Sonnenschein im Algorithmus: Wie Software die Solarwelt übernimmt

Algorithmen statt Pi mal Daumen: Eine neue Welle von KI-Tools und digitalen Planern verspricht, die Solarbranche effizienter zu machen. Werden Handwerker und Planer nun zu App-Usern?

Die Photovoltaikbranche sortiert sich neu. Es geht nicht mehr nur um Silizium und Glas auf dem Dach, sondern um die Macht der Algorithmen. Während die Hardware fast austauschbar wirkt, wird Software zum eigentlichen Taktgeber. Eine neue Generation von Tools verspricht, den Weg von der ersten Skizze bis zum letzten Handgriff auf der Baustelle radikal zu verkürzen.

Der Blick in die Branche zeigt: Die künstliche Intelligenz übernimmt das Kommando. Kiwigrid schickt mit Matua einen KI-Assistenten ins Rennen, der das Energiemanagement nicht nur verwalten, sondern vorausschauen soll. Es ist der Versuch, das Chaos aus Erzeugung und Verbrauch in eine berechenbare Logik zu zwingen. Eine Etage tiefer, beim Handwerk, setzt Tabtool auf digitale Disziplin. Die Software dokumentiert jeden Schritt der Montage. Was früher auf zerknitterten Zetteln im Transporter endete, landet heute in Echtzeit auf dem Tablet. Man fragt sich, warum der digitale Sprung im Handwerk so lange auf sich warten ließ.

Auch bei der Planung wird die Luft für Amateure dünner. Fimer lanciert mit Powerphast ein Simulationswerkzeug, das über die Plattform Aurora Vision komplexe Speicherlösungen kalkuliert. Valentin Software zieht mit PV Sol Premium 2026 nach. Hier verschmelzen Solaranlagen, Wärmepumpen und Speicher zu einem digitalen Ökosystem. Es geht um Flexibilität statt starrer Standards.

Dass Überwachung heute mehr als nur bunte Graphen bedeutet, zeigt Socomec. Die Plattform Solive Pro analysiert Lithium-Ionen-Batterien in Industrieanlagen per KI. Echtzeitanalyse statt Rätselraten bei der Wartung. Ähnlich pragmatisch agiert Senec im Heimbereich: Das System füttert Batterien dann, wenn der Strompreis im Keller ist oder die Sonne am höchsten steht. Prognosebasiertes Laden nennt sich das in der Fachwelt – für den Nutzer bedeutet es schlichtweg Effizienz auf Knopfdruck.

Die größte Variable bleibt jedoch das Wetter. Hier meldet das Fraunhofer ISE einen Durchbruch. Ein neues KI-Verfahren nutzt Infrarotdaten, um Wolkenbewegungen am frühen Morgen präziser vorherzusagen. Bisher war der Tagesstart oft eine meteorologische Google-Suche mit ungewissem Ausgang. Jetzt liefert die Wissenschaft die nötige Vorhersagegenauigkeit.

Komplettiert wird das digitale Wettrüsten durch Updates bei Solar-Planit und neue Visualisierungen von Kostal. Selbst Ecoflow mischt mit einem smarten Energiezähler mit, der Verbraucher direkt steuert. Die Botschaft ist klar: Wer heute noch analog plant, hat morgen schon verloren. Die Branche digitalisiert sich nicht nur – sie professionalisiert sich im Sekundentakt.