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Frei schwebend schaffend

Projekte & Visionen

Als junge Architekten haben Heribert Wolfmayr und Josef Saller nicht auf die große Chance gewartet, sondern sich ihre Aufträge selbst geschaffen. Seitdem ihr erstes größeres Projekt nicht gebaut wurde, sind die beiden als heri&salli selbstständig.
„Gemeinschaften zu bilden, ist eine der maßgeblichen Errungenschaften von Architektur“ ist das Credo des Wiener Architekturbüros heri&salli, wie Architekt Heribert Wolfmayr im Gespräch mit der Building Times bestätigt. Sein Partner und ebenfalls-Hälfte-Eigentümer ist Josef Saller, woraus auch der Büro-Name gebildet wird: heri&salli.

Ihre Selbständigkeit habe mit einer Nicht-Realisierung begonnen, einem Bürogebäude, das nicht gebaut wurde – „aber da waren wir schon im Fahrwasser der Selbstständigkeit“, so Wolfmayr. Diese begann dann mit sehr viel Eigeninitiative, indem sie „ganz kleine Projekte im öffentlichen Raum“ realisierten, wie Wolfmayr erklärt, „teilweise selbst gesucht“ und damit geschaffen haben. Frei nach dem Motto: Selbst gemacht.

Deshalb gingen die Dinge nach der Bürogründung 2004 lebhaft weiter, vorerst mit einer ersten Aufgabe im privaten Sektor. Wolfmayr und Saller verstehen ihr Büro als „Studio für Architektur, Design und urbane Entwicklungen“. Es will „die Gestaltung der Umwelt als Symbiose unterschiedlicher Disziplinen sehen. Nachhaltigkeit, Resilienz, Technologie und Innovation seien wichtige Basiselemente von kreativen Prozessen, um für die Menschheit lebenswerten Raum zu schaffen, sagen die Architekten.

Weiters halten sie fest: „Anhand temporärer Rauminstallationen entwickelten heri&salli anfangs der Nullerjahre ihre bis heute relevanten Raumkonzepte. Immer wieder stellt sich dabei die Frage, in welchem Verhältnis sich der Mensch zu seiner Umgebung, zur Gesellschaft befindet, und welche Rolle dabei die Architektur einnimmt“. Und ergänzen, in der dritten Person: „heri&salli prägten für sich den Begriff des Negativ-Designs. Wie weit kann man *Gestaltung*, in einer Zeit der Überproduktion, auf das *Wegnehmen* reduzieren. Um eine Architektur der *Visionären Ökologie* zu verfolgen, müssen Nutzungskreisläufe hinterfragt, systemisches Denken gefördert und nutzungsbezogene Vielfalt geschaffen werden“.

Zahlreiche Planungen, viele von ihnen durchaus originell, wie etwa die Musicbox am Arsenalsteg, das Flederhaus, das Projekt Land Schaf(f)t Zaun oder das Strohzimmer der Essigbrauerei Gegenbauer sind aus dieser Betrachtungsweise heraus entstanden.

Das Strohzimmer

Für das Strohzimmer wurde der Gestaltungsansatz der Wieder-, Weiter- und Abfallverwertung verfolgt. Die Zusammensetzung des Raums ist ersichtlich, greifbar, spürbar und riechbar – ein architektonischer Moment der Sinne. Dazu sagen die Architekten: „Um zirkuläre Baukonzepte zu verfolgen, werden wir unsere Denkprozesse verändern müssen, sodass die lineare Verwendung von Materialität in Wiedereinsetzbarkeit transformiert wird: singuläre Elemente als Bauteile eines Gesamtzusammenhanges“.

Saller hat an der HTL/Hochbau in Saalfelden studiert, an der Oxford Brookes University, an der TU Wien und an der Hochschule der Künste in Berlin und war Mitarbeiter bei der Coop Himmelb(l)au in Wien und in einem niederländischen Büro. Seit 2023 ist er Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Salzburg, seit dem Vorjahr dort auch Mitglied in der Sv-Kommission für Altstadt-Erhaltung. Bereits seit 2014 ist er Lektor an der TU Wien und war Lehrbeauftragter an der Fakultät für Innenarchitektur, Architektur und Design der TH Rosenheim (D).

