Digitalisierung meistern? Wie verändert sich die Branche durch die Einführung moderner Internet-Technologien? Welche Möglichkeiten ergeben sich für Liegenschaftsbetreiber durch neue Geschäftsmodelle, und wie ändert sich das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter? Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig, vielfach noch offen oder unausgegoren.

Das hat auch das Europäische Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Bochum (EBZ) erkannt und möchte mit seinem eben eröffneten Neubau einen Beitrag zur Klarheit liefern. Der Neubau diene vor allem auch dazu, „der Wohnungswirtschaft Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung der Branche zu liefern“, so das EBZ, das 10,5 Millionen in den 8.000 m² Fläche bietenden Neubau investiert hat.

„Im Gebäudebereich ist das Optimierungspotenzial durch den Einsatz von Software bisher kaum erschlossen. Wir sind davon überzeugt, dass die Informationstechnik zukünftig die Betriebsführung von Gebäuden auf eine völlig neue Grundlage stellen wird. Wir haben uns daher entschlossen, diese Potenziale zu erforschen und den EBZ-Neubau zu einer Forschungs- und Lehrplattform zu machen“, erklärte der EBZ-Vorstand Klaus Leuchtmann.

Und das mit namhaften Sponsoren: Als Partner sind im Living-Labor der EZB innogy, Phoenix Contact, Buderus, Wilo, Lemonbeat, Techem und Tece mit an Bord. Die Haustechnik des Gebäudes wird digital gesteuert und dient zukünftig als Forschungslabor in Sachen Gebäudeenergieeffizienz. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die EBZ Business School, die Projektsteuerung und die Energielieferung und -erzeugung liegen bei innogy. Ein erstes Projekt im Neubau des EBZ befasst sich mit der Digitalisierung des Heizungskellers. Im Fokus steht dabei die effiziente Wärmeerzeugung und -verteilung im Gebäude. Es kommen zwei Gaswärmepumpen und ein Spitzenlast-Brennwertkessel für die Wärmeerzeugung zum Einsatz.

Dabei werden konsequent moderne IT-Architekturen eingesetzt. Die datentechnische Integration der Aggregate im Heizungskeller erfolgt auf Basis des Lemonbeat-Protokolls, welches seinen Ursprung im Smart-Home-Bereich hat. Das Gebäudemanagementsystem basiert auf NiagaraAX, einer Middleware-Plattform, die es erlaubt, internetfähige Produkte und Anwendungen zu entwickeln. Es bietet eine Vielzahl von Vernetzungsmöglichkeiten und erlaubt es, neue Funktionen einfach zu erstellen. Sowohl Lemonbeat als auch die Niagara-Plattform gehören zu einer neuen Softwaregeneration, die das Internet-of-Things (IoT) im Fokus hat.

In einem ersten Schritt werden im EBZ umfangreiche Monitoringfunktionen und Möglichkeiten zur Steuerung der Anlagentechnik implementiert. Sie vernetzen den Heizkessel, die Pumpen und die Sensorik/Aktorik im Gebäude. Anschließend werden Effizienzindikatoren entwickelt, die es erlauben, die Energieeffizienz des Gebäudes schnell zu bewerten. Das Projekt beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Errichtung des „smarten Heizungskellers“, sondern es wird vor allem in der Betriebsphase des Gebäudes die Regelungstechnik kontinuierlich optimiert und hinsichtlich der Diagnosemöglichkeiten sowie der Anwenderschnittstelle erweitert. Nicht zuletzt die Nutzung des „smarten Heizungskellers“ als fester Bestandteil der Ausbildung und Forschung am EBZ macht es zu einem in dieser Form deutschlandweit einmaligen Projekt.

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