Totschnigs Laune bringt Geraune

Der Sanierungsbonus ist nach wenigen Wochen für heuer ausgelaufen. Minister Norbert Totschnig hat per Dekret das verbleibende Fördergeld zum Kesseltausch umdirigiert. Was die Heizungsbranche freut, ist für andere unverständlich.

Es gibt einen Kuchen und der wird nun neu geschnitten. Weil viel Fördergeld in die thermische Sanierung geht, hat Minister Norbert Totschnig am ersten Tag der Semesterferien in Wien und Niederösterreich die Handbremse gezogen. Ab sofort wird vom Bund nur mehr der Kesseltausch gefördert, für neue Fenster und Dämmung gibt es seit gestern keine Förderung mehr. Begründet wird der Stopp damit, dass der Kesseltausch eine „deutlich höhere CO₂-Einsparung pro eingesetztem Euro erzielt“ als die thermische Sanierung. Was die Heizungsbranche freut, sorgt bei Dämmstoff- und Fensterherstellern für miese Stimmung. Sie haben seit dem Förderstart im November 2025 Werbung für die geförderte Sanierung gemacht und jetzt sorgt der ministerielle Streich für ein überraschendes Aus.

Hü-Hott-Freude und fehlende Planbarkeit

Freuen sollte sich über das Manöver des Ministers eigentlich niemand. Wenn die Hü-Hott-Politik zum Standard wird, bleiben am Ende immer Verlierer übrig. Und wo Verlierer sind, gibt es auch Verluste. „Ich bin alles andere als glücklich. Wir haben jahrelang gepredigt, dass es sinnvoll ist, zuerst zu sanieren und dann die Heizkessel zu tauschen und haben geglaubt, dass die Politik das begriffen hat“, sagt Christian Klinger, Chef der IFN Holding (Internorm). Sein Unternehmen hat eine TV-Kampagne zur Sanierung laufen, die nun gestoppt wird. Er kritisiert die fehlende Planbarkeit, die mit der „Umdirigierung der Förderung“ entstanden ist und verweist auf eine Studie des Wirtschaftsprofessors Friedrich Schneider von der Uni Linz. Danach würde ein Euro Förderung für die thermische Sanierung dem Staat zwei Euros in Form von Steuern und Abgaben bringen. Dass die Politik solche Fakten ignoriert, ist für Klinger unverständlich. Dazu komme, dass thermisch optimierte Gebäude nicht nur vor Kälte schützen, sondern auch vor der sommerlichen Überhitzung. „Das kann ein Pelletskessel nicht, das wird trotz der steigenden Zahl an Hitzetagen ignoriert“, betont Klinger.

FBI ortet Symptombekämpfung

Auch der Forschungsverband der Baustoffindustrie (FBI) zeigt sich kritisch. „Die nun verkündete Schwerpunktsetzung der im November präsentierten Fördermaßnahmen greift zu kurz und verkennt die zentrale Rolle der thermisch-energetischen Sanierung der Gebäudehülle. Effizienz bedeutet, zuerst die Gebäudehülle zu sanieren sowie den Energieverbrauch zu senken und danach den Heizungstausch umzusetzen. Da im Rahmen der Sanierungsoffensive 2026 noch Mittel vorhanden sind, dürfen investitions- und sanierungsbereite Gebäudeeigentümer:innen nicht auf 2027 vertröstet werden“, appelliert FBI-Vorstandsvorsitzender Georg Bursik für eine ausgewogene Mittelverwendung. „Ohne konsequente Reduktion des Heizwärmebedarfs bleibt jeder Heizkesseltausch lediglich eine teure Symptombekämpfung“, so seine Sicht.

Förder-Ende bremst Investitionen

Auch der FBI kritisiert den Förderstopp und verweist auf die Schneider-Studie: Diese zeige klar, dass gerade thermische Sanierungen besonders hohe gesamtwirtschaftliche Effekte erzielen: Fördermittel in diesem Bereich lösen ein Vielfaches an Wertschöpfung im Inland aus, sichern zehntausende Arbeitsplätze entlang der Bau- und Baustoffwertschöpfungskette und führen zu höheren Steuer- und Abgabenrückflüssen, als der Staat an Förderung einsetzt.
Der FBI fordert daher eine ausgewogene Mittelverteilung zwischen Heiztechnik und thermischer Sanierung, eine klare Priorisierung von Maßnahmen mit hoher CO₂- und Wertschöpfungswirkung, sowie Planungssicherheit und Kontinuität für Sanierungswillige und Betriebe. „Effizienz im Sinne des Klimaschutzes und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit beginnt bei der Gebäudehülle. Alles andere greift zu kurz“, so das Fazit von Georg Bursik.

Angespeiste Bauinnung

Wenig Verständnis für das Wendemanöver des Umweltministeriums hat auch Robert Jägersberger, Bundesinnung Bau. „Dass nun bereits 3 Monate nach Inkrafttreten der neuen Förderoffensive alle baulichen Sanierungsmaßnahmen aus dem Förderprogramm gestrichen wurden, konterkariert die Planbarkeit des Programms und zeigt, dass die Politik offensichtlich nach wie vor die nachteiligen Auswirkungen einer kurzfristigen Stopp and Go-Politik unterschätzt“.
Auch das inhaltliche Argument des Umweltministeriums, dass bei einem Kesseltausch eine deutlich höhere CO2-Einsparung pro eingesetztem Euro als bei der thermisch-energetischen Sanierung erzielt werden könne, greift für Jägersberger zu kurz. „Von zahlreichen Experten wurde eindeutig klargestellt, dass ein reiner Kesseltausch ohne energiesparende Begleitmaßnahmen in der Regel wenig Sinn macht. Schließlich bleibt der Gesamtenergieverbrauch bei einem reinen Kesseltausch zu einem Großteil unverändert und es kommt lediglich eine CO2-ärmere Technologie zum Einsatz“, so der Bundesinnungsmeister. Wesentlich sinnvoller wäre es, auf ein Gesamtpaket zu setzen, welches auch eine nachhaltige Reduktion des Energieeinsatzes bewirkt. Ohne begleitende bauliche Maßnahmen wird dies in der Regel nicht zu bewerkstelligen sein, betont der Innungsmeister.