Meister Berger

Der Steirer Anton Berger ist seit rund einem halben Jahr Bundesinnungsmeister der Installateure. Stillstand und Verwaltung sind seine Sache nicht.

Das Jahr 2025 brachte, abgesehen vom spektakulären Abgang des Präsidenten, einige Neuigkeiten in der Wirtschaftskammer. Ende Juni wurde Anton Berger in der Bundesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker zum Nachfolger von Manfred Denk gewählt, der zum Bundesspartenobmann von Gewerbe und Handwerk aufstieg. Und im Oktober löste Paul Morolz den langgedienten Geschäftsführer der Innung Christian Atzmüller ab. Das neue Duo an der Spitze hat sich einiges vorgenommen, um die Bundesinnung weiter als starke und zentrale Interessensvertretung zu positionieren. Berger erscheint dafür der richtige Mann, er ist eloquent, schnell, smart und vermittelt Handschlagqualität und bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlichen Installateur“.
Als Absolvent der HTBLA Pinkafeld ist er seit 35 Jahren mit der steirischen Firma Unisan verbunden. Zuerst 17 Jahre als Angestellter und danach als Geschäftsführer. 2008 hat Berger den Betrieb mit 35 Beschäftigten gemeinsam mit seiner Frau Edith gekauft. Heute hat das Unternehmen rund 50 Mitarbeiter:innen und der begeisterte Segler, Skifahrer und Mountainbiker fand trotzdem Zeit, sich in der Interessenvertretung zu engagieren. Und das schon lange, war Berger doch vor seiner Bestellung zum Bundesinnungsmeister rund zehn Jahre Landesinnungsmeister in der Steiermark.

Nach wenigen Monaten in der neuen Funktion liegen die ersten Ergebnisse vor. Die Bundesinnung hat sich erstmals in ihrer Geschichte ein umfassendes Leitbild und eine zukunftsweisende Strategie verpasst, um den Herausforderungen entsprechend zu begegnen. Auch in Sachen Normung möchte der neue Bundesinnungsmeister die Installateur:innen selbstbewusster positionieren. „Wos sunnst“ – lautet ein in der Unisan gerne verwendeter Slogan, den, wie es scheint, der 54-jährige Berger auch für die tausenden Mitgliedsbetriebe zum Credo machen möchte. Was der Unternehmer zur aktuellen Marktsituation, zur Positionierung der Innung und zur Vertretung gegenüber der Politik zu sagen hat, lesen Sie im Building Times-Exklusivinterview.
Building Times: Herr Bundesinnungsmeister, Sie sind nun seit rund einem halben Jahr im Amt. Hat Sie in dieser Funktion noch etwas überrascht?

Anton Berger: Positiv überrascht hat mich vor allem die Vielzahl und die Vielschichtigkeit der Aufgaben. Man hat natürlich eine Vorstellung davon, was auf einen zukommt, aber, wenn man dann mitten drin ist, merkt man erst, wie breit dieses Tätigkeitsfeld tatsächlich ist. Gleich zu Beginn sind wir gemeinsam mit Doktor Morolz gestartet, eine Strategie zu entwickeln, wie wir die Arbeit in dieser Funktionsperiode anlegen wollen. Die erste große Maßnahme war dann ein Strategie-Workshop im Herbst mit Vertretern aus allen Landesinnungen, bei dem wir sehr intensiv diskutiert haben, welche Schwerpunkte wir setzen wollen und welche Herausforderungen für unsere Mitglieder aktuell wirklich entscheidend sind.

Interview: Anton Berger

BT: Wie viele Betriebe vertreten Sie aktuell österreichweit – und entwickelt sich diese Zahl eher nach oben oder nach unten?

Berger: Österreichweit vertreten wir knapp über 7.600 Mitgliedsbetriebe. Diese Zahl steigt die letzten 15 Jahre tendenziell immer leicht, allerdings beobachten wir gleichzeitig, dass die durchschnittliche Betriebsgröße sinkt. Das liegt vor allem daran, dass es immer mehr Ein-Personen-Unternehmen gibt. Diese Entwicklung verändert natürlich auch die Struktur innerhalb der Branche und stellt uns vor neue Herausforderungen, etwa was Beratung, Serviceangebote und Interessenvertretung betrifft. Wir wollen schließlich, dass sich alle Mitglieder gut betreut wissen.

BT: Nach einer Förderlücke im Vorjahr fließen jetzt wieder staatliche Mittel. Wie stark beeinflussen diese Förderungen aktuell die Betriebe?