Neun Mitarbeiter:innen arbeiten bei heri&salli: „Großteils aus Österreich, aber mit vielen Praktikant:innen aus Deutschland. Wir haben hauptsächlich weibliche Beschäftigte, das wechselt aber und ist nicht gelenkt, erklärt Wolfmayr. „Unsere Mitarbeiter:innen kommen aus unterschiedlichen Ländern, welche sich in Wien niedergelassen haben. Dadurch ergibt sich eine kulturelle Diversität und diskursive Lebendigkeit im Büro“.

Zum Umsatz will er keine Aussagen treffen, erwartet aber für heuer, dass es konjunkturell besser laufen werde. Zur Wohnbau-Flaute hält er fest: „Wir haben zwei Projekte in Planung, merken aber auch in der Kollegenschaft, dass sich nicht alle vor Arbeit retten können. Es hat schon bessere Zeiten gegeben“.

Wettbewerbe spielen für heri&salli „eine wichtige Rolle, vor allem im Wohnbau. Wir machen etwa drei bis vier pro Jahr, dazu kommen Direktvergaben, wie zum Beispiel für kleinere Bürogebäude“. Die Planung für den Bauplatz F7 in der Seestadt Aspern, die bereits vergeben wurde, ist nur ein Beispiel für einen Wettbewerbs-Erfolg.

Stark in der Seestadt Aspern

In der Seestadt haben die Architekten schon einige kräftige Spuren hinterlassen: Das Forum am Seebogen, ein multifunktionaler Hybridbau in Holz-Bauweise, ebenso das schon genannte Flederhaus sowie „Wohnen am Anger“. Gemeinsam mit Gangoly & Kristiner Architekten und Yewo Landscapes haben heri&salli einen geladenen, einstufigen Wettbewerb gewonnen und die Planung aufgenommen.

Genauso wie für ein größeres Gebäude in Prag, ein Mixed-Use-Objekt mit 21.000 m² BGF. Städtebaulich orientiere sich das Projekt an der bestehenden Blockrand-Struktur und öffne sich zugleich zu einem neugestalteten Park entlang des Flusses Botic. Während zur Straße hin eine klare Stadtfassade entstehe, richteten sich Balkone und Terrassen zum ruhigen, gemeinschaftlichen Innenhof, heißt es in der Darstellung des Projektes. Gleichzeitig sind im burgenländischen Steinberg-Dörfl (Bezirk Oberpullendorf) derzeit gerade zwei Schuppen im Bau, einer für Kunst und der zweite für Landwirtschaft.

In der Herangehensweise an die Architektur habe sich in den letzten 20 Jahren für heri&salli nichts geändert, erklärt Wolfmayr, denn „wir versuchen, uns jedem Projekt mit einer konzeptionellen Herangehensweise zu nähern: Aber: „Es wird immer komplexer, auch durch Regulierungen. Wie wird ein Haus versorgt? Siehe den heurigen Sommer, der zeigt, dass wir ohne Kühlung nicht mehr auskommen werden. Wir müssen die Natur immer stärker berücksichtigen und erleben hier noch eine weitere Sensibilisierung. Wir erzeugen mit Architektur die Räume und die Umwelt, in der wir leben. Das heißt Schutz vor Hitze, Kälte, Nässe, usw.“.

Wichtigstes oder liebes Projekt habe er keines, denn „jedes Gebäude hat für sich eine eigene Qualität“. Rund 65 Projekte seien bisher gebaut worden, bzw. behördlich eingereicht, „gearbeitet haben wir wahrscheinlich an rund hundert“.

Für wen heri&salli nicht planen würden, beantwortet Architekt Heribert Wolfmayr ganz klar: „Wenn es antidemokratische Ansätze gibt, dann habe ich damit Probleme. Nicht für eine Gesellschaft, die diktatorisch geführt wird“. Schlechte Architektur sieht Wolfmayr dann, „wenn sie sich nur auf die Oberfläche reduziert, wenn sie nur auf reine Repräsentation abzielt“.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 28. September 2026 - zuletzt bearbeitet am 28. September 2026


HC
AutorHannes Ch. Steinmann
Tags
Architektur
Projekt
Wien
Seestadt
Heribert Wolfmayr
Josef Saller
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