Mann für Bestand
Seit 25 Jahren betreibt Architekt Gerhard Kopeinig sein Architekturbüro Arch+More, das sich in diesem Vierteljahrhundert immer auf den Schwerpunkt „Bestand“ konzentriert hat, den er so flexibel wie nur irgendwie möglich gestaltet und nachhaltig und energieeffizient saniert.
Ende Jänner feierte der Veldener Architekt Gerhard Kopeinig seinen 54. Geburtstag, was ziemlich genau mit 25 Jahren Selbstständigkeit mit seinem Architekturbüro Arch+More ZT GmbH zusammenfällt. Für eine großvolumige Sanierung mit vorgefertigten Holzelementen im Auftrag der Genossenschaft Giwog in Leonding bei Linz hat er bereits 2006 den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit verliehen bekommen, der ihm vom damaligen Minister und heutigen ÖFB-Präsidenten Josef Pröll überreicht wurde.
Kopeinig hat nicht nur eine Tischlerlehre absolviert und Möbelbau studiert – „Ich komme aus einer Handwerker-Familie“ – meint zum Firmenwortlaut „more“, dass damit viel, viel mehr gemeint sei, nämlich neben der Gestaltung auch die Gebäudetechnik und die Bautechnik. „Wir sehen das Gebäude als Ganzes und schaffen einen Mehrwert für den Auftraggeber. So können wir wunderbar gestalten“.
Der Architekt hat an der TU Graz studiert und 1997 das Diplom bei Günther Domenig erlangt, 1999 die Ziviltechniker-Prüfung abgelegt und sich im Jahr 2000 mit der Büro-Gründung zusammen mit Architektin Ingrid Domenig selbstständig gemacht. Zuvor hatte er in Architekturbüros in Sydney, Berlin, Wien, Linz, Klagenfurt und Villach gearbeitet.
„Noch nie eine Stellen-Ausschreibung gemacht“
Derzeit betreibt er mit 13 Mitarbeiter:innen die drei Standorte Velden, Linz und Wien. „Ein Großteil der Mitarbeiter:innen kommt aus der Umgebung und gelangt fußläufig ins Büro. Fast alle sind ehemalige Praktikant:innen, kommen von FHs, den TUs und HTLs, und ich habe noch nie eine Stellen-Ausschreibung gemacht“, meint er zur Personalsituation.
Während Kopeinig „Chef“ in Kärnten ist, führen Ingrid Domenig-Meisinger – „Wir haben zusammen studiert und sie ist in Linz geblieben“ – das Büro in Puchenau bei Linz und Patricie Tavtová jenes in Wien. Die beiden Damen sind auch zu jeweils fünf Prozent an der Arch + More ZT-GmbH beteiligt.
Keine „Schubladen-Projekte“
Der Jahres-Umsatz variierte bisher zwischen einer und eineinhalb Millionen Euro und für heuer meint Kopeinig: „Der Markt hat sich verändert, die Projekte sind vielschichtiger geworden. Auch große Bauherren kommen mit kleineren Aufgaben“. Rund 1.000 Projekte habe sein Büro bisher geplant und „wir haben einen irrsinnig großen Umsetzungs-Prozentsatz von 90 Prozent. Wir haben keine ‚Schubladen-Projekte‘“.
„Das mehr an Architektur zeichnet sich im Bild des Büros auch räumlich ab“, wird die Entwicklung auf der Homepage des Büros dargestellt, denn „es wurde ein Netzwerk von Architekten und Fachplanern in Österreich aber auch darüber hinaus in Deutschland, Slowenien, Kroatien, Italien sowie England und Australien aufgebaut, in dem man gegenseitig auf ein hohes Know-How-Potential zurückgreifen kann“. Der Tätigkeitsbereich erstrecke sich von Gewerbe- und Industriebauten bis zu Wohnhäusern und Wohnbauten, sowie Bauaufgaben im kommunalen und im sakralen Bereich, „wobei sich die Büromitglieder in den letzten Jahren vor allem im Bereich Sanierung und Revitalisierung bestehender Gebäude und Strukturen einem Namen gemacht haben“. Schwerpunkte seien Ökologisches Bauen, Nachhaltigkeit, Sanierungskonzepte, Energie-Effizienz, sowie Planung und Beratung.
Derzeit sei die Muster-Sanierung der Kärntner Landes-Feuerwehrschule in Rosegg „fast fertig“ berichtet Kopeinig, aktuell würden auch Wohnbauten in Linz und Steyr saniert. „Wir sind auch im Gewerbe- und Industriebau, vor allem aber in der Gastronomie und der Hotellerie. Wir machen dort auch energetische Sanierungen. Das aus den 60er-Jahren stammende Parkhotel in Pörtschach betreuen wir gestalterisch und energetisch auf höchstem Niveau, das sind langjährige Auftraggeber“.
Zentrumsentwicklung Magdalensberg
Für die Zentrumsentwicklung Magdalensberg, der weit über Österreich hinaus für seine römischen Ausgrabungen bekannt ist, hatten Kopeinig & Co. einen Gestaltungs-Wettbewerb gewonnen, der inzwischen realisiert wurde. Dieses „Neue Forum Magdalensberg“ war notwendig geworden, um für die Streusiedlung am Fuß des historischen Ortes ein Zentrum zu schaffen. Dafür wurde das bestehende Schulgebäude modelliert und um einen neuen Schulraum erweitert. Auf 7.965 m² Grundfläche entstanden solcherart 2.415 m² BGF und 1.785 m² Nutzfläche.
Versorgt wird der Komplex mit Fernwärme, von einer Lüftungsanlage mit Wärme-Rückgewinnung sowie Photovoltaik. Für die Elektro-Planung war das TB Gregoritsch (Klagenfurt) verantwortlich, für die Haustechnik-Planung das Ingenieurbüro Salbrechter, ebenfalls in Klagenfurt zuhause. Die zweite Bauphase, ebenfalls von Kopeinig geplant und eingereicht sowie genehmigt, harrt noch des Baustarts durch die Gemeinde. „Erst dann wird in Summe das Neue Forum spürbar werden“, so Kopeinig. Der Architekt lebt „mit Hauptwohnsitz in einem Mehrgenerationen-Haus, dem Elternhaus, das vor 25 Jahren saniert und erweitert wurde. In der Nähe davon haben wir vor 20 Jahren mit meiner Frau ein gemischt genutztes Haus für Wohnen und zwei Büros errichtet. Das war damals so geplant, dass es innerhalb von zwei Monaten in drei Kleinwohnungen teilbar ist, wofür die Installationen schon vorbereitet sind, um es schnell umgestalten zu können, wenn der Bedarf sich ändert, was bald der Fall sein wird“.
Langfristig planen und bauen
Sanierungen müssten nämlich heute so erfolgen, „dass wir es der nächsten, bzw. hoffentlich übernächsten Generation leichter machen, das Haus umzunutzen, auszubauen. Allzu oft wird nur für die heutige Lebenssituation geplant und gebaut“, erklärt der Architekt im Gespräch mit der Building Times. Als seine wichtigsten und gleichzeitig liebsten Projekte nennt Gerhard Kopeinig das Kulturzentrum der Arge Kultur in Salzburg, das Parkhotel in Pörtschach und die mit dem Staatspreis ausgezeichnete Sanierung. Zur Gebäude- und Energietechnik meint der Architekt, „wir wissen, wie alles zusammenhängt. Die Energie, die ich nicht brauche, ist die effizienteste und wir haben ein Bewusstsein für ökologische Materialien. Und: Die sommerliche Überhitzung wird wichtiger als die Beheizung“.
Die KI werde helfen, den Büros gewisse Standard-Prozesse abzunehmen, glaubt der Architekt, der als „leidenschaftlicher Wintersportler“ auch Obmann des Skiclubs „Skizunft Velden“ ist und zwei Kinder in der Oberstufe hat, bei denen er auch bereits „durchaus handwerkliche Fähigkeiten“ feststellen konnte.