Berger: Die Förderungen haben einen enormen Einfluss auf den Markt. Allerdings muss man klar sagen: Die derzeit verfügbaren Mittel sind bald aufgebraucht. Ein Großteil fließt aktuell in die thermische Sanierung, weil sowohl der Kesseltausch als auch Sanierungsmaßnahmen aus demselben Topf finanziert werden. Von den ursprünglich 360 Millionen Euro sind laut meinem letzten Informationsstand bereits rund drei Viertel verbraucht. Wie lange der Rest noch verfügbar ist, hängt stark davon ab, wie viele Anträge in den nächsten Wochen gestellt werden.

BT: Sie rechnen also bald mit einem Förderstopp?

Berger: Wenn nicht rechtzeitig nachjustiert wird, halte ich es für durchaus möglich, dass es bereits Mitte oder Ende Februar zu einem Förderstopp kommt. Dann hätten wir wieder dieselbe Situation wie Ende 2024: ein plötzlicher Stopp, der den Markt massiv bremst. Für die Betriebe ist das eine Katastrophe, weil Projekte nicht mehr planbar sind. Aber auch für Endkunden, Industrie und Handel ist das ein extrem negatives Szenario. Ohne Planbarkeit gibt es keine strategische Entwicklung, keine Investitionen – und das hemmt den gesamten Markt erheblich. Trotz allem muss man aber auch die budgetäre Situation unseres Landes mitdenken und mit Augenmaß wirtschaften.

BT: Es gibt da noch den Fördertopf „Sauberes Heizen“ in dem rund 180 Millionen Euro lagern. Setzen Sie sich dafür ein, dass diese Mittel freigemacht werden?

Berger: Ja, wir sind hier sehr intensiv unterwegs. Unser Ziel ist, diese Mittel möglichst zweckgebunden für Heizungsmodernisierungen zu verwenden. Allerdings muss man auch realistisch sein: Das Bundesbudget ist massiv strapaziert, und ich bin mir nicht sicher, ob diese Mittel in voller Höhe tatsächlich verfügbar sind. Gleichzeitig wissen wir, dass in der Vergangenheit Mittel nicht abgeholt wurden – etwa durch kurzfristige Registrierungen vor Weihnachten. Wenn man das alles zusammenrechnet, müssten eigentlich noch beträchtliche Summen vorhanden sein. Wir hoffen, es gelingt, dass die Politik hier eine gute Lösung findet.

BT: Sie haben erstmals ein Leitbild und ein strukturiertes Strategiepapier erarbeitet. Was war der Hintergrund dafür?

Berger: Wir wollten bewusst neue handelnde Personen einbinden und ihnen die Möglichkeit geben, ihre eigene Meinung und Expertise einzubringen. Ziel war es, diese Gruppe auch langfristig zu motivieren, während der gesamten Funktionsperiode aktiv mitzuarbeiten. Wenn man Menschen in ein starres, festgefahrenes Schema presst, geht viel Kreativität verloren. Genau das wollten wir vermeiden. Gemeinsam mit Paul Morolz haben wir daher geschaut: Was verlangt die heutige Zeit? Und da ist vieles nicht mehr deckungsgleich mit dem, was in den letzten Jahren gegolten hat. Neu ist vor allem, dass es erstmals ein Leitbild der Bundesinnung und ein strukturiertes Strategiepapier bis 2030 gibt.

BT: Im Leitbild steht, dass Sie die Mitglieder bei unternehmerischen Herausforderungen unterstützen wollen. Was heißt das konkret?

Berger: Es geht dabei nicht darum, den Betrieben operative Aufgaben wie Buchhaltung abzunehmen. Vielmehr geht es darum, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Alltag erleichtern. Ein aktueller Erfolg ist etwa die Sachbezugsbefreiung für Kasten- oder Pritschenwägen. Das sind ganz konkrete Entlastungen. Dazu kommt unsere Arbeit in der Normung, bei der Mitgestaltung von Regelwerken und vor allem beim Abbau von Bürokratie im unternehmerischen Alltag. Unser Ziel ist es, den administrativen Aufwand im Alltag zu reduzieren – auf Bundes- wie auch auf Landesebene. Damit sich unsere Mitglieder ihrer eigentlichen Arbeit widmen können!

BT: Ein zentrales Stichwort ist die Wettbewerbsfähigkeit. Wie definieren Sie diese für Ihre Branche?

