Palfinger schmiedet Indien-Allianz mit TVS Mobility Group

Der österreichische Kranhersteller vertieft seine Partnerschaft in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt. Ein neues Werk in Pune soll die lokale Präsenz stärken.

Man könnte meinen, Indien sei für europäische Maschinenbauer nur ein weiterer Absatzmarkt. Doch für Palfinger ist das Subkontinent mehr: ein strategisches Schachbrett, auf dem gerade die entscheidenden Züge gemacht werden.Der österreichische Kranhersteller aus Bergheim hat nun eine Grundsatzvereinbarung mit der TVS Mobility Group unterzeichnet.

Das klingt zunächst nach routinierter Geschäftsdiplomatie. Doch dahinter steckt ein ambitionierter Plan: Bis 2030 will Palfinger in der APAC-Region Umsätze von bis zu 300 Millionen Euro generieren.Die TVS Mobility Group bringt beeindruckende Zahlen mit: 25.000 Mitarbeiter, Präsenz in 25 Ländern und einen Jahresumsatz von drei Milliarden US-Dollar. Für Palfinger bedeutet das vor allem eines: direkten Zugang zu etablierten Lieferketten und einem funktionierenden Servicenetzwerk.Besonders clever: Die Kooperation fokussiert sich nicht nur auf den Vertrieb.

Gemeinsame Projekte in Logistik und Infrastruktur sind bereits angelaufen. Ersatzteile sollen künftig schneller verfügbar sein, der Service näher am Kunden. Man fragt sich, warum das nicht schon früher passiert ist.

Dass Palfinger es ernst meint, zeigt ein konkretes Projekt: In der Industriezone Ranjangaon bei Pune entsteht ein eigenes Produktionswerk. Das Grundstück ist bereits gesichert. Parallel dazu wurde im Dezember 2025 ein Global Development Center in Pune eröffnet – indische Ingenieure arbeiten dort an marktspezifischen Lösungen.

CEO Andreas Klauser spricht von „nachhaltigen Wachstum“ und der „konsequenten Umsetzung der APAC-Strategie“. R. Dinesh von TVS betont die Rolle als „integrierter Mobilitätspartner“.

Die üblichen Floskeln der Geschäftswelt, könnte man denken.Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2024 erzielte Palfinger einen Konzernumsatz von 2,36 Milliarden Euro. Indien könnte perspektivisch mehr als zehn Prozent davon beisteuern.

In einem Land, wo Infrastruktur- und Bauprojekte boomen und die Modernisierung der Logistik voranschreitet, ist das keine unrealistische Prognose.Die Strategie folgt dem Prinzip „In der Region, für die Region“. Ein Ansatz, der in Zeiten geopolitischer Spannungen und fragiler Lieferketten durchaus Sinn ergibt.

Ob die große Indien-Offensive aufgeht, wird sich zeigen. Die Weichen sind jedenfalls gestellt.