Gebäude-Klimarechner geht online

Die Immobilienwirtschaft hat bis 2045 nur noch 19 Jahre Zeit, um ihr Denken, ihre Konventionen und vor allem ihr Handeln aufgrund des Klimawandels grundlegend zu ändern. Ein Forschungsprojekt für Nachhaltigkeitsbewertungen soll dabei helfen.

Der Gebäude-Klimarechner g-kr.online unterstützt den bewussten Umgang mit dem Bestand als wertvolle Ressource. Dafür wird der ökologische Wert von Bestandsgebäuden transparent dargestellt und die Umweltauswirkungen verschiedener Sanierungsstrategien mit der Alternative eines Ersatz-Neubaus verglichen. Der Vergleich erfolgt auf Basis von CO2-Äquivalenten und des Ressourcenabdrucks, der die Menge und Art der verbauten Materialen erhebt.

Der kostenfrei verfügbare Online-Rechner gibt auf die Frage nach dem richtigen ökologischen Umgang mit Bestandsbauten einfach verständliche Antworten und ermöglicht Nutzern einen Einstieg in die komplexe Materie von Nachhaltigkeitsbewertungen unter Berücksichtigung der CO2-Emissionen im Lebenszyklus eines Gebäudes.

Forschungsprojekt im Programm „Zukunft Bau“

Der Gebäude-Klimarechner ist ein Forschungsprojekt, gefördert vom deutschen Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Programm „Zukunft Bau“ und geleitet von den Umbauspezialisten Muck Petzet Architekten. Das Berechnungssystem und die Datengrundlagen wurden in Kooperation mit der Accademia di architettura-USI in Mendrisio, b+ee bauphysik + energieeffizienz und Madaster entwickelt und mit der Software von Scandens abgeglichen. Mitinitiatoren und Kooperationspartner sind der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA sowie die Greyfield Group. Den wissenschaftlichen Beirat bilden die UniversitätsprofessorInnen Elisabeth Endres (TU Braunschweig) und Thomas Auer (TU München) sowie Timm Sassen (Greyfield Group).

Wenige Eingaben liefern erste ökologische Grunddaten

Der Online-Rechner ist aus der Notwendigkeit entstanden, die Betrachtungsebene der Betriebsenergieeffizienz von Bestandsgebäuden mit den dafür notwendigen Herstellungsemissionen und Ressourcenverbräuchen zu verbinden und so einen ganzheitlichen Vergleich unterschiedlicher Handlungsoptionen zu ermöglichen. Auch wenn in letzter Zeit zunehmend Software- und Beratungslösungen auf den Markt gekommen sind, die vielschichtige Lebenszyklusanalysen beinhalten, sind diese komplex, kostenintensiv und lassen sich oft nur von ExpertInnen bedienen, auswerten und verstehen.

Das Forschungsprojekt hat sich dagegen zum Ziel gesetzt, mit wenigen Eingaben bereits eine erste Vorstellung von den ökologisch relevanten Grunddaten eines Gebäudes zu erhalten – und durch das Durchspielen unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten die verschiedenen Einflussfaktoren abschätzen zu lernen.

Aktuell wird zunächst eine Beta-Version des Rechners für Wohnungsbauten online gestellt. Mithilfe der eingegebenen Daten und des Online-Feedbacks soll der Rechner weiter verbessert werden. Auch die Ausweitung auf weitere Gebäudetypen wie beispielsweise Bildungs- und Verwaltungsbauten ist geplant.