Berger: Wettbewerbsfähigkeit beginnt für mich bei der Planbarkeit. Wenn Betriebe wissen, welche Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren gelten, können sie investieren, Personal aufbauen, Partnerschaften eingehen. Über diese Planbarkeit lassen sich dann auch vernünftige Preise gestalten, Kooperationen mit Handel und Industrie entwickeln und langfristig sogar kollektivvertragliche Rahmenbedingungen weiterentwickeln. All das fällt unter den Begriff Wettbewerbsfähigkeit und bedeutet nicht zuletzt Steigerung der Produktivität.

BT: Wie wollen Sie die Zufriedenheit der Mitglieder erhöhen?

Berger: Ein zentrales Ziel ist für mich die Erhöhung der Wahlbeteiligung. In der Steiermark hatten wir knapp 40 Prozent – das ist nicht schlecht, aber trotzdem gehen drei von fünf Mitgliedern nicht wählen. Das zeigt, dass wir noch besser erklären müssen, was wir tun und welchen Nutzen unsere Arbeit hat. Wir möchten einmal damit beginnen, dass die Installateure sehen, dass wir ihre Interessen gegenüber dem Staat, der Politik und anderen Institutionen vertreten.

BT: In der gesamten Innungslandschaft gibt es derzeit nur eine Frau in einer Spitzenposition. Fehlen weibliche Vorbilder?

Berger: Für uns ist das Geschlecht grundsätzlich kein Kriterium. Entscheidend ist ausschließlich das Engagement. In den Ländern gibt es durchaus Stellvertreterinnen und engagierte Frauen, etwa in der Steiermark, wo ich selbst eine Stellvertreterin hatte. Aber Sie haben recht: Gerade bei der Nachwuchsgewinnung sehen wir, dass wir mehr tun müssen, um Frauen für den Beruf zu begeistern. Der Beruf kann körperlich anspruchsvoll sein, aber es gibt viele Funktionen – etwa in Planung, Organisation oder Geschäftsführung –, in denen Frauen eine sehr wichtige Rolle spielen können, aber auch gute Beispiele, wie Frauen erfolgreich und mit Leidenschaft unseren Beruf ausüben.

BT: Es gibt hierzulande viele Verbände mit Einzelinteressen. Sehen Sie da die Notwendigkeit einer Konsolidierung?

Berger: Wir evaluieren derzeit sehr genau, wie Kooperationen aussehen können. Nach der ersten und zweiten Runde werden wir daraus unsere Schlüsse ziehen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es unseriös, zu sagen, welche Organisationen man braucht oder nicht. Aber selbstverständlich schauen wir uns das Thema genauer an. Jedenfalls sind die Innungen die einzige Interessenvertretung, die alle Betriebe der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik vertreten, ohne, dass die Großen bestimmen oder es Trittbrettfahrer gibt oder nur Partikularinteressen vertreten werden.

BT: Eine provokante Frage: Braucht man in Zeiten der Digitalisierung noch neun Landesinnungen?

Berger: Ich bin überzeugt, dass regionale Strukturen weiterhin sehr wichtig sind. Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich massiv: Ein Installateur in Wien arbeitet unter völlig anderen Voraussetzungen als ein Kollege in einem ländlichen Gebiet. Technik, Bauvorschriften und Marktgegebenheiten sind unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, dass wir Stimmen aus ganz Österreich aufnehmen und nicht alles zentral in Wien regeln.

BT: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Gewerben?

Berger: Sehr gut. Mit den Fliesenlegern gibt es ein neues technisches Merkblatt, das gemeinsam erarbeitet wurde. Auch mit Rauchfangkehrern, Hafnern und anderen Gewerben stimmen wir uns intensiv ab. Normen ändern sich, Schnittstellen verschieben sich – und das erfordert laufende Abstimmung. Gerade mit den Elektrikern, mit denen wir uns seit 1. Oktober eine Geschäftsstelle teilen, wollen wir mit visionärem Blick in die Zukunft neue Synergien in der Energie- und Gebäudetechnik entdecken.

BT: Normen stehen in der Bauwirtschaft stark in der Kritik. Wie sehen Sie das?

Berger: Es gibt zu viele Normen, die praxisfern sind. Normen sollen den Stand der Technik abbilden und sowohl dem Konsumenten als auch dem Handwerker Vorteile bringen. Wir haben es geschafft, die Zahl der in der Normenarbeit engagierten Mitglieder zu verzehnfachen. Dadurch wollen wir mehr Mitsprache in den technischen Arbeitsgruppen der Normungsinstitute gewinnen und können so praktikablere Lösungen für die installationstechnischen Gewerbe mitgestalten.

BT: Werden Normen zu stark von der Industrie geprägt?

Berger: Das hängt stark von der Besetzung der Ausschüsse und nicht zuletzt von den finanziellen Möglichkeiten ab. Dort, wo Praktiker fehlen, haben Industriefirmen naturgemäß mehr Einfluss. Mit unserer verstärkten Präsenz wollen wir hier ein Gegengewicht schaffen.

BT: Immer wieder gibt es Berichte über Abzocke durch angebliche Installationsbetriebe. Was tun Sie dagegen?

Berger: Leider gibt es solche Betrugsmaschen in allen Branchen. Wichtig ist, dass Kunden vorab prüfen, ob ein Betrieb offiziell registriert ist – etwa im Firmen-A-bis-Z der Wirtschaftskammer oder im Installateurfinder der Bundesinnung. Die meisten ordnungsgemäß registrierten Betriebe arbeiten seriös.

BT: In Deutschland wird befürchtet, dass Installateur:innen zu reinen Monteur:innen großer Plattformen werden. Droht das auch in Österreich?

Berger: Ich glaube nicht. In Österreich spielen persönliche Kontakte eine große Rolle. Außerdem braucht jede Heizungsanlage über Jahrzehnte Wartung und Betreuung. Das funktioniert am besten mit einem regionalen Installateur, nicht über eine anonyme Plattform.

BT: Die Arbeitkammer erhebt laufend die Stundensätze von Installateur:innen. Sind die stark gestiegenen Stundensätze gerechtfertigt?

Berger: In den letzten fünf Jahren hatten wir jährliche Lohnerhöhungen von sieben bis acht Prozent, dazu massive Kostensteigerungen bei Fahrzeugen, Energie und Verwaltung. Das muss sich in den Stundensätzen widerspiegeln. Wichtig ist aber: Der Stundensatz sagt nichts über das Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Ein guter Monteur, der effizient und sauber arbeitet, ist jeden Euro wert.

BT: Viele Anlagen lassen sich heute per App steuern. Sind die Installateur:innen dafür ausreichend geschult?

Berger: Der Installateur ist primär für die Technik zuständig, nicht für die App. Die Einschulung übernimmt in der Regel der Inbetriebnahmetechniker des Herstellers. Pro Hersteller gibt es mehrere Apps – das kann kein Monteur im Detail beherrschen.

BT: Eben ging die Frauenthal-Expo erfolgreich über die Bühne. Wie sehen Sie die Zukunft der Energiesparmesse Wels?

Berger: Wir als Innungen unterstützen die Messe aktiv. Es ist wichtig, eine neutrale Fachmesse in Österreich zu haben. Natürlich ist der Markt derzeit schwierig, aber wir wünschen uns, dass die Messe wieder an frühere Größen anknüpfen kann.

BT: Wärmepumpe oder Biomassekessel – was setzen Sie häufiger ein?

Berger: Das hängt stark von Region und Gebäude ab. In der Sanierung verbauen wir häufiger Biomassekessel, bei Niedertemperatursystemen ist die Wärmepumpe ideal. Beide Systeme sind ökologisch sinnvoll.

BT: Nur kurz zu Ihrem Unternehmen: Wie groß ist es heute?

Berger: Ich habe das Unternehmen 2008 gemeinsam mit meiner Frau übernommen. Wir haben heute rund 50 Mitarbeiter. Besonders freut mich, dass inzwischen auch mein Sohn im Betrieb mitarbeitet.

BT: Wie blicken Sie in die Zukunft der Branche?

Berger: Trotz aller aktuellen Herausforderungen bin ich sehr optimistisch. Die Anfragen steigen wieder, besonders im Sanierungsbereich. Auch der Bad-Markt beginnt sich zu erholen. Ich bin überzeugt, dass wir die Talsohle bald hinter uns lassen und die Branche wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt.

BT: Und wie sieht es privat aus – wie entspannen Sie?

Berger: Am liebsten in der Natur: Segeln, Mountainbiken, Skifahren. Vor allem Segeln ist unglaublich entspannend – wenn man „leinenlos“ ist, sinkt der Puls sofort.

 

Kurzgefasst:

Die neue Strategie der Bundesinnung der Installateure 2025–2030

Ziel: Stärkere, einheitliche Interessenvertretung der Branche in Österreich.
Vision: Zentrale Ansprechpartnerin für Betriebe, Politik und Partner werden.
Schwerpunkte:

  • stabile und rechtssichere Rahmenbedingungen für Betriebe
  • bessere Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landesinnungen
  • Ausbau der Serviceleistungen für Mitglieder
  • aktive Rolle bei Energiewende und nachhaltiger Gebäudetechnik

Die Umsetzung soll mit konkreten Maßnahmenplänen und Fokus auf Ausbildung, Innovation und Branchenmarketing erfolgen